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Schuster bleib bei deinem Lande!

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Wer Deutschland den Rücken kehrt, verrät Wurzeln, Land und Geschichte, meint unser Autor Florian Müller. Auch in anderen Ländern gibt es Repression und Widrigkeiten. Am besten stellt man sich den Problemen der Zeit in seiner Heimat entgegen. Auswandern ist nur eine Flucht auf Zeit.

„Ein Deutscher, der sein Vaterland abstreift wie einen alten Rock, ist für mich kein Deutscher mehr.“ , meinte Otto von Bismarck einmal. Der eiserne Junker liegt schon lange unter der Erde, aber viele seiner Sprüche sind noch immer präsent. Auswandern bedeutet das Wegwerfen des Erbes, der Geschichte, der Kultur und der Sprache zum Zwecke seines eigenen Wohlergehens. Die Kernfrage lautet: Was bedeutet Wohlergehen?

Auswandern für Deutschland?

Ja, in Deutschland läuft einiges, oder besser gesagt ziemlich viel, absolut falsch. Deshalb gleich das Land verlassen? Das ist an fahnenflüchtiger Feigheit nicht zu überbieten. Akzeptabel sind in meinen Augen lediglich zwei Szenarien. Sein eigenes Leib und Leben oder das der Familie wird ernsthaft bedroht oder gefährdet. Dazu zählt aber nicht ein aggressiver Dorfpolizist oder ein drohender Neubürger. Die Sorge sollte etwas größer sein. Würden zum Beispiel Martin Sellner oder andere Aktivisten ins Exil gehen (Repression, Verhaftung, Angriffe, Auto angezündet) kann man das vollkommen nachvollziehen. Allerdings sollte er auch seine Arbeit weiterhin aus dem Ausland machen. Und damit kämen wir zum zweiten Punkt, einer vollkommen legitimen Auswanderung. Wenn man nämlich aufgrund eines repressiven Staates an seiner politischen, künstlerischen oder idealistischen Arbeit behindert wird. Oliver Janich beispielsweise lebt auf den Philippinen und versucht, tagein, tagaus, die deutsche Öffentlichkeit aufzuklären. Ob dies aus dem Ausland wirklich besser möglich ist, kann nicht gesagt werden, den alltäglichen Repressalien, denen andere Aktivisten gegenüberstehen, entgeht er zumindest.

 Zurück zur Ausgangsfrage. Aus einer echten Überzeugung heraus seinem Land etwas Gutes zu tun und sein Leben nicht in Gefahr zu bringen, ist es vollkommen legitim im Ausland, oder wenn man so möchte im Exil, zu leben. So denken allerdings die wenigsten. Die meisten Leute verlassen Deutschland, weil sie, aus Privatinteresse geleitet, irgendwo auf dem Erdenrund ein finanziell besseres Leben erhoffen. Andere Gründe sind sicherlich mehr Freiheit, eine sichere Arbeit oder besseres Wetter, aber zumeist ist es doch das liebe Geld, das die Deutschen ins Ausland lockt. Im Angesicht der fiskalischen Steuerlast ein nachvollziehbarer, aber nicht gutzuheißender Ausweg.

Denn: Mit jedem Deutschen, der auswandert, schnürt sich die Zwangsjacke um die verbliebenen Deutschen enger, die Freiheit weicht, wenn diejenigen, die sie immer forderten, in ein anderes Land gehen. Auch die finanzielle Last wird für die Hiergebliebenen immer größer. Deutschland blutet aus. Finanziell, wirtschaftlich, kulturell und intellektuell. In Sachen Ideologie ist die Sache simpel: Bezüglich der Auswanderung erkenne ich zwischen konsequenten Libertären und antideutschen Sozialisten keinen Unterschied mehr. Beide propagieren ein deutsches Völkersterben. Die Sozialisten wollen es mit künstlicher Einwanderung und niedriger Geburtenrate vorantreiben, die Libertären folgen dem falschen Leitstern der egoistischen Selbstverwirklichung.

