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Chinesische Kanonen auf der Stadtmauer von Peking, CC BY 4.0, Wikicommons (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Chinses_army_cannons_on_top_of_the_city_wall,_Beijing,_China_Wellcome_V0037628.jpg)

Thomas William Bowlby im Opiumkrieg

29. Oktober 2020

Thomas William Bowlby, britischer Pionier der Kriegsberichterstattung, starb am 22. September 1860 in Tongzhou, jetzt ein Ortsteil der stark gewachsenen chinesischen Hauptstadt, nachdem er von seinen chinesischen Entführern schwer gefoltert worden war.

Geboren wurde er am 7. Januar 1818 in Gibraltar als Sohn von Thomas Bowlby, Kapitän der Royal Artillery, und Williamina Martha Arnold Balfour, Tochter von Generalmajor William Balfour. Als Bowlby klein war, zogen seine Eltern in die englische Hafenstadt Sunderland, wo sein Vater mit Holz zu handeln begann.

Nach Abschluss der Schule studierte Bowlby Jura und zog dann nach London, um als Angestellter in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten. 1846 wurde er Juniorpartner von Lawrence, Crowdy und Bowlby. Er verlor jedoch bald das Interesse an diesem Beruf und wollte eine Karriere als Schriftsteller verfolgen.

Obwohl er bis 1854 Mitglied dieser Firma war, ging er 1848 als Sonderkorrespondent der britischen Tageszeitung The Times nach Berlin. Aus Preußen schrieb Bowlby über die „Märzrevolution“ in anderen deutschen Staaten und verschiedenen Ländern Kontinentaleuropas.

Im Frühjahr 1860, dem letzten Jahr des Zweiten Opiumkrieges, reiste Bowlby nach China, um mit dem britischen Kolonialverwalter Lord Elgin (1811-1863), sowie dem französischen Diplomaten Jean-Baptiste-Louis Gros über diese Ereignisse zu berichten (1793-1870).

Der sie transportierende Dampfer SS Malabar sank am 22. Mai 1860 im ceylonesischen Hafen Point de Galle. Der Bericht über diesen Schiffbruch wird als eine seiner besten Arbeiten betrachtet.

Bowlbys Berichterstattung über Chinas politische und militärische Entwicklung, aber auch seine Beschreibungen von Teilen der örtlichen Kultur wie die Gartenbaukunst waren informativ und bei den Lesern sehr beliebt.

Nach der endlich erfolgten Einnahme des nördlichen Hafens Tientsin durch anglo-französische Verbände am 23. August begleitete Bowlby die britischen Diplomaten Henry Loch (1827-1900) und Harry Parkes (1828-1885) und ihr Gefolge zu Friedensverhandlungen mit kaiserlichen Beamten. Als die Gespräche scheiterten, ließ General Sengge Rinchen (1811-1865) alle Mitglieder der Delegation verhaften.

Bowlby und einige andere Gefangene, einschließlich Angehörige indischer Kolonialtruppen, wurden über mehrere Tage hinweg mit sich langsam verengenden Bändern und Wasserentzug zu Tode gefoltert. Die beiden Verhandlungsführer behandelte man weniger barbarisch und doch überlebten sie nur durch reines Glück, da Kaiser Xianfeng (1831-1861) ihre Hinrichtung anordnet hatte. Später konnten die beiden die Überreste der Unglücklichen bergen.

Sein schrecklicher Tod und die Demütigung, die eine solche Behandlung für das Empire darstellte, waren der Hauptgrund, warum Lord Elgin beschloss, den alten Sommerpalast, einen riesigen Komplex von Palästen und Gärten außerhalb Pekings, als Vergeltung niederzubrennen.

Ohne Zweifel bleibt die Zerstörung aus Rache und die unentschuldbare Plünderung von unschätzbaren Kunstschätzen eine barbarische Tat, zumal darüber hinaus wahrscheinlich Hunderte Menschen umkamen, die sich in den Gebäuden versteckt hatten.

Von dem Mann, der sie befahl, ist nicht bekannt, dass er eine besondere Sensibilität besessen hätte. Trotzdem fragte er einen französischen Kommandanten: „Was würde The Times von mir sagen, wenn ich ihren Korrespondenten nicht gerächt hätte?“

Bowlbys verstümmelte Leiche wurde am 17. Oktober 1860 auf dem russischen Friedhof begraben, außerhalb des Anding-Tors, einem Teil der im Jahre 1969 abgerissenen Pekinger Stadtmauer aus der Ming-Zeit. Seine letzte Ruhestätte ist heute ein Park und ein Golfplatz.

Das Tagebuch, das Bowlby bis zum 16. September führte, beschrieb anschaulich die Grausamkeiten, die er während seines kurzen Aufenthalts im Reich der Mitte gesehen hatte: chinesische Zivilisten wurden von französischen Soldaten zu Tode bajonettiert und von britischen Feldgeschützen zerfetzt. Was für eine tragische Ironie, dass er selbst ein so schreckliches Ende nahm.

Einer seiner Söhne war der Armeeoffizier, königliche Chirurg und Pathologe Anthony Bowlby (1855-1929).

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog von Flying Dutchman.

Flying Dutchman

In Spanien als Kind deutscher Eltern zweisprachig aufgewachsen, hat der Autor an der FU Berlin Sinologie, Politologie und Japanologie studiert. Von 1999 bis 2018 in Taiwan, arbeitete er unter anderem als Lektor, Lehrer und Übersetzer für die dortige Regierung und seit 2015 als freier Journalist und in der Tourismusbranche. Zurzeit aus privaten Gründen wieder in Europa, ist eine Rückkehr nach Asien noch für dieses Jahr geplant - samt Katzen!


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