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Kamikaze!

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Die verzweifelten japanischen Selbstmordmissionen, die während der letzten Phase des Zweiten Weltkriegs im Pazifik von der offiziell Tokubetsu Kōgekitai („Special Attack Unit“) genannten Einheit geflogen wurden, sind unter dem Namen Kamikaze („göttlicher Wind“) bekannt geworden. Das Wort entstand im Mittelalter, nachdem zwei große Taifune eine mongolische Flotte unter Kublai Khan samt seinen koreanischen und chinesischen Vasallen zerstreut oder zerstörte hatte, die 1274 und 1281 versucht hatte, in Japan zu landen. Die Angreifer mussten aufgeben und Nippon entging rein zufällig einer ausländischen Eroberung.

Admiral Takijirō Onishi (geboren 1891) gilt weithin als Vater der Kamikaze. Auf dem Flugfeld Mabalacat in der Nähe von Manila sagte er am 19. Oktober 1944: „Meiner Meinung nach gibt es nur einen Weg um sicherzustellen, dass wir unsere bescheidene Stärke optimal nutzen: Selbstmordmissionen mit Jägern vom Typ Mitsubishi A6M Zero, die sich mit ihren 250 Kilo schweren Bomben direkt auf feindliche Schiffe stürzen.“

Am 16. August 1945 opferte sich Onishi als Buße für die Piloten und ihre Familien. Er starb über einen Zeitraum von 15 Stunden an selbst zugefügten Verletzungen, nachdem er sich in seinem Abschiedsbrief bei den fast 4.000 jungen Männern entschuldigt hatte, die er in den Tod schickte.

Andererseits wollte Marineflieger Motoharu Okamura (geboren 1901), in den 1930er Jahren Testpilot und damaliger Kommandeur des Standortes Tateyama in Tokio, bereits am 15. Juni 1944 eine Gruppe von zum Sterben bereiten Freiwilligen anführen, um das Kriegsglück zu wenden und Japan vor dem Untergang zu retten.

Aus diesem Grund leitete das Flugtechnische Forschungs- und Entwicklungszentrum der Marine im August 1944 ein Sofortprogramm für eine raketengetriebene Gleitbombe mit spezieller Steuerung ein. Insgesamt wurden 852 von diesen, nach der Kirschblüte benannten, Yokosuka MXY-7 Ohka gebaut. Deren Einsatzbericht weist während der Schlacht von Okinawa (1. April-22. Juni 1945) drei versenkte und drei stark beschädigte mittlere Kriegsschiffe auf, aber keine größeren Treffer.

Nachdem Ende Oktober bis November 1944 verstärkt Flugtests durchgeführt worden waren, verglich Okamura als Kommandeur der neuen Einheit die große Anzahl von Freiwilligen für Selbstmordmissionen mit einem Schwarm Insekten: „Bienen sterben, nachdem sie gestochen haben.“ Überwältigt von späten Schuldgefühlen, erschoss sich Okamura am 13. Juli 1948.

Das genaue Datum, an dem das Kamikaze-Konzept letztendlich in die Praxis umgesetzt wurde, bleibt ebenfalls umstritten. Einige behaupten, dass es am 13. September 1944 geschah, als Oberleutnant Takeshi Kosai und ein anderer Sergeant vom 31. Jagdgeschwader mit zwei 100-Kilo-Bomben ausgerüstet, von der philippinischen Insel Negros aufbrachen, um einen Flugzeugträger zu versenken. Obwohl sie vermisst blieben, gibt es keine Aufzeichnungen darüber, dass ein feindliches Flugzeug an diesem Tag ein amerikanisches Schiff getroffen hat.

Admiral Masafumi Arima (geboren 1895) hat während der Luftschlacht um Formosa vom 12. bis 16. Oktober 1944 persönlich einen Luftangriff gegen US-Truppen geführt. Nachdem er seine Absicht erklärt hatte, nicht lebend zurückzukehren, startete er am 15. Oktober in einem zweimotorigen Bomber Mitsubishi G4M. Während an diesem Tag der Flugzeugträger USS Franklin beschädigt wurde, gibt es keine Hinweise darauf, dass Arimas Vorhaben erfolgreich war.

Früh am 21. Oktober stürzte sich der Pilot eines japanischen Flugzeugs in den schweren Kreuzer HMAS Australia und tötete dabei 30 Seeleute, weitere 64 wurden verletzt. Andere betrachten den Flottenschlepper USS Sonoma, am 24. Oktober ohne Verluste gesunken, als erstes durch einen Kamikazeangriff verlorengegangenes Schiff, obwohl das dabei verwendete Flugzeug auch nicht zu den ursprünglichen vier Sonderschwadronen gehörte.

Ungeachtet dessen, dass solche Angriffe kurz vor der Schlacht im Golf von Leyte, der amphibischen Invasion der gleichnamigen philippinischen Insel vom 23. bis zum 26. Oktober 1944 stattfanden, wurden sie auch von Piloten anderer Einheiten durchgeführt.

Der erste offizielle Angriff von Yoshiyasu Kuno (geboren 1921) am 21. Oktober 1944 scheiterte, als er abgeschossen wurde und ins Meer stürzte. Während des zweiten Versuchs am 25. Oktober traf Lieutenant Yukio Seki (geboren 1921) nach einem Sturzflug mit seiner mit Bomben versehenen Mitsubishi A6M die USS St. Lo, die Feuer fing und sank. Von den 889 Männern an Bord wurden 143 getötet oder blieben vermisst.

Als Ergebnis des letzten erfolgreichen Kamikaze-Ensatzes sank am 29. Juli 1945 der Zerstörer USS Callaghan und riss 47 Besatzungsmitglieder mit sich. Nachdem die Vereinigten Staaten am 6. und 9. 1945 August zwei Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen hatten, kapitulierte Japan am 15. August bedingungslos .

Einige Stunden später beging Admiral Matome Ugaki (geb. 1890) Selbstmord, indem er die allerletzte Kamikaze-Mission des Krieges nördlich von Okinawa in der Nähe der Insel Iheya flog.

10% aller 240.000 [der 17 Jahre alten] Absolventen des Naval Aviator Preparatory Course (Yokaren) zogen in den Kampf. Viele starben als Kamikaze, um erfahrenere Piloten zu schonen. Während 19% der rund 3.800 Kamikaze-Angriffe erfolgreich waren und 368 Schiffe beschädigten, gelang es 8,5% von ihnen, 34 Schiffe zu versenken, rund 4.900 Seeleute zu töten und über 4.800 weitere zu verwunden.

Die meisten Leute im Westen betrachten Kamikaze-Piloten immer noch als identitätslose Fanatiker, die sich nach dem Tode sehnten. Tatsächlich waren die meisten von ihnen mutige junge Piloten, die bei der Verteidigung ihrer Heimat ein tragisches Ende fanden.

Die Briefe, Gedichte und Tagebücher, die sie hinterlassen haben, sind äußerst berührende Dokumente, die weder Wut noch Angst widerspiegeln, sondern ein starkes Pflichtgefühl und eine immense Liebe zu ihrem Vaterland und ihren Familien. Diese Werte starben nicht mit ihnen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf dem Blog von The