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Rauchen steigert Testosteron, aber Raucher haben kein Testosteron?!

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In der aktuellen Ausgabe 18 widme ich mich dem Männlichkeitshormon “Testosteron”. Dabei sind mir dutzende Sachverhalte aufgefallen, die leider nicht in die Heftausgabe passen, aber vielleicht den ein oder anderen männlichen Leser (oder statistisch interessierten Weltenbürger) interessiert.

Das Hormon “Testosteron” ist seit Jahrzehnten in freiem Fall. Bislang ist es keinem Forscherteam gelungen, die krass sinkenden Testosteronwerte zu erklären. Innerhalb von gut 15 Jahren sank beispielsweise das “bioverfügbare Testosteron” um fast 50 Prozent. Ich habe mich in die Studie reingelesen und kann zumindest als Außenstehender behaupten, dass hier kein Schindluder mit Zahlen betrieben wurde, eine ordentliche Fallzahl ausgewählt wurde, und die Studie repräsentativ für die Gesellschaft (in den USA) war. Zudem gibt es keinen Grund für die Forscher, die Zahlen nach oben oder unten zu korrigieren.

Was bedeutet das Ergebnis für die heutige Gesellschaft? Ungefähr 20 Prozent aller Männer haben einen krankhaft niedrigen Testosteronspiegel: Das Ergebnis: Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Schwäche, keine Lust auf Sport, schwache Libido. Passivität, Angstzustände.

Männlichkeit in der Krise! Ganz klar, aber mehr dazu in Heft 18. Was aber besonders spannend ist, dass mehrere Gruppen von Probanden über die Jahrzehnte verglichen wurde – mit anderen Gruppen oder innerhalb der gleichen Altersgruppe. Dabei kam man zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass die Männer, die mit dem Rauchen aufgehört haben, einen deutlich stärkeren Verlust an Testosteron zu verzeichnen hatten, als diejenigen, die normal weiterqualmten. (Normal ist ab Mitte Zwanzig 1,5 Prozent Verlust pro Jahr, was dem Altern geschuldet sind.)

Nun steht dieses Ergebnis vielen Meinung über Rauchen und Testosteron gegenüber. Viele anderen “Forschungen” und Medien suggerieren ein anderes Ergebnis:

“Rauchen und Alkohol sind schlecht für den Testosteronspiegel”, schreibt das “Fitbook”. Die Inhaltsstoffe einer Zigarette stürzten den “Hormonspiegel” ins Chaos. (Diese Chaos-Hypothese, die ich bislang nirgends belegt gefunden habe, wird in dutzenden Ratgebern angeführt.)

”Männergerecht” führt eine Studie an, dass zwei Drittel der Impotenten, Raucher sind.

“The nicotine and cotinine in cigarettes inhibits and reduces T-production”, schreibt “artofmanliness”.

All diese Hinweise sind zugleich richtig und falsch. “Raucher” haben im Vergleich zu ihren nichtrauchenden Kollegen oftmals in allen Belangen schlechtere statistische Werte. Diese Ergebnisse sind Ergebnisse sogenannten “epidemiologischer” Studien, die tausende Probanden herausgreifen und sie miteinander vergleichen. Erklären kann man das über den Habitus von Menschen. Man sehe sich die vielen kranken, übergewichtigen, unterschichtlichen, RTL-Couch-Kartoffeln doch nur an: Natürlich haben sie – statistisch betrachtet – einen niedrigeren Testosteronspiegel und sind eher Impotent, als ein gesunder, sportlicher Gleichaltriger. Dafür ist aber nicht das Rauchen verantwortlich, sondern der gesamte Lebensstil. Die Realität ist viel komplexer, wie die “echten” Studien, die von Biologen durchgeführt wurden, zeigen. Rauchen steigert das Testosteron, was mittlerweile hieb- und stichfest nachgewiesen wurde, und es sogar in den “FOCUS” geschafft hat.

Besonders interessant ist schließlich auch die “Dekonstruktion” der Männlichkeit. Seit Jahren kämpfen alle gesellschaftlichen Akteure, sogar die Männer, gegen das Männlichsein. Der rauchende Westernheld, ein Augeburt an Männlichkeit, musste längst von seinem Pony absteigen. Ungesund, gefährlich, unsexy? Viele Frauen würden insgeheim widersprechen, und das hat, neben der Tabakwerbung der vergangenen Jahrzehnte, offensichtlich auch einen biologischen Grund: Rauchen macht männlich.

Sollen Sie also mit dem Rauchen anfangen? Das liegt wie immer im eigenen Ermessen und muss mit den genau so schädlichen Nebenwirkungen in Relation gesetzt werden. Eine Aufgabe der Unmöglichkeit: Wie will man ein erhöhtes, aber unbekanntes Risiko für koronare Herzkrankheiten mit einem “sich-besser-fühlen” und vielleicht gesteigerten Antrieb vergleichen? Machen wir es uns einfach: Wenn Sie vorhaben, sich mit 24 Jahren in einem Sportwagen totzufahren, sollte es keine Hindernisse mehr geben, mit dem Qualmen anzufangen.

Aber um das Rauchen geht es an dieser Stelle eigentlich gar nicht, sondern um “Studien” und Studien, die in allen Lebensbereichen, hauptsächlich der Ernährung, Einzug gehalten haben. Querschnittsstudien, die tausende Menschen miteinander vergleichen, sind oftmals Schwachsinn. Schlussendlich, und das zeigen sogar die ernsthaften Forschungsergebnisse, kommt es auf das Indiviuum an und wie es sich entwickelt. Dafür benötigt es jahrelange Forschungsarbeit und komplexe Datenauswertungen – was meist so teuer ist, dass gute Studien Mangelware sind. So kann nur abschließend gesagt werden: “Vertrau keiner Studie, die du nicht selbst gefälscht hast.” Gerade im medialen Panikzeitalter, werden wir von Daten und Zahlen übermannt. Aber auch hierzu mehr in Heft 18. Genau so deutlich muss man den Leuten “unseres Lagers” klarmachen: Auch wenn viele Studien ein Haufen Scheiße sind, heißt das nicht, dass keine Studien stimmen. Leider braucht man viel Zeit und Erfahrung, um die Spreu vom Weizen zu trennen.

Eines bin ich noch schuldig geblieben: Wie wirkt denn jetzt Nikotin? Nikotin ist ein Aromatase-Hemmer. Das Enzym “Aromatase” transformiert Testosteron zu Östrogen, spaltet also das “männliche” Hormon zum “weiblichen” Hormon herunter. Wer raucht, reduziert diesen Prozess. Aromatase-Hemmer werden mittlerweile auch medizinisch eingesetzt.

Disclaimer: Ich bin persönlich nicht befangen, da ich beide Seiten kenne. Momentan rauche ich nicht.

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