Leidtragendes Land

Das Ergebnis ist das Gleiche. In einigen Jahrzehnten wird Deutschland nicht mehr existieren oder in einer Armutsdiktatur vor sich hinsiechen. Ja, die Auswanderer hätten dann alles richtig gemacht, so denkt man auf den ersten Blick, schließlich leben ihre Kinder fernab ihrer verunstalteten Heimat – haben gar eine neue Heimat. Die ehemaligen Emigranten werden sich selbstgefällig auf die Schulter klopfen und rufen „Ich habe es erkannt und mein Säcklein geschnürt, als es noch nicht zu spät war“. Das kann man so sehen, allerdings handelt es sich dabei um einen absoluten Fehlschluss. Die Repression in Deutschland entsteht nur durch den Wegfall der freiheitlichen Stimmen. Die lassen sich entweder kaufen, beginnen aus Angst zu schweigen, oder wandern eben aus. Die Gesellschaft, die Nation, das Volk ist wie ein großes Wasserglas, das von den liberalen Molekülen lebt. Der Staat ist ein Zylinder, der das Wasser unter Druck setzt. Da kann es schon einmal etwas warm und heimelig werden. Auswandern heißt nichts anderes, als das Ventil aufzumachen, und das Wasser abfließen zu lassen, der Platz für die verblieben Moleküle wird immer geringer. Wohin fließt das Wasser? Wirklich in die Freiheit oder einfach nur in ein großes Becken, mit noch größerem staatlichen Hubraum? Ein Weltstaat, die EU deutet dergleichen an, könnte die Freiheit effizienter und endgültig unterdrücken – zudem gibt es kein noch größeres Becken, in das man weichen kann. Sollte einen das Heimweh packen und man pilgert nach einigen Jahren oder Jahrzehnten doch zurück nach Deutschland, wird man auf ein schlechteres Deutschland treffen, als man verlassen hat. Das betrifft dich nicht? Ein Großteil der Auswanderer kommt später wieder in ihr Heimatland zurück. Man sollte bei der Staatenlotterie lieber auf die eigene Karte setzen.

Geschichtliche Verantwortung

Ich kann nicht nachvollziehen, wie Leute, heute zumeist die 25- bis 40-jährigen, gut Ausgebildeten, aus finanziellen Gründen ihr Land verlassen wollen. Die Schulen bis in die 90er Jahren gehörten zu den besten der Welt, das Land war eines der wohlhabendsten. Man hat eine erstklassige Bildung genossen, dazu Frieden, Freiheit, Wohlstand und technischen Fortschritt. Und in just dem Moment, wo alles nicht mehr so ganz rosig läuft, will man seine Heimat verlassen und sein Land verleugnen? Ein Blick noch weiter zurück lässt den ekelerregenden Egoismus hervortreten. Jeder hat Väter, Mütter, Großväter und Großmütter, weit entfernte Ahnen, die für dieses Land bereit waren ihr Leben zu opfern. Die Geschichte Deutschlands, wie die Geschichte jedes Landes, ist vom Kampf um ein Gebiet bestimmt. Man kämpfte um Grenzen, um einen Besitz, um ein Stück Boden, das einem selbst gehört. Wie kann man seine eigenen Wurzeln so missachten und durchschneiden, um ein Land zu verlassen, in dem für jeden Zoll des eigenen Landes literweise Blut die Erde tränkte? Was wäre passiert, wenn unsere Vorfahren auch einfach ausgewandert wären, wenn ihnen ein bisschen Gegenwind ins Gesicht geblasen hätte? Römische Kolonie, osmanische Kolonie, französische Kolonie! Man hätte unser Land und unsere Freiheit weggenommen, auf der all die Errungenschaften und der Wohlstand im Hier und Jetzt fußen.

