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Film ab für Nullpunkt!

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Von Nullpunkt

Der deutsche Film besteht entweder aus billiger und schlechter Nachahmung des amerikanischen Unterhaltungskinos, oder politisch korrektem Identitätsfilm. Wo bleiben die gewagten und spannenden Projekte? Also die Sache selbst in die Hand nehmen, dachten sich die Macher von Nullpunkt und gründeten ein Filmfestival. Das gefiel nicht jedem.

In einer Märznacht im Jahre 2019 entstand ein Filmfestival. Wohlgemerkt, nicht irgendeins, sondern das Nullpunkt-Filmfestival. Es floß Bier, es floß Rum, und die Gespräche drehten sich um was sie sich immer an solchen Abenden drehen: Frauen, Politik, Kunst, Bücher, und immer wieder Filme, Filme und Filme.

Werner Herzog hatte es uns angetan, und die surrealen Bildwelten von David Lynch. Nicht lange zuvor hatten wir „M- Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang gesehen und gestaunt darüber, wie ergreifend, wie fiebrig und düster der deutsche Film einst gewesen war. Heutzutage weckt dieses Siegel ja eher ein Gähnen und das auch nur im besten Fall.

Im schlechteren Fall gilt ein Mann wie Till Schweiger als Aushängeschild der hiesigen Zelluloidartistik (der Autor dieser Zeilen wurde in jungen Jahren einst selbst von weiblichen Verwandten zum Sehen eines dieser Machwerke genötigt und erinnert sich bis heute mit Grausen). Nun gut, das ist ein generelles Problem mit dem Mainstream, könnte man sagen. Aber als wir bei unserer Diskussion bei der Indie-Filmszene angelangten, fielen uns auch dort keine wirklichen Hoffnungsträger ein.

Deutschland, und erst recht Köln, hat sicher keinen Mangel an kleinen Filmfestivals. Aber Tarmo, langjährig als Filmemacher in der Stadt unterwegs gewesen, konnte auch von dort eher wenig Gutes berichten: zu einfallslos, zu gefällig und vor allem viel zu politisch korrekt. Ihr wisst schon, die Art von Jury, der die Hautfarben und sexuellen Orientierungen der gezeigten Figuren im Endeffekt das Wichtigste sind.

Etwas Neues musste her! Wieso also nicht einfach ein eigenes Festival gründen? Und plötzlich war sie da, die Idee, und obwohl uns bereits klar war, dass ein politisch inkorrektes Filmfestival gerade in Köln nicht überall auf Begeisterung stoßen würde, ahnten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie viel Trubel wir mit diesem Vorhaben anstoßen würden. Aber der Reihe nach…
Der Ansatz der politischen Inkorrektheit schien uns naheliegend.

Natürlich ist beim deutschen Film viel mehr im Argen: der Humor ist flach, die Ideen fantasielos, die Innovation schlicht nicht vorhanden. Besonders fehlt aber auch jedes Gespür dafür, was Film alles sein kann; es fehlt jeglicher Pathos, den ein Geschichtenerzähler irgendwo benötigt, jegliches Selbstbild eines Visionärs, welches überhaupt erst den Anspruch vorgibt, neu und aufregend und grenzensprengend zu erzählen; ein Anspruch, der den Ehrgeiz weckt und so eine spannende Filmkultur überhaupt erst ins Reich der Möglichkeiten holt.

Die deutschen Stummfilmmacher der 20er Jahre und der Neue Deutsche Film der 60er und 70er hatten davon überreichlich. Ohne uns überschätzen zu wollen- aber was für eine Existenzberechtigung soll eine Filmkultur haben, die nicht wenigstens davon träumt und danach strebt, wieder auf diesem Level an Qualität zu landen? Politische Inkorrektheit wird dabei unverzichtbar sein, aus Gründen der Provokation, aber auch als deutliche Absage an die Kommissarfiguren, welche leider überreichlich die Gremien, staatlichen Kulturinstitutionen und Filmfestivaljurys bevölkern und dort sämtliche Filme auf ihren soziologischen Gehalt abklopfen.

Wir zogen also die Website auf, druckten Flyer und verschickten sie an Filmhochschulen, und gaben dem YouTuber Gunnar Kaiser ein Interview, in dem wir unsere Idee vorstellten. Ein Kino war ebenfalls rasch gefunden und am 17. Januar 2020 organisierten wir dort gemeinsam mit Kaiser die Deutschlandpremiere der Dokumentation „The Rise of Jordan Peterson“, zu der damals 150 Menschen kamen. Der Tag unseres Filmfestivals, der 18. April 2020, rückte langsam näher.

Im Februar bekamen wir schließlich mit, dass in Köln eine Veranstaltung mit dem klangvollen Titel „Utopia. Symposium zur Zukunft des deutschen Films“ stattfinden würde. Es sollten Vorträge und Diskussionen abgehalten werden; das Publikum war aufgerufen, sich einzumischen und wild mit zu diskutieren. Natürlich, so war uns klar, musste Nullpunkt und unser Ansatz dort vertreten sein, und so traten drei von uns als Besucher zur Veranstaltung an. Organisiert wurde der Abend vom Filmbüro NW, anwesend waren Vertreter der Öffentlich-Rechtlichen, Journalisten der taz und der Zeit, sowie weitere Kölner Kulturorganisationen wie etwa die Dokomotive und die Kulturschaffner.

Um es kurz zu machen: es ging sehr wenig um Film. Dafür sehr viele um staatliche Gelder, um den Kampf gegen rechts (wer hätte es ahnen können) und darum, dass man doch bitte damit aufhören solle, Menschen mit weißer Haut und männlichem Geschlecht als Hauptfiguren zu verwenden. Wir hielten uns mit unserer Kritik nicht hinterm Berg und erlaubten uns dabei auch polemisch zu werden. Wenn das die deutsche Filmszene sein sollte, so war die Realität ja noch weitaus schlimmer als sämtliche unserer Behauptungen…
Knapp zwei Wochen später erhielten wir von unserem Kino schließlich eine E-Mail. Offenbar, so wurde uns erklärt, handele es sich bei unserem Filmfestival um einen Täuschungsversuch: unter dem Deckmantel einer spannenderen und vielleicht politisch inkorrekten Filmkultur, solle rechtes Gedankengut verbreitet werden.

Unzählige Mails habe man dazu erhalten (wir vermuteten die Utopia-Clique als Urheber, Beweise hatten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht). Die Zusammenarbeit sei selbstverständlich hiermit fristlos gekündigt.
Wir standen also vor der unlösbar scheinenden Aufgabe, nun wenige Wochen vor dem geplanten Festivalabend einen neuen Veranstaltungsort zu finden, als uns der große Weltgeist eine Verschnaufpause schenkte: Corona kam, mit ihm der Lockdown und eine große Zeitspanne, in der wir uns hinsetzen und unsere Festivalidee noch einmal überdenken konnten.

Im Sommer fanden wir schließlich ein neues Kino. Open-Air und direkt am Rhein gelegen, zudem legten wir die Zusammenarbeit diesmal per schriftlichem Vertrag fest. Gibt es einen unterschriebenen Vertrag, kann man uns auch nicht einfach kündigen- so dachten wir zumindest. Als Datum der Veranstaltung wurde sich auf den 15. August geeinigt. Aber Pustekuchen.

Ein paar Wochen nach Bekanntgabe des neuen Veranstaltungsortes bekamen wir einen Anruf des Kinobetreibers. Wieder waren Mails gekommen. Sogar die Sponsoren des Kinos (darunter eine bekannte Biermarke) setzten ihn unter Druck. Nach eigener Aussage hatte der Mann so etwas in 15 Jahren an Unternehmertum noch nicht erlebt. Es kam also zu einer außerordentlichen Kündigung.

Da standen wir nun. Es war offensichtlich, dass uns unsere anonymen Denunzianten immer weiter verfolgen und die Veranstalter unter Druck setzen würden. Keine Diskussionen, kein Austausch von Argumenten; der simple Hinweis, dass wir unser Festival mit dem Stichwort der politischen Inkorrektheit assoziiert hatten, reichte offenbar bereits aus um es in den Augen der Kölner Kulturszene nicht bloß fragwürdig, sondern indiskutabel zu machen.
Wir entschieden vor Gericht zu gehen. AfD-Mann Roger Beckamp hatte derweil von einem Bekannten von unserem Leid erfahren und bot uns an, uns gratis als Anwalt vor Gericht zu vertreten. Nach der Devise „ist der Ruf erst ruiniert…“, sagten wir zu. Mit gewissem Erfolg. Die Kündigung wurde offiziell unwirksam. Wohlgemerkt kam diese Entscheidung zwei Tage vor dem geplanten Premierenabend; coronabedingt hatten die Mühlen der Justiz noch langsamer gemahlen als gewöhnlich. Es war klar, dass die Veranstaltung weder im geplanten Kino, noch am geplan
ten Abend stattfinden würde. Nur ein Trostpreis blieb uns: wir erhielten Zugang zu den Mails unserer anonymen Denunzianten und sahen unsere Vermutungen bestätigt.

Die gesamte Adams Family war dabei: das Filmbüro NW, Kein Veedel für Rassismus, Die Dokomotive, die Kulturschaffner und überhaupt beinahe alle Akteure der sogenannten Utopia.

Und nun? Nun, wir haben einen neuen Veranstaltungsort, den wir demnächst bekannt geben werden. Einer, der uns deutlich zugesagt hat, dass ihm die Boykottaufrufe der linken Kölner Filmszene egal sind. Das Datum steht ebenfalls bereits fest: der 16. Oktober 2020! Um das ganze mit der gebührenden Feierlichkeit und dem nötigen technischen Equipment durchzuziehen, bitten wir allerdings um noch etwas schnöden Mammon. Bislang sind bereits Spenden von 760 € eingegangen (an dieser Stelle bedanken wir uns schon einmal bei den bisherigen Spendern), für einen perfekten Kinoabend wäre allerdings ein Betrag von mindestens 2000 € hilfreich. Wer also für die schönen Künste und besonders den Film etwas übrig hat, der teile bitte unser Spendenvideo, oder greife am liebsten selbst in seine Tasche. Das PayPal-Konto ist angegeben.

Bis bald,

Euer Nullpunkt-Team

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