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Wir brauchen Helden, keine Antihelden

4. Juni 2024

Einer der sicherlich schlechtesten Filme die ich je gesehen habe ist der zweite Teil von 300 „Rise of an Empire“. Dieser ist, nach internationalem Lexikon des Films „Ein bluttriefendes, redundantes Spektakel auf Grundlage eines Comic-Books. Ästhetisch und inhaltlich eine Fortsetzung des „300“-Gemetzels, wenngleich in seiner Attitüde weniger menschenverachtend und reaktionär.“

Besonders dem letzten Befund kann ich von vollem Herzen zustimmen. Ist im ersten Teil ein treuer Ehemann der Held, der den Versuchungen des großen Gottkönigs Xerxes widersteht, kämpft im zweiten Teil der griechische „Held“ Themistokles gegen die verführerische Kriegerin und Heerführerin Artemisia die für den Perserkönig Xerxes streitet. Der Unterschied wird spätestens bei der obligatorischen Verführungsszene deutlich. Hier schlägt Themistokles zwar das Angebot, die Griechen zu verraten, letztendlich ab, unterstreicht dies aber nicht mit dem Widerstand gegen die sexuelle Verführung der Feindin sondern lässt sich auf ihre Verführung in einer unnötig langen Szene ein.

Damit ist der Film also weniger reaktionär sprich: progressiv. Themistokles bedient gewissermaßen das Bild des Antihelden der zwar irgendwie der Gute ist, aber irgendwie eben nicht wirklich gut. Zu beachten ist am griechischen Wort „anti“, dass es nicht nur gegen heißt, sondern auch „an Stelle von“. So ist der Antiheld nicht der Opponent des Helden, sondern sein moralisch weniger integrer Ersatz.

Ähnlich verhält es sich auch mit dem biblischen Begriff des „Antichristen“, der nicht unbedingt eine Person bezeichnet, die Jesus Christus offen ablehnt, sondern eher jemanden der sich an seine Stelle setzt und Herrschaft über die Gewissen und gottgleiche Verehrung einfordert. Aus diesem Grund sahen die Reformatoren im Papst ebendiesen.

Mit der Antifa nun verhält es sich in gewisser Hinsicht auch so. Sie ist nicht wirklich eine demokratische Gegenbewegung zum Faschismus, sondern eben eine teilweise gewaltbereite Bewegung die mit zum Teil ähnlichen Mitteln eine andere Ideologie, die aber doch viele Ähnlichkeiten aufweist (Kollektivismus, Autoritarismus) durchzusetzen sucht.

Die Frage die sich nun stellt ist: Wie ist es mit den Anti-Woken bzw. der Anti-Establishmentbewegung in unserem Land, sprich: mit uns? Was setzen wir der Perversion, der Lüge und der Unmoral unserer Zeit entgegen? Perversion, Lüge und Unmoral von rechts? Manch einer mag offen oder versteckt so denken. Allerdings wurde kein großes Reich jemals auf Zynismus und reinem Pragmatismus erbaut. Von den Ägyptern, über Babylon und Rom bis hin zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation und dem Deutschen Kaiserreich haben die Erbauer dieser Reiche sowie ihre Bewohner stets an etwas Höheres geglaubt. Zynismus und Unglaube standen immer am Ende, nie am Anfang einer großen Epoche. An ihrem Anfang stehen große Erzählungen und Helden, die ihre Lehre mit ihren Taten unterstrichen haben.

Zwar mag ein rein pragmatisches Vorgehen kurzfristig erfolgreich sein, jedoch trägt das Böse die Wurzel seiner eigenen Vernichtung in sich. Moral und Recht, „das Gute“ sind eben nicht total subjektiv, sondern mit Abstufungen und Ungenauigkeiten, von allen Menschen wahrnehmbar. Auch wenn der Maßstab des Guten in den Details variiert sind doch Tapferkeit, Weisheit, Disziplin, Ehre, Hingabe usw. in jeder Kultur anerkannt während Feigheit, Dummheit und Faulheit keineswegs die gleiche Anerkennung genießen.

Selbst die herrschende Moral, die woke Interpretation der Menschenrechtsidee, ist nur eine pervertierte Form des „Guten“. Während die Moral sagt „Erbarme dich dem Schwachen und hilf ihm stark zu werden, denn vielleicht ist es nicht aus eigenem Verschulden schwach“, sagt die woke Antimoral (nicht Unmoral!): „Das Schwache ist immer unterdrückt und das Starke immer unterdrückend, schwäche das Starke und gib seine Macht mir, ich verwalte es für das Schwache.“ 

Es gibt in diesem Sinne keine neuen Werte, sondern nur ein Pervertieren im Sinne eines Über- und Unterbetonens der tatsächlichen Moral. Wo wir also nicht der rechte Abklatsch linker Wertlosigkeit sein wollen, gilt es das Gute, das Wahre und das Schöne neu zu entdecken und unsere Werte an der Moral auszurichten.

Mit Michael Stürzenberger und dem Terroranschlag auf ihn hat die rechte Bewegung einen weiteren Märtyrer und ein weiteres Opfer bekommen. Aber auch ein Vorbild in Sachen Mut, das seine Inspiration und Legitimation aus dem Widerstand gegen das NS-Regime gezogen hat. Wir dürfen nicht in einer linken Opfermoral verweilen, sondern sollten mutig für ein neues Heldentum auf der Basis echter Werte eintreten. Grundlage dieser Werte finden wir in den großen Helden der Geschichte. Zeit, eine Biografie über Luther oder Jan Hus in die Hand zu nehmen, die Apologie des Sokrates zu lesen, oder die Bibel aufzuschlagen.

6 Comments

  1. Also der protestantische Kommentar zu den Päpsten war schon harter Cringe, um mal diesen Begriff zu nutzen und zeugt von einer Sicht auf das Pontifikat die weniger von tatsächlicher Beschäftigung mit diesem, sondern primär von KALTEm Antikatholizismus geprägt hat, was – ich möchte es an der Stelle nochmal reiterieren – cringe ist.

    Aber gut, der AUTOr bezeichnet sich selbst als „ANARCHISTISCHEr Demokrat“ und „Libertärer antikapitalist“, also kann man bezweifeln dass er überhaupt christlich ist.

    P.S: Es ist extrem störend und irrititierend, dass alles im Kommentarfeld in Capslock angezeigt wird. Wäre schön, wenn ihr das vielleicht ändern könntet 🙂

  2. @Bader
    Meinen Sie die in der Bibel offenbarte, göttliche Moral? Wenn wir nur die Antithesen der Bergpredigt nähmen, müssten einige Leute einäugig oder einhändig herumlaufen (Mt 5, 27 ff.). Übrigens sind diese Moralvorstellungen in den jeweiligen Katechismen (durch Dritte) ausgelegt.

  3. @Kirchmann: die in der Bibel offenbarte, göttliche (k.a. warum das hier alles groß schreibt)

  4. Die Umsetzung des Geschriebenen im Kommentarfeld in das Angezeigte ist mässig! Das Programm erschafft Rechtschreibfehler, wo man keine Gemacht hat!

  5. Die Umsetzung des Geschriebenen im Kommentarfeld in das Angezeigte ist mässig! Das Programm erschafft Rechtschreibfehler, wo man keine Gemacht hat!

  6. welche Moral, von wem erdacht? Man sollte sich von Moralvorstellungen grundsätzlich verabschieden, weil sie immer die Vorstellungen anderer sind.
    Und beim Heldentum sollte man nicht vergessen, dass der Held Letztendlich sterben muss, Um Held zu sein (Odysseus ist in einer Erzählung Bei den Helden die einzige Ausnahme).

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Karl Napf

Karl Napf vereint etliche Widersprüche in sich. Er ist badischer Protestant, anarchistischer Demokrat und libertärer Antikapitalist. Er strebt dem Ende seines Theologiestudiums entgegen und hegt große Sympathien für Erweckungsprediger wie Spurgeon, Whitefield oder seinen badischen Landsmann Aloys Henhöfer.


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