Leuten, die darüber nachdenken, ohne Not oder triftige Gründe, dem Geld und der Karriere nachzulaufen, muss man eines mit auf den Weg geben: Ihr werdet fehlen. Für die nächste und übernächste Generation, die wahrlich mit schwereren Aufgaben zu kämpfen haben werden. Sie werden euch verfluchen, wenn sie vor Staat und Neubürgern weiter weichen müssen und irgendwann wirklich gezwungen werden, ihre Heimat aufzugeben. Dann allerdings ohne Planung und unter Zwang. Die dritte Strophe der deutschen Nationalhymne von Hofmann
von Fallersleben spricht von „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Die Begriffe beginnen zu bröckeln, die Werte wandeln sich.
 Diese Maxime können allerdings nur gemeinsam ihre volle Wirkung entfalten. Recht und Freiheit, um die man sich stärker bemüht als um eine deutsche Gemeinsamkeit, sind ohne Einigkeit absolut bedeutungslos und werden binnen kürzester Zeit zerstört werden. Bereits vor der Niederschrift der dritten deutschen Hymne dichtete Hoffmann von Fallersleben: „Deutschland erst in sich vereint! Auf! wir wollen uns verbinden, Und wir können jeden Feind Treuverbunden überwinden.“ Bezug nahm von Fallersleben dabei angeblich auf Attinghausen in Schillers „Wilhelm Tell“, der sterbend bettelte: „Seid einig – einig – einig“. Jahrzehnte früher dichtet Max von Schenkendorf „Nimmer wird das Reich zerstöret, Wenn ihr einig seid und treu“! Der Vers wurde schließlich auf der Kaiser Wilhelm-Statue am Deutschen Eck verewigt und mahnt noch heute die gelegentlich interessierten Blicke der Passanten. Manchmal braucht man vielleicht gar keine rationalen Argumente oder tolle Diskussionsbeiträge. Lest den „Tell“, singt im Kopf eure Nationalhymne und schaut Wilhelm in die Augen. Wenn ihr dann noch guten Gewissens eure Heimat verlassen könnt, seid ihr für euer Land ohnehin wertlos geworden.

6 Comments

  1. Dieser Artikel wird wohl sehr von Emotionen getragen…

    Dem Bismarckschen Zitat kann man, als durchaus überlegenswert, z.B. Thomas Manns Aussage entgegenstellen, die er nach seinem Gang in die USA zum Thema Emigration von sich gab: „Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.“

    Nun ging Mann bekanntermaßen nicht ganz freiwillig, es gab ja zuvor schon ein Ausbürgerungsverfahren gegen ihn…

    Was auf jeden Fall zu betrachten ist, ist seine Erkenntnis, das Deutschsein in sich zu tragen (Dem eigenen Deutschsein entkommt ein Deutscher nur durch Suizid – und nicht z.B. durch die Förderung von Zuwanderung zur Verwässerung des Deutschseins. Leider haben gewisse Charaktere in unserem Land nicht die Konsequenz, dieses Wissen an sich selbst umzusetzen…).

    Heimat, Deutschsein, ist jedenfalls kein alter Rock, den man abstreifen kann!

    Auf das, was in obigem Beitrag anfangs als Kernfrage bezeichnet wird, im weiteren Verlauf des Artikels nicht mehr eingegangen: „Was bedeutet Wohlergehen?“

    Der Ausgangspunkt freiheitlichen Denkens ist das Anerkennen von Individualität. Dies beinhaltet auch die Einsicht, dass sich ein „Wohlergehen“ bei Individuen aus völlig unterschiedlichen Gründen entwickeln kann. Freilich sind bei Menschen aus dem selben Kulturkreis die Schnittmengen sehr groß: ästhetisches Empfinden gegenüber der heimatlichen Landschaft, gemeinsame Sprache in der man sich jederzeit mitteilen kann, vorhandene Nahrung und daraus resultierende Leibspeisen, kulturelles Angebot, Gesetzgebung, usw..

    Was, wenn man nun das Angebot an Wohlergehensgründen immer mehr schwinden sieht? Was, wenn sich das eigene Umfeld in einer Art und Weise verändert, dass man sein eigenes Wohlergehen permanent gefährdet sieht?

