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Einheitsbrei

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„Wollt ihr zugleich den Kindern der Welt und den Frommen gefallen? Malet die Wollust – nur malet den Teufel dazu.“
Friedrich Schiller: Der Kunstgriff

Kunst ist Kommunikation. Kunst setzt ein Verständnis von Welt voraus beim Künstler und beim Betrachter, dieses Weltverständnis und dessen Wertgebung müssen nicht deckungsgleich sein. Jeder Mensch bewertet die Welt, in der er lebt, unterschiedlich. Ein Künstler vergegenständlicht sein geistges Wahrnehmen und seine Wertgebung in seinem Werk. Der Betrachter ist nun aufgefordert sein In-der-Welt-Sein, seine eigenen Urteile über sich und die Werte, die er der Gesellschaft, in der er lebt, beimisst, in ein Verhältnis zu den durch das Kunstwerk dargestellten Werten zu setzen. Kunst fordert heute die Einsicht des Künstlers und des Betrachters in die Erkenntnis, dass sich keiner von beiden völlig vom Kunstwerk objektivieren kann. DAS ist der Wert der Modernen Kunst. Solange es einem Künstler gelingt, seine Individualität dem Betrachter zugänglich zu machen, indem er eine objektive Basis schafft, auf der sich beide wiederfinden, darf Kunst als Kunst gelten. Denn dann gelingt ihr etwas, was die Wissenschaft alleine nicht kann: Ideologien in Frage zu stellen und vielleicht neu zu bewerten. Und vielleicht wird Wissenschaft dann eine Dienerin der Kunst im Namen der Menschlichkeit.

Heute stellt sich die Sachlage anders da. Kunst und Künstler sind Dienende. Wer nicht kreativ ist im Sinne vorgegebener Meinungen, wird keine Förderung erhalten. Damit meine ich nicht nur finanzielle Unterstützung durch Stiftungen oder staatliche Institutionen. Auch Kritiker, die ja nicht selten über den weiteren Lebensweg eines Kunstschaffenden entscheiden, indem sie sein Werk in renommierten Plattformen bewerten, verreißen bestenfalls alles nicht Angepasste, schlimmstenfalls schweigen sie es tot. Und was die menschliche Stimme nicht vermag, erledigen Algorithmen medialer Plattformen, auf die sich manch Künstler flüchtet in der verzweifelten Hoffnung, über ein eigenes Konto in der digitalen Welt eine bescheidene Reichweite zu erlangen. Aber nein, die Flügel werden auch hier rechtzeitig gestutzt.

So verkommt langsam aber sicher die gesamte Kunstwelt zum Einheitsbrei. Digital Art degeneriert zu hüpfenden Pokemon-Klumpen mit Kulleraugen. Dem diese „Kunst“ Antizipierenden wird manchmal vorgegaukelt, er sei in die Gestaltung eingebunden, indem er durch einen Klick die Hautfarbe des Protagonisten ändern könne. Aber das, wir ahnen es, ist die perfekte Täuschung am Konsumenten. Am Ende gewinnt der, der gewinnen soll – entweder der Kreative, der viel Geld verdient hat, oder die Meinungsmacher, die es geschafft haben, uns als denjenigen, für die das Kunstwerk geschaffen wurde, den letzten Rest an kritischem Geist zu rauben. Wir wurden eingelullt in den Wattebausch der Oberflächlichkeiten, und wir haben brav dafür bezahlt.

Ja, wir wurden degradiert zu Konsumenten. Wir haben uns degradieren lassen. Und so am Ende auch die Kunstschaffenden. Denn während sie sich zu Dienern der dilettantischen Steuereinnehmer deklassieren ließen, trugen sie damit zugleich eines der wertvollsten Güter menschlicher Wesen zu Grabe: Das wahre Kunstwerk, dessen einziger Zweck darin besteht, die Geisteskraft eines Genies zum dialogischen Duett mit einem selbstständig denkenden Individuum zu erheben. Die wahre Schönheit der Kunst sollte immer eine Saite in uns zum Klingen bringen, die wir bis dahin nicht kannten und die unser inneres Orchester erweitert und erhebt in neue Dimensionen. „Aha“, sollten wir sagen, „so kann man das also auch sehen“. Und wir sollten weiter schreiten auf unserem Pfad, erfüllt von neuen Gedanken und Fragen. Nein, wahre Kunst ist kein Befriedigen von Erwartungen, sie ist kein Frühling, der uns jedes Jahr beglückt, weil er unsere Hoffnungen erfüllt. Ja, wir brauchen Verlässlichkeiten und Stabilität, und auch wenn die Zugvögel zum ersten mal auf unseren Fensterbrettern sitzen und mit ihrem Gesang eine Rückversicherung für die ewige Wiederkehr des Gleichen sind, die Aufgabe der Kunst ist eine andere.

Viele von uns sitzen derzeit zu Hause und haben mehr Zeit als gewöhnlich, sich mit Gleichschaltung und Einheitsbrei den Geist zu benebeln. Vielleicht hat es der eine oder andere bald satt und entdeckt die eigene Kreativität. Denn sind wir doch mal ehrlich: Eigentlich haben wir doch überhaupt keine Lust darauf, immer wieder den gleichen Mist vorgesetzt zu bekommen. Von den wirklich genialen Werken der Menschheit hingegen können wir nie genug bekommen, Teufel nochmal.

6 Comments

  1. Schwieriges Thema…

    Etwas davon kann man als gesetzt abhaken: „Kunst ist Kommunikation“. Sobald man aber darüber hinaus etwas formuliert, sei es ein Anspruch – oder die Definition einer Aufgabe für die Kunst – dann ist sie womöglich schon keine mehr.

    Kunst an sich kann alles sein – solange sie von sich nicht behauptet, etwas Bestimmtes zu sein…

    In diesem Aufsatz kommt der Begriff der Ästhetik nicht einmal vor. Der Begriff umschreibt aber das Wesen der Kunst, wie wir etwas wahrnehmen, bzw. einordnen/deuten. Die persönliche Einordnung/Wertung des Rezipienten ist der Verlaufsprozess von „Kunst“.

    Das hat nichts mit der Intelligenz des Aufnehmenden zu tun. Eine Wertung kann auch sein: „sagt mir nichts“, „hässlich“, usw..

    In dem Satz „Das wahre Kunstwerk, dessen einziger Zweck darin besteht, die Geisteskraft eines Genies zum dialogischen Duett mit einem selbstständig denkenden Individuum zu erheben.“ wird deutlich, dass die Autorin sich darum bemüht, der (für sie!) „echten“ Kunst eine Qualität zu unterstellen, die sie elitär abheben soll von dem, was heute als „Kunst“ angeboten wird.

    Der ganze Schrieb hier wirkt als wäre er, aus Bewegtheit heraus, wutvoll in die Tastatur gehämmert. Vielleicht differenziert er deshalb nicht ganz deutlich…

    Ich vermute einmal, dass sich die Autorin an ähnlichen Dingen stört wie ich. Z. B. an vorgegebenen Themen zu Kunstaktionen. Ich selbst habe schon erleben müssen: „Kunst gegen Altersarmut“, „Kunst gegen Trump“, „Kunst gegen Rechts“ – und allen möglichen weiteren Schwachsinn. Mein größter Aufreger ist der, wenn es mal wieder heißt, „die Kunst muss politischer werden!“.
    Damit ist natürlich nicht „politischer“ als Abstraktum gemeint – sondern zielgerichtet auf ein bestimmtes Ergebnis.
    Möglicherweise fehlt ihr auch die darstellerische/handwerkliche Qualität, welche auch für mich an zeitgenössischer Kunst oft nicht zu entdecken ist…

    Was die Vorgabe von Themen betrifft: zur deutlichen Differenzierung von „Kunst“ zu dem, was heute auch als Kunst bezeichnet wird…

    …genügt es schon, den Begriff der „Propaganda“ für all das zu verwenden, was zielgerichtet ist.

    Ärger oder Zorn über die im Kunstbetrieb herrschenden Zustände zu verspüren ist für mich nachvollziehbar.

    Auch ich habe oft den Wunsch mich dem Scheißdreck zu entziehen, mit dem heutzutage oft versucht wird, den Konsumenten vollzukübeln. (Konsument ist für mich wertfrei!)

    Man kann sich ganz bewusst in einen Elfenbeinturm begeben und in diesem operieren.

    Wenn man aber selbst Ansprüche darüber nach außen formuliert, wie es zu sein hat, dann läuft man Gefahr zu werden wie die, welche man aus seinem Turm herab, ganz prima verachten kann!

  2. Schwieriges Thema…

    Etwas davon kann man als gesetzt abhaken: „Kunst ist Kommunikation“. Sobald man aber darüber hinaus etwas formuliert, sei es ein Anspruch – oder die Definition einer Aufgabe für die Kunst – dann ist sie womöglich schon keine mehr.

    Kunst an sich kann alles sein – solange sie von sich nicht behauptet, etwas Bestimmtes zu sein…

    In diesem Aufsatz kommt der Begriff der Ästhetik nicht einmal vor. Der Begriff umschreibt aber das Wesen der Kunst, wie wir etwas wahrnehmen, bzw. einordnen/deuten. Die persönliche Einordnung/Wertung des Rezipienten ist der Verlaufsprozess von „Kunst“.

    Das hat nichts mit der Intelligenz des Aufnehmenden zu tun. Eine Wertung kann auch sein: „sagt mir nichts“, „hässlich“, usw..

    In dem Satz „Das wahre Kunstwerk, dessen einziger Zweck darin besteht, die Geisteskraft eines Genies zum dialogischen Duett mit einem selbstständig denkenden Individuum zu erheben.“ wird deutlich, dass die Autorin sich darum bemüht, der (für sie!) „echten“ Kunst eine Qualität zu unterstellen, die sie elitär abheben soll von dem, was heute als „Kunst“ angeboten wird.

    Der ganze Schrieb hier wirkt als wäre er, aus Bewegtheit heraus, wutvoll in die Tastatur gehämmert. Vielleicht differenziert er deshalb nicht ganz deutlich…

    Ich vermute einmal, dass sich die Autorin an ähnlichen Dingen stört wie ich. Z. B. an vorgegebenen Themen zu Kunstaktionen. Ich selbst habe schon erleben müssen: „Kunst gegen Altersarmut“, „Kunst gegen Trump“, „Kunst gegen Rechts“ – und allen möglichen weiteren Schwachsinn. Mein größter Aufreger ist der, wenn es mal wieder heißt, „die Kunst muss politischer werden!“.
    Damit ist natürlich nicht „politischer“ als Abstraktum gemeint – sondern zielgerichtet auf ein bestimmtes Ergebnis.
    Möglicherweise fehlt ihr auch die darstellerische/handwerkliche Qualität, welche auch für mich an zeitgenössischer Kunst oft nicht zu entdecken ist…

    Was die Vorgabe von Themen betrifft: zur deutlichen Differenzierung von „Kunst“ zu dem, was heute auch als Kunst bezeichnet wird…

    …genügt es schon, den Begriff der „Propaganda“ für all das zu verwenden, was zielgerichtet ist.

    Ärger oder Zorn über die im Kunstbetrieb herrschenden Zustände zu verspüren ist für mich nachvollziehbar.

    Auch ich habe oft den Wunsch mich dem Scheißdreck zu entziehen, mit dem heutzutage oft versucht wird, den Konsumenten vollzukübeln. (Konsument ist für mich wertfrei!)

    Man kann sich ganz bewusst in einen Elfenbeinturm begeben und in diesem operieren.

    Wenn man aber selbst Ansprüche darüber nach außen formuliert, wie es zu sein hat, dann läuft man Gefahr zu werden wie die, welche man aus seinem Turm herab, ganz prima verachten kann!

  3. Schwieriges Thema…

    Etwas davon kann man als gesetzt abhaken: „Kunst ist Kommunikation“. Sobald man aber darüber hinaus etwas formuliert, sei es ein Anspruch – oder die Definition einer Aufgabe für die Kunst – dann ist sie womöglich schon keine mehr.

    Kunst an sich kann alles sein – solange sie von sich nicht behauptet, etwas Bestimmtes zu sein…

    In diesem Aufsatz kommt der Begriff der Ästhetik nicht einmal vor. Der Begriff umschreibt aber das Wesen der Kunst, wie wir etwas wahrnehmen, bzw. einordnen/deuten. Die persönliche Einordnung/Wertung des Rezipienten ist der Verlaufsprozess von „Kunst“.

    Das hat nichts mit der Intelligenz des Aufnehmenden zu tun. Eine Wertung kann auch sein: „sagt mir nichts“, „hässlich“, usw..

    In dem Satz „Das wahre Kunstwerk, dessen einziger Zweck darin besteht, die Geisteskraft eines Genies zum dialogischen Duett mit einem selbstständig denkenden Individuum zu erheben.“ wird deutlich, dass die Autorin sich darum bemüht, der (für sie!) „echten“ Kunst eine Qualität zu unterstellen, die sie elitär abheben soll von dem, was heute als „Kunst“ angeboten wird.

    Der ganze Schrieb hier wirkt als wäre er, aus Bewegtheit heraus, wutvoll in die Tastatur gehämmert. Vielleicht differenziert er deshalb nicht ganz deutlich…

    Ich vermute einmal, dass sich die Autorin an ähnlichen Dingen stört wie ich. Z. B. an vorgegebenen Themen zu Kunstaktionen. Ich selbst habe schon erleben müssen: „Kunst gegen Altersarmut“, „Kunst gegen Trump“, „Kunst gegen Rechts“ – und allen möglichen weiteren Schwachsinn. Mein größter Aufreger ist der, wenn es mal wieder heißt, „die Kunst muss politischer werden!“.
    Damit ist natürlich nicht „politischer“ als Abstraktum gemeint – sondern zielgerichtet auf ein bestimmtes Ergebnis.
    Möglicherweise fehlt ihr auch die darstellerische/handwerkliche Qualität, welche auch für mich an zeitgenössischer Kunst oft nicht zu entdecken ist…

    Was die Vorgabe von Themen betrifft: zur deutlichen Differenzierung von „Kunst“ zu dem, was heute auch als Kunst bezeichnet wird…

    …genügt es schon, den Begriff der „Propaganda“ für all das zu verwenden, was zielgerichtet ist.

    Ärger oder Zorn über die im Kunstbetrieb herrschenden Zustände zu verspüren ist für mich nachvollziehbar.

    Auch ich habe oft den Wunsch mich dem Scheißdreck zu entziehen, mit dem heutzutage oft versucht wird, den Konsumenten vollzukübeln. (Konsument ist für mich wertfrei!)

    Man kann sich ganz bewusst in einen Elfenbeinturm begeben und in diesem operieren.

    Wenn man aber selbst Ansprüche darüber nach außen formuliert, wie es zu sein hat, dann läuft man Gefahr zu werden wie die, welche man aus seinem Turm herab, ganz prima verachten kann!

  4. Lieber Deutschtümler,

    erst einmal ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen und klugen Kommentar. Ich möchte als Autorin der Artikels gerne darauf antworten.

    Es ist richtig, dass die Definition von Kunst oder dem Kunstbegriff an sich sehr schwierig ist, und natürlich müsste man sich dabei an der Ideengeschichte seit Aristoteles und seiner Beschreibung von Ästhetik, also dem, was Anschauung ist, abarbeiten, möchte man eine umfassende Kritik an der heutigen Kunstwelt im weitesten Sinne üben. Ich habe dies hier nicht getan, da es den Rahmen gesprengt hätte. Und ja, ich habe mich intuitiv und auch von meinem Unmut über die derzeitige Situation der Kunstwelt leiten lassen beim Verfassen des Artikels. Denn ich bin nicht der Meinung, dass Kunst alles sein kann, solange sie nicht von sich behaupte, etwas Bestimmtes zu sein. Wäre dem so, bräuchte man überhaupt nicht über Kunst nachzudenken, stattdessen könnte man durchs Leben mäandern, sich an ansprechenden oder weniger attraktiven Artefakten sowie dem Naturschönen erfreuen oder sich darüber ärgern, sich zum Nachdenken anregen lassen oder einfach resignieren beziehungsweise das Geschaffene und Gewachsene ignorieren. Das ist am Ende des Tages natürlich jedem selbst überlassen. Das ist ja gerade das Faszinierende an diesem komplexen Thema: Niemand kann mit endgültiger Gewissheit erklären, was Kunst ist. Ich störe mich vielleicht ganz persönlich an den von Ihnen genannten Kriterien der heutigen Regularien, und ich finde es erschreckend, gewisse Schaffende auszuschließen aus dem Kanon, weil sie nicht dem Mainstream entsprechen, aber ich maße mir ganz gewiss nicht an, von einem Elfenbeinturm herab beurteilen zu können, was ein Kunstwerk ist und was nicht. Ich finde es einfach nur bedauerlich, dass in einem Metier, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Freiheit des Geistes und der Kreativität als seinen Gegenstand zu definieren, bereits im Vorfeld eine Schere angesetzt wird und alles, was nicht dem politischen Zeitgeist entspricht, zu verurteilen. Und nein, das bedeutet nicht, dass alles und nichts zugleich Kunst ist. Alles und Nichts sind an sich philosophische Schwergewichte, die sich gegenseitig nivellieren, und ich gehöre nicht der Kategorie Mensch an, die der Meinung ist, dass man eigentlich über nichts logisch argumentieren könnte, da alles in einem Zirkel endet. Wir haben mit der Logik ein Handwerk, das uns dabei hilft, WIE wir über bestimmte Themen reden können, nicht ob und dass wir über sie reden können. Kunst ist nicht alles, und nicht alles ist Kunst.

    Und es ist im Grunde egal, welche Meinung man dazu vertritt. Aber dass wir eine Meinung dazu haben, das sollte uns nicht genommen werden. Genau das passiert jedoch gerade, wenn uns bestimmte Ideen oder Werke vorenthalten werden und andere, „passendere“ gefördert werden. Und nichts anderes wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen.

    Ganz persönlich möchte ich noch anmerken, dass Kunst auch immer eine Geschichte beinhaltet. Ich habe zum Beispiel einmal eine Arbeit über das Giselakreuz geschrieben. Dabei handelt es sich um ein Stiftungskreuz der heiligen Gisela aus dem Mittelalter. Ich bin dabei tief in die Geschichte der Zeit eingetaucht und habe viel gelernt über bayerische Fürstentümer und die Entstehung des Staates Ungarn und welche Bedeutung das Kreuz dabei hatte. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was Nachgeborene einmal aus einem mit Gold überzogenen Haufen Scheisse, der als Kapitalismuskritik verkauft wird, in 100 oder 200 Jahren lernen sollen.

  5. Lieber Deutschtümler,

    erst einmal ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen und klugen Kommentar. Ich möchte als Autorin der Artikels gerne darauf antworten.

    Es ist richtig, dass die Definition von Kunst oder dem Kunstbegriff an sich sehr schwierig ist, und natürlich müsste man sich dabei an der Ideengeschichte seit Aristoteles und seiner Beschreibung von Ästhetik, also dem, was Anschauung ist, abarbeiten, möchte man eine umfassende Kritik an der heutigen Kunstwelt im weitesten Sinne üben. Ich habe dies hier nicht getan, da es den Rahmen gesprengt hätte. Und ja, ich habe mich intuitiv und auch von meinem Unmut über die derzeitige Situation der Kunstwelt leiten lassen beim Verfassen des Artikels. Denn ich bin nicht der Meinung, dass Kunst alles sein kann, solange sie nicht von sich behaupte, etwas Bestimmtes zu sein. Wäre dem so, bräuchte man überhaupt nicht über Kunst nachzudenken, stattdessen könnte man durchs Leben mäandern, sich an ansprechenden oder weniger attraktiven Artefakten sowie dem Naturschönen erfreuen oder sich darüber ärgern, sich zum Nachdenken anregen lassen oder einfach resignieren beziehungsweise das Geschaffene und Gewachsene ignorieren. Das ist am Ende des Tages natürlich jedem selbst überlassen. Das ist ja gerade das Faszinierende an diesem komplexen Thema: Niemand kann mit endgültiger Gewissheit erklären, was Kunst ist. Ich störe mich vielleicht ganz persönlich an den von Ihnen genannten Kriterien der heutigen Regularien, und ich finde es erschreckend, gewisse Schaffende auszuschließen aus dem Kanon, weil sie nicht dem Mainstream entsprechen, aber ich maße mir ganz gewiss nicht an, von einem Elfenbeinturm herab beurteilen zu können, was ein Kunstwerk ist und was nicht. Ich finde es einfach nur bedauerlich, dass in einem Metier, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Freiheit des Geistes und der Kreativität als seinen Gegenstand zu definieren, bereits im Vorfeld eine Schere angesetzt wird und alles, was nicht dem politischen Zeitgeist entspricht, zu verurteilen. Und nein, das bedeutet nicht, dass alles und nichts zugleich Kunst ist. Alles und Nichts sind an sich philosophische Schwergewichte, die sich gegenseitig nivellieren, und ich gehöre nicht der Kategorie Mensch an, die der Meinung ist, dass man eigentlich über nichts logisch argumentieren könnte, da alles in einem Zirkel endet. Wir haben mit der Logik ein Handwerk, das uns dabei hilft, WIE wir über bestimmte Themen reden können, nicht ob und dass wir über sie reden können. Kunst ist nicht alles, und nicht alles ist Kunst.

    Und es ist im Grunde egal, welche Meinung man dazu vertritt. Aber dass wir eine Meinung dazu haben, das sollte uns nicht genommen werden. Genau das passiert jedoch gerade, wenn uns bestimmte Ideen oder Werke vorenthalten werden und andere, „passendere“ gefördert werden. Und nichts anderes wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen.

    Ganz persönlich möchte ich noch anmerken, dass Kunst auch immer eine Geschichte beinhaltet. Ich habe zum Beispiel einmal eine Arbeit über das Giselakreuz geschrieben. Dabei handelt es sich um ein Stiftungskreuz der heiligen Gisela aus dem Mittelalter. Ich bin dabei tief in die Geschichte der Zeit eingetaucht und habe viel gelernt über bayerische Fürstentümer und die Entstehung des Staates Ungarn und welche Bedeutung das Kreuz dabei hatte. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was Nachgeborene einmal aus einem mit Gold überzogenen Haufen Scheisse, der als Kapitalismuskritik verkauft wird, in 100 oder 200 Jahren lernen sollen.

  6. Lieber Deutschtümler,

    erst einmal ganz herzlichen Dank für diesen ausführlichen und klugen Kommentar. Ich möchte als Autorin der Artikels gerne darauf antworten.

    Es ist richtig, dass die Definition von Kunst oder dem Kunstbegriff an sich sehr schwierig ist, und natürlich müsste man sich dabei an der Ideengeschichte seit Aristoteles und seiner Beschreibung von Ästhetik, also dem, was Anschauung ist, abarbeiten, möchte man eine umfassende Kritik an der heutigen Kunstwelt im weitesten Sinne üben. Ich habe dies hier nicht getan, da es den Rahmen gesprengt hätte. Und ja, ich habe mich intuitiv und auch von meinem Unmut über die derzeitige Situation der Kunstwelt leiten lassen beim Verfassen des Artikels. Denn ich bin nicht der Meinung, dass Kunst alles sein kann, solange sie nicht von sich behaupte, etwas Bestimmtes zu sein. Wäre dem so, bräuchte man überhaupt nicht über Kunst nachzudenken, stattdessen könnte man durchs Leben mäandern, sich an ansprechenden oder weniger attraktiven Artefakten sowie dem Naturschönen erfreuen oder sich darüber ärgern, sich zum Nachdenken anregen lassen oder einfach resignieren beziehungsweise das Geschaffene und Gewachsene ignorieren. Das ist am Ende des Tages natürlich jedem selbst überlassen. Das ist ja gerade das Faszinierende an diesem komplexen Thema: Niemand kann mit endgültiger Gewissheit erklären, was Kunst ist. Ich störe mich vielleicht ganz persönlich an den von Ihnen genannten Kriterien der heutigen Regularien, und ich finde es erschreckend, gewisse Schaffende auszuschließen aus dem Kanon, weil sie nicht dem Mainstream entsprechen, aber ich maße mir ganz gewiss nicht an, von einem Elfenbeinturm herab beurteilen zu können, was ein Kunstwerk ist und was nicht. Ich finde es einfach nur bedauerlich, dass in einem Metier, das es sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Freiheit des Geistes und der Kreativität als seinen Gegenstand zu definieren, bereits im Vorfeld eine Schere angesetzt wird und alles, was nicht dem politischen Zeitgeist entspricht, zu verurteilen. Und nein, das bedeutet nicht, dass alles und nichts zugleich Kunst ist. Alles und Nichts sind an sich philosophische Schwergewichte, die sich gegenseitig nivellieren, und ich gehöre nicht der Kategorie Mensch an, die der Meinung ist, dass man eigentlich über nichts logisch argumentieren könnte, da alles in einem Zirkel endet. Wir haben mit der Logik ein Handwerk, das uns dabei hilft, WIE wir über bestimmte Themen reden können, nicht ob und dass wir über sie reden können. Kunst ist nicht alles, und nicht alles ist Kunst.

    Und es ist im Grunde egal, welche Meinung man dazu vertritt. Aber dass wir eine Meinung dazu haben, das sollte uns nicht genommen werden. Genau das passiert jedoch gerade, wenn uns bestimmte Ideen oder Werke vorenthalten werden und andere, „passendere“ gefördert werden. Und nichts anderes wollte ich eigentlich zum Ausdruck bringen.

    Ganz persönlich möchte ich noch anmerken, dass Kunst auch immer eine Geschichte beinhaltet. Ich habe zum Beispiel einmal eine Arbeit über das Giselakreuz geschrieben. Dabei handelt es sich um ein Stiftungskreuz der heiligen Gisela aus dem Mittelalter. Ich bin dabei tief in die Geschichte der Zeit eingetaucht und habe viel gelernt über bayerische Fürstentümer und die Entstehung des Staates Ungarn und welche Bedeutung das Kreuz dabei hatte. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, was Nachgeborene einmal aus einem mit Gold überzogenen Haufen Scheisse, der als Kapitalismuskritik verkauft wird, in 100 oder 200 Jahren lernen sollen.

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