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„Oh, ein Ausländer, wie nützlich.“

21. August 2020

Bevor wir auf die Überschrift kommen, muss ich meinen Hass auf invasive Arten loswerden. Und darüber geht der Artikel auch eigentlich. Die sogenannte „Schwarzmundgrundel“ hat mir vor einigen Jahren den Angelspaß komplett verdorben. Ich habe mein Hobby fast vollständig an den Nagel gehangen. Über den Main-Donau-Kanal kamen erste „Einwanderer“ in den 90er Jahren nach Deutschland, die Spezies – eigentlich im Schwarzen Meer heimisch – ist mit einer unfassbar hohen Reproduktionsrate, einem extrem kleinen Lebensraumbedarf und ihrer Eigenschaft als Laichräuber praktisch die perfekte invasive Art.

1. Invasoren aus dem Schwarzen Meer

In den Gewässern, in denen ich das Angeln pflegte, hat sie die einheimischen Friedfischarten nach meiner Einschätzung fast vollständig verdrängt. Dazu titelt der „BUND“, dieser staatskohleabhängige Ökoverein, dann Überschriften wie „Ein Fisch erobert die Welt“, als würde ein kleines, süßes Etwas mit Rucksack hinaus in die Ferne ziehen. Stattdessen findet ein biologischer Völkermord statt und die deutschen Gewässer, betroffen sind mittlerweile Rhein, Main, Donau, Lahn und viele andere Flüsse des Westens, werden nie wieder die alten sein. Aufschrei in den Medien? Fehlanzeige.

Biologische Maßnahmen sind noch nicht erforscht und werden kaum umgesetzt. Abfischen hat keinen Nutzen, da man über die Abermillionen von parasitären Drecksfischen nicht Herr wird. Entfernt man eine Grundel, sind zwei andere auf ihrem alten Platz.

Zudem haben Angler eine Anglerlobby, wie ein durchschnittlicher Karpfenangler: Träge, unkommunikativ, überaltert, biertrinkend und halbschlafend. Auch gibt es keine Krawalle, Attentate oder extremistische Fischanschläge; die Grundelisierung verläuft schleichend, so stumm wie ein Fisch, gedämpft von Millionen Litern Wasser. Wenn man zusätzlich Berichte aus Angelzeitungen darüber liest, dass die Grundel auch als Speisefisch vorzüglich geeignet sei, und man sie nur sauer einlegen müsse, wie traditionell am Schwarzen Meer, hat man ohnehin keine Lust mehr, zu dieser Gruppe von Opfern zu gehören.

2. Türkische Ratten der Lüfte

Aber wäre es nur die Grundel: Hier, im Südwesten haben wir auch eine Türkentaubenplage. Ja, die heißen tatsächlich so und sind in den 50er Jahren nach Deutschland eingewandert. Keine Satire. Dass die Türkentauben nicht als Gast kamen, war den meisten klar, aber die „Umweltschützer“ beschäftigten sich in den darauffolgenden Jahren lieber mit Biodiesel, Strickpullover, AKW-Protesten und Neomarxismus. Also konnte die Taube sich weiter ausbreiten und dominiert heute ganze Landschaftsareale. „Jetzt sind sie eben da“, um die bekannte Tierschützerin Angela M. zu zitieren.

Lediglich in einigen Städten begegnet man noch den einheimischen Stadttauben, unsere eigenen „Ratten der Lüfte“, die mir Woche für Woche sympathischer werden. Diese dummen heimatlichen Gurrschafe haben keine Chance gegen die neuen Eroberer. Hier ein Originalzitat vom NABU über die Türkentauben: „Die Ausbreitung erfolgt oft nach demselben Muster: Zuerst entsteht ein Netz isolierter Vorposten, die bis zu 200 Kilometer von der Grenze des geschlossenen Vorkommens entfernt sind. Von den Vorposten aus wird dann allmählich das Umland besiedelt und schließlich werden die Verbreitungslücken geschlossen. In Europa ist die Bindung der Türkentaube an den Menschen nach wie vor sehr eng. Fast ausnahmslos Standvogel, bewohnt sie die dicht besiedelten Ballungsräume, seltener auch Dörfer und Bauernhöfe. Die Siedlungsstruktur hat einen erheblichen Einfluss auf die Bestandsdichte der Türkentaube. In Ein- und Mehrfamilienhausgebieten liegt die Bestandsdichte im Schnitt fast doppelt so hoch wie in den Innenstädten mit geringem Grünanteil. Außerhalb der Brutsaison bilden Türkentauben große Schlafplatzgemeinschaften.“ (Jegliche Anspielungen sind rein zufälliger Natur und entsprechen nicht der Intention des Autors.)

Dass man gegen die unfassbar nervig gurrenden Türkentauben nichts unternehmen darf, liegt in Deutschland auch auf der Hand. Nichtmals auf seinem eigenen Grundstück darf man das Lüftepack beseitigen. Enorme Geldstrafen werden angedroht, zudem könnte man nach §17 des Tierschutzgesetzes mit bis zu drei Jahren Haft bestraft werden: Tötung eines Wirbeltieres.

Zum Glück wird selten jemand verurteilt. Das liegt aber nicht an unserer lässlichen Justiz sondern daran, dass wir ein noch größeres Pack sind, das alles hinnimmt und nicht mal ein Kleinkalibergewehr ohne Erlaubnis besitzen, geschweige denn auf dem eigenen Grundstück abfeuern darf.

Wie verfehlt diese „grüne Schutzpolitik“ ist, zeigt die Entwicklung. Während vor 50-100 Jahren die Dorfjugend regelmäßig Jagd auf jegliche Wildtiere machte, blühten die Arten und die Vielfalt. Heute, wenn parasitäres Luftgeziefer geschützt wird, hängen 90 Prozent der jungen Männer mit gebeugtem Rücken entweder vor dem Computerspiel oder im Büro. Ein Gewehr kann von ihnen ohnehin niemand mehr halten.

Natürlich ist hier keine Kausalitätskette zu sehen, doch kann man zumindest nachweisen, dass dieser „Schutz von Wildtieren“ auf dem eigenen Grundstück einfach wertlos ist. Den Machern in der Politik fehlt zudem jegliche ökologische Bildung über Artenschutz und fragile Ökosysteme. Ein Beispiel: Nach Jahrzehnten der „Vogelhausinvasion“ – alternde Gartenbesitzer die ihre Liebe zur Natur wiederentdecken, was anzuerkennen ist – weiß man noch immer nicht, ob menschliche Fütterung einheimischen Singvögeln nutzt oder schadet. Die Bestände gehen weiter zurück und falsche oder übermäßige Fütterungstechniken sorgen beispielsweise dafür, dass die Vögelchen keine Winterlager mehr anlegen. Sie fristen ihr Dasein sozusagen am sozialen Meisenknödeltropf der Gartenbesitzer. So kann der Urlaub in den Alpen auch schnell zum Todesurteil für Rotkehlchen, Meisen und Finken werden. Auch über ausbleibende Selektionsprozesse – Stichwort: „Survival of the Fittest“ – ist keine Forschung bekannt.

3. Schwarz-Gelber Humanismus

Doch jetzt zum letzten Tier, das neuerdings in aller Munde ist. Die Wespe. Die schwarz-goldenen Insekten werden von so ziemlich jedem Menschen verscheucht, gehasst oder umgebracht. Trotzdem ist der Bestand relativ konstant. Das wiederum ist dem Bundesnaturschutzgesetz aber egal: „§39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) verbietet es allgemein, wildlebende Tiere ohne Grund zu töten. Es ist verboten, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten.“

Dazu zählen auch die Wespen und wie man am neuen Bußgeldkatalog ablesen darf, kostet der „Mord“ an Wespen bis zu 50.000 Euro. Die tatsächlichen Strafen liegen deutlich niedriger, aber der Trend ist überall zu beobachten. Während noch vor 10-20 Jahren ein Wespennest einfach mit einem Gasbrenner vernichtet wurde, ohne sich irgendwas dabei zu denken, werden heute Wespenneste von Kammerjägern „umgebettet“, um die Tiere nicht zu gefährden.

Und auch bei der Wespe muss man differenzieren: Der generelle ökologische Nutzen einer Wespe ist hinlänglich nachgewiesen, doch bislang konnte noch niemand irgendwie zeigen, was das „Schonen“ der Wespen gebracht hat. Was passiert, wenn jeder Deutsche jedes Jahr 10 Wespen tötet. Oder fünf? Oder keine? Es gibt in diesem Bereich schlichtweg keine fundierten Aussagen und keine stichhaltige (haha) Forschung.

Möglicherweise wissen einige der Leser, dass auch die einheimische Wespe mehr und mehr verdrängt wird. Vielleicht ist auch dem ein oder anderen Leser aufgefallen, dass die Wespen in letzter Zeit irgendwie ziemlich lange Beine bekommen haben und ein wenig trottelhaft umherfliegen. Dabei handelt es sich nicht um die betrunkene Modellvariante der „Echten Wespen“, die ich als Kind fast ausschließlich gesehen habe, sondern um eine Unterart der Faltenwespen namentlich um die „Gallische Feldwespe“.

Die wiederum kam aufgrund steigender Temperaturen in den letzten Jahrzehnten bis nach Norddeutschland und hat sich breit gemacht. Wie gesagt: Als Kind – und da kann ich meine Hand für ins Feuer legen, weil ich mich praktisch täglich auf der Suche nach allem was kreucht und fleucht befand – habe ich die „Gallier“ noch nie gesehen. Jetzt sehe ich fast mehr Gallische Feldwespen, als einheimische. Reaktion: Alle Quellen betonen den angeblichen Nutzen aller Wespen – und dass das schon so seine Richtigkeit hat, dass man Wespen nicht einfach töten dürfe. Soooo nützlich…. Insbesondere als Insektenjäger…

Wollt ihr mich eigentlich alle verarschen? Seit dreißig Jahren hört man nichts anderes mehr, dass die Zahl der Insekten um (hier sehr große Prozentzahl einfügen, die nur auf schlechten Schätzungen beruht) zurückgegangen ist und auf einmal brauchen wir einen zusätzlichen, ökologischen Insektenjäger?

Und um zurück zur Überschrift zu kommen: Die Deutschen haben bei allen (!) invasiven Arten die gleiche Vorgehensweise: Weil sie sich nicht wehren können oder wollen, betonen sie einfach die Vorzüge der neuen Nachbarn und ignorieren die Nachteile: Eine gallische Wespe killt Insekten? Was für brauchbare Tiere! Die Grundel erobert die Flüsse? Sie schmeckt hervorragend! Nur über die Türkentauben habe ich bislang noch kaum etwas Positives gelesen. Das liegt wohl daran, dass sie ausschließlich Scheiße sind. Aber sollte das Türkentaubenproblem populärer werden, werden sich irgendwelche vom Selbsthass zerfressene, fördertopfabgreifende, ökologische Blindgänger etwas einfallen lassen. So titelt beispielsweise schon jetzt der NABU: „Tauben – ganz besondere Tiere“. Und verwendet tatsächlich das Bild einer Türkentaube, statt einer einheimischen Ringeltaube. Da verwundert es schon fast, dass sie keine Brieftasche gefunden und abgegeben hat.

Florian Müller

Der Sklaventreiber-Chef hat diverse Geschwätzwissenschaften studiert und nach eigenen Angaben sogar abgeschlossen. Als geborener Eifeler und gelernter „Jungliberaler“ freundete er sich schnell mit konservativen Werten an – konnte aber mit Christentum und Merkel wenig anfangen. Nach ersten peinlichen Ergüssen entdeckte er das therapeutische Schreiben in der linksradikalen Studentenstadt Marburg, wurde Autor für die „Blaue Narzisse“ und „eigentümlich frei“. Ende 2017 gründete er mit Hannes die Krautzone.


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