    …wenn man sein Wohlergehen dadurch gefährdet sieht, dass man das einem selbst innewohnende Deutschsein im derzeitigen Umfeld nicht mehr Leben kann?

    Nach meiner Auffassung gibt es ein Naturrecht auf persönliches Wohlergehen!

    …aber es lässt sich nirgendwoher ableiten, dass man auch ein Recht darauf hat, von Dritten („Der Gesellschaft“) mit „Wohlergehen“ versorgt zu werden!

    Die Aufgabe, für das eigene Wohlergehen selbst verantwortlich zu sein bleibt bestehen!

    Und genau das ist der Punkt: wenn Wohlergehen vor Ort nicht zu erzielen ist, muss man sich dann nicht zwingend dazu entscheiden zu gehen?

    Dem Gehen liegt natürlich ein Prozess des Abwägens zugrunde. Damit meine ich nicht evtl. finanzielle Vorteile, fiskalische Belastung, besseres Wetter, wie im Artikel genannt. Beim echten Abwägen steht die Frage im Mittelpunkt, ob es durch eigenes Zutun überhaupt im Entferntesten denkbar ist, Zustände zu schaffen in denen eigenes Wohlergehen wieder stattfinden kann?

    Besteht die Möglichkeit einen Kampf zur Erschaffung der erforderlichen Zustände innerhalb der eigenen Lebenszeit zu gewinnen, so, dass man selbst noch von den eigenen Strapazen profitiert?

    Besteht überhaupt eine Hoffnung darauf, diesen Kampf zu überleben?

    Ich bin sicher kein Pazifist…

    …denke aber bisweilen daran, dass „Vernunft“ das Beurteilen von Chancen beinhaltet…

    Dieses Argument wird ja im Artikel mit den Beispielen Sellner, usw. auch schon ansatzweise bespiegelt…

    .

    Aus der Erkenntnis heraus, dass die eigene Persönlichkeit im Wesentlichen von der Tradition geformt wurde, ergibt sich keine einzulösende Schuld dieser gegenüber. Einer Verpflichtung zum Erhalt einer Tradition wäre der Wille implizit, nachfolgende Generationen einer bestimmten Verhaltensweise zu verpflichten…

    …und dies wiederum würde eine Einschränkung der Individualität der später Lebenden bedeuten.

    Lässt sich das mit einem freiheitlichen Denken vereinbaren?

    .

    PS: auch noch zum Beachten: wenn man am heutigen Tag für den Erhalt Deutschlands „kämpft“, dann kämpft man zunächst für den Fortbestand des im Moment existierenden Deutschlands. Welcher in der Tradition verhaftete Deutsche will so ein Deutschland haben? Wohl keiner – aber die Traditionalisten sind eine Minderheit!

    Wie die letzten Wahlen zeigten, fanden weit über 80 % der Deutschen die herrschenden Zustände zumindest akzeptabel. Das mag sich inzwischen ein klein wenig geändert haben…

    …aber allein schon der Gedanke, die Herrschenden und ihr Wahlvieh mit dem alleine zu lassen, was sie selbst angerichtet haben, trägt bereits ein klein wenig zu meinem persönlichen „Wohlergehen“ bei!

    Mal sehen…

  2. Dieser Artikel wird wohl sehr von Emotionen getragen…

    Dem Bismarckschen Zitat kann man, als durchaus überlegenswert, z.B. Thomas Manns Aussage entgegenstellen, die er nach seinem Gang in die USA zum Thema Emigration von sich gab: „Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.“

    Nun ging Mann bekanntermaßen nicht ganz freiwillig, es gab ja zuvor schon ein Ausbürgerungsverfahren gegen ihn…

    Was auf jeden Fall zu betrachten ist, ist seine Erkenntnis, das Deutschsein in sich zu tragen (Dem eigenen Deutschsein entkommt ein Deutscher nur durch Suizid – und nicht z.B. durch die Förderung von Zuwanderung zur Verwässerung des Deutschseins. Leider haben gewisse Charaktere in unserem Land nicht die Konsequenz, dieses Wissen an sich selbst umzusetzen…).

    Heimat, Deutschsein, ist jedenfalls kein alter Rock, den man abstreifen kann!

    Auf das, was in obigem Beitrag anfangs als Kernfrage bezeichnet wird, im weiteren Verlauf des Artikels nicht mehr eingegangen: „Was bedeutet Wohlergehen?“

    Der Ausgangspunkt freiheitlichen Denkens ist das Anerkennen von Individualität. Dies beinhaltet auch die Einsicht, dass sich ein „Wohlergehen“ bei Individuen aus völlig unterschiedlichen Gründen entwickeln kann. Freilich sind bei Menschen aus dem selben Kulturkreis die Schnittmengen sehr groß: ästhetisches Empfinden gegenüber der heimatlichen Landschaft, gemeinsame Sprache in der man sich jederzeit mitteilen kann, vorhandene Nahrung und daraus resultierende Leibspeisen, kulturelles Angebot, Gesetzgebung, usw..

    Was, wenn man nun das Angebot an Wohlergehensgründen immer mehr schwinden sieht? Was, wenn sich das eigene Umfeld in einer Art und Weise verändert, dass man sein eigenes Wohlergehen permanent gefährdet sieht?

    …wenn man sein Wohlergehen dadurch gefährdet sieht, dass man das einem selbst innewohnende Deutschsein im derzeitigen Umfeld nicht mehr Leben kann?

    Nach meiner Auffassung gibt es ein Naturrecht auf persönliches Wohlergehen!

    …aber es lässt sich nirgendwoher ableiten, dass man auch ein Recht darauf hat, von Dritten („Der Gesellschaft“) mit „Wohlergehen“ versorgt zu werden!

    Die Aufgabe, für das eigene Wohlergehen selbst verantwortlich zu sein bleibt bestehen!

    Und genau das ist der Punkt: wenn Wohlergehen vor Ort nicht zu erzielen ist, muss man sich dann nicht zwingend dazu entscheiden zu gehen?

    Dem Gehen liegt natürlich ein Prozess des Abwägens zugrunde. Damit meine ich nicht evtl. finanzielle Vorteile, fiskalische Belastung, besseres Wetter, wie im Artikel genannt. Beim echten Abwägen steht die Frage im Mittelpunkt, ob es durch eigenes Zutun überhaupt im Entferntesten denkbar ist, Zustände zu schaffen in denen eigenes Wohlergehen wieder stattfinden kann?

    Besteht die Möglichkeit einen Kampf zur Erschaffung der erforderlichen Zustände innerhalb der eigenen Lebenszeit zu gewinnen, so, dass man selbst noch von den eigenen Strapazen profitiert?

    Besteht überhaupt eine Hoffnung darauf, diesen Kampf zu überleben?

    Ich bin sicher kein Pazifist…

    …denke aber bisweilen daran, dass „Vernunft“ das Beurteilen von Chancen beinhaltet…

    Dieses Argument wird ja im Artikel mit den Beispielen Sellner, usw. auch schon ansatzweise bespiegelt…

    .

    Aus der Erkenntnis heraus, dass die eigene Persönlichkeit im Wesentlichen von der Tradition geformt wurde, ergibt sich keine einzulösende Schuld dieser gegenüber. Einer Verpflichtung zum Erhalt einer Tradition wäre der Wille implizit, nachfolgende Generationen einer bestimmten Verhaltensweise zu verpflichten…

    …und dies wiederum würde eine Einschränkung der Individualität der später Lebenden bedeuten.

    Lässt sich das mit einem freiheitlichen Denken vereinbaren?

    .

    PS: auch noch zum Beachten: wenn man am heutigen Tag für den Erhalt Deutschlands „kämpft“, dann kämpft man zunächst für den Fortbestand des im Moment existierenden Deutschlands. Welcher in der Tradition verhaftete Deutsche will so ein Deutschland haben? Wohl keiner – aber die Traditionalisten sind eine Minderheit!

    Wie die letzten Wahlen zeigten, fanden weit über 80 % der Deutschen die herrschenden Zustände zumindest akzeptabel. Das mag sich inzwischen ein klein wenig geändert haben…

    …aber allein schon der Gedanke, die Herrschenden und ihr Wahlvieh mit dem alleine zu lassen, was sie selbst angerichtet haben, trägt bereits ein klein wenig zu meinem persönlichen „Wohlergehen“ bei!

    Mal sehen…

  3. Dieser Artikel wird wohl sehr von Emotionen getragen…

    Dem Bismarckschen Zitat kann man, als durchaus überlegenswert, z.B. Thomas Manns Aussage entgegenstellen, die er nach seinem Gang in die USA zum Thema Emigration von sich gab: „Es ist schwer zu ertragen. Aber was es leichter macht, ist die Vergegenwärtigung der vergifteten Atmosphäre, die in Deutschland herrscht. Das macht es leichter, weil man in Wirklichkeit nichts verliert. Wo ich bin, ist Deutschland. Ich trage meine deutsche Kultur in mir. Ich lebe im Kontakt mit der Welt und ich betrachte mich selbst nicht als gefallenen Menschen.“

    Nun ging Mann bekanntermaßen nicht ganz freiwillig, es gab ja zuvor schon ein Ausbürgerungsverfahren gegen ihn…

    Was auf jeden Fall zu betrachten ist, ist seine Erkenntnis, das Deutschsein in sich zu tragen (Dem eigenen Deutschsein entkommt ein Deutscher nur durch Suizid – und nicht z.B. durch die Förderung von Zuwanderung zur Verwässerung des Deutschseins. Leider haben gewisse Charaktere in unserem Land nicht die Konsequenz, dieses Wissen an sich selbst umzusetzen…).

    Heimat, Deutschsein, ist jedenfalls kein alter Rock, den man abstreifen kann!

    Auf das, was in obigem Beitrag anfangs als Kernfrage bezeichnet wird, im weiteren Verlauf des Artikels nicht mehr eingegangen: „Was bedeutet Wohlergehen?“

    Der Ausgangspunkt freiheitlichen Denkens ist das Anerkennen von Individualität. Dies beinhaltet auch die Einsicht, dass sich ein „Wohlergehen“ bei Individuen aus völlig unterschiedlichen Gründen entwickeln kann. Freilich sind bei Menschen aus dem selben Kulturkreis die Schnittmengen sehr groß: ästhetisches Empfinden gegenüber der heimatlichen Landschaft, gemeinsame Sprache in der man sich jederzeit mitteilen kann, vorhandene Nahrung und daraus resultierende Leibspeisen, kulturelles Angebot, Gesetzgebung, usw..

    Was, wenn man nun das Angebot an Wohlergehensgründen immer mehr schwinden sieht? Was, wenn sich das eigene Umfeld in einer Art und Weise verändert, dass man sein eigenes Wohlergehen permanent gefährdet sieht?

    …wenn man sein Wohlergehen dadurch gefährdet sieht, dass man das einem selbst innewohnende Deutschsein im derzeitigen Umfeld nicht mehr Leben kann?

    Nach meiner Auffassung gibt es ein Naturrecht auf persönliches Wohlergehen!

    …aber es lässt sich nirgendwoher ableiten, dass man auch ein Recht darauf hat, von Dritten („Der Gesellschaft“) mit „Wohlergehen“ versorgt zu werden!

    Die Aufgabe, für das eigene Wohlergehen selbst verantwortlich zu sein bleibt bestehen!

    Und genau das ist der Punkt: wenn Wohlergehen vor Ort nicht zu erzielen ist, muss man sich dann nicht zwingend dazu entscheiden zu gehen?

    Dem Gehen liegt natürlich ein Prozess des Abwägens zugrunde. Damit meine ich nicht evtl. finanzielle Vorteile, fiskalische Belastung, besseres Wetter, wie im Artikel genannt. Beim echten Abwägen steht die Frage im Mittelpunkt, ob es durch eigenes Zutun überhaupt im Entferntesten denkbar ist, Zustände zu schaffen in denen eigenes Wohlergehen wieder stattfinden kann?

    Besteht die Möglichkeit einen Kampf zur Erschaffung der erforderlichen Zustände innerhalb der eigenen Lebenszeit zu gewinnen, so, dass man selbst noch von den eigenen Strapazen profitiert?

    Besteht überhaupt eine Hoffnung darauf, diesen Kampf zu überleben?

    Ich bin sicher kein Pazifist…

    …denke aber bisweilen daran, dass „Vernunft“ das Beurteilen von Chancen beinhaltet…

    Dieses Argument wird ja im Artikel mit den Beispielen Sellner, usw. auch schon ansatzweise bespiegelt…

    .

    Aus der Erkenntnis heraus, dass die eigene Persönlichkeit im Wesentlichen von der Tradition geformt wurde, ergibt sich keine einzulösende Schuld dieser gegenüber. Einer Verpflichtung zum Erhalt einer Tradition wäre der Wille implizit, nachfolgende Generationen einer bestimmten Verhaltensweise zu verpflichten…

    …und dies wiederum würde eine Einschränkung der Individualität der später Lebenden bedeuten.

    Lässt sich das mit einem freiheitlichen Denken vereinbaren?

    .

    PS: auch noch zum Beachten: wenn man am heutigen Tag für den Erhalt Deutschlands „kämpft“, dann kämpft man zunächst für den Fortbestand des im Moment existierenden Deutschlands. Welcher in der Tradition verhaftete Deutsche will so ein Deutschland haben? Wohl keiner – aber die Traditionalisten sind eine Minderheit!

    Wie die letzten Wahlen zeigten, fanden weit über 80 % der Deutschen die herrschenden Zustände zumindest akzeptabel. Das mag sich inzwischen ein klein wenig geändert haben…

    …aber allein schon der Gedanke, die Herrschenden und ihr Wahlvieh mit dem alleine zu lassen, was sie selbst angerichtet haben, trägt bereits ein klein wenig zu meinem persönlichen „Wohlergehen“ bei!

    Mal sehen…

  4. Der liebe Herr Müller hat als Schreiberling wohl noch nie genug Geld verdient um mit dem Spitzensatz besteuert zu werden. Dann würde er verstehen warum Leute das Land verlassen. Wenn man 55 Stunden die Woche arbeitet und dann die Hälfte des Gehalts erstmal weg ist, dann plant man schon mal den ersten Schritt in Richtung Ausland. Da kann man Deutschland immernoch lieben, nur eben mit deutlich mehr Geld auf dem Konto.

  5. Der liebe Herr Müller hat als Schreiberling wohl noch nie genug Geld verdient um mit dem Spitzensatz besteuert zu werden. Dann würde er verstehen warum Leute das Land verlassen. Wenn man 55 Stunden die Woche arbeitet und dann die Hälfte des Gehalts erstmal weg ist, dann plant man schon mal den ersten Schritt in Richtung Ausland. Da kann man Deutschland immernoch lieben, nur eben mit deutlich mehr Geld auf dem Konto.

  6. Der liebe Herr Müller hat als Schreiberling wohl noch nie genug Geld verdient um mit dem Spitzensatz besteuert zu werden. Dann würde er verstehen warum Leute das Land verlassen. Wenn man 55 Stunden die Woche arbeitet und dann die Hälfte des Gehalts erstmal weg ist, dann plant man schon mal den ersten Schritt in Richtung Ausland. Da kann man Deutschland immernoch lieben, nur eben mit deutlich mehr Geld auf dem Konto.

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