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玄史生, CC BY-SA 3.0, Wikicommons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File:ROCA_Soldiers_Climbing_Stair_Go_to_Camp_20120324.jpg

Singapur und Taiwan – eine kuriose militärische Zusammenarbeit

18. November 2020
in 2 min lesen

Obwohl 1969 ein Austausch von Handelsmissionen zwischen beiden Ländern stattfand, hatte Singapur nie diplomatische Beziehungen zur Republik China (ROC), wie der offizielle Name Taiwans immer noch lautet. Stattdessen erkannte man 1990 die Volksrepublik China an.

Das Starlight-Programm

Aufgrund der räumlichen Begrenzungen, was Territorium und Luftraum des Stadtstaates angeht, sowie ihrer ideologischen Affinität, starteten Singapurs Gründungsvater Lee Kuan Yew (1923-2015) und Taiwans Präsident Chiang Ching-kuo (1910-1988) 1975 das Starlight-Programm. Singapurs Truppen können auf Formosa realistische Kampfsituationen nachstellen und an gemeinsamen Manövern mit taiwanesischen Soldaten teilnehmen.

Diese haben sie dort aber auch nach Naturkatastrophen Hilfe geleistet, wie nach dem großen Erdbeben im September 1999 und im August 2008 nach dem Taifun Morakot, dem verheerendsten in den Annalen der Insel. Dennoch haben die Singapurer stets ein niedriges Profil beibehalten.

Nach dem Amtsantritt im Mai 2016 von Präsidentin Tsai Ying-wen, die ein unabhängiges Taiwan anstrebt, wurde das Projekt von Peking aus noch genauer unter die Lupe genommen und sorgt zwischen China und Singapur nach wie vor für Irritationen.

China ist nicht erfreut

Im November 2016 forderten die Roten Mandarine Singapur auf, ihre „Ein-China-Politik“ zu respektieren und die militärischen Beziehungen zu Taiwan zu beenden. Neun gepanzerte singapurische Militärfahrzeuge auf dem Weg vom taiwanesischen Hafen Kaohsiung nach Singapur waren von Hongkonger Zollbeamten während einer Routineinspektion wegen Verdachts auf illegalen Waffenhandel beschlagnahmt worden.

Innerhalb von 24 Stunden bestätigte Singapur, dass man die routinemäßig in Übersee verwendeten Terrex Infantry Carrier Vehicles (ICVs) und die dazugehörige Ausrüstung wie immer auf handelsüblichem Wege verschifft hätte.

Gleichzeitig erwarte man von der Volksrepublik eine Respektierung des souveränen Rechts auf militärisches Training an einem angemessenen Ort. Der Vorfall war insofern bemerkenswert, weil China zum ersten Mal die Manöver in Taiwan öffentlich monierte.

Die USA wollen ein Wörtchen mitreden

Dennoch unterzeichneten während des Besuchs des singapurischen Premierministers Lee Hsien Loong in China im Oktober 2019 die Verteidigungsminister Wei Fenghe und Ng Eng Hen ein aktualisiertes Abkommen, um den Austausch in diesem Bereich zu intensivieren.

Singapur lehnte jedoch aufgrund des starken Widerstands seitens des Pentagons ein chinesisches Angebot ab, seine Streitkräfte unter ähnlichen klimatischen Bedingungen wie in Taiwan auf der südlichen Insel Hainan trainieren zu lassen.

Als Reaktion auf die wachsende Besorgnis in der taiwanesischen Öffentlichkeit über eine mögliche Aussetzung des Starlight-Programms erklärte Verteidigungsminister Yen De-fa am 28. Oktober 2019, dass dies zunächst weiterbestehe.

Selbst wenn Singapur diese umstrittene Zusammenarbeit wirklich beenden wollte, müsste es die regionalen außenpolitischen Interessen seiner anderen Verbündeten berücksichtigen und würde dies daher höchstwahrscheinlich nicht auf einen Schlag tun.

Die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump, der China als aggressive, expansionistische Macht betrachtet, wären sicherlich über eine plötzliche derartige Veränderung nicht erfreut.

Auf alle Fälle hat Singapur in den letzten Jahren das Starlight-Projekt schrittweise verkleinert und gleichzeitig seine militärische Partnerschaft mit anderen Ländern wie Australien, Brunei, Deutschland, Indien und den USA ausgebaut.

Singapur hat die Wahl

Singapur schickte vormals jährlich mehr als 15.000 Soldaten nach Taiwan: die Panzertruppen nach Hukou, die Artillerie nach Douliu und den Rest zu einem Stützpunkt der kombinierten Streitkräfte in Hengchun. Schritt für Schritt ist diese Zahl auf etwa 3.000 reduziert worden.

Obwohl es vor einem Jahr seine Kooperation im Verteidigungsbereich mit Peking intensivierte, besitzt Singapur andererseits keinen Grund sein militärisches Ausbildungsprogramm mit Taipei vollständig zu beenden.

Der reichste Staat Asiens kann sich aufgrund seiner wirtschaftlichen und politischen Relevanz und seiner starken Verbindungen zu Washington seine Freunde in allen Bereichen selbst aussuchen. Ob sie es mögen oder nicht, die chinesischen Kommunisten müssen das zur Kenntnis nehmen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog von The Flying Dutchman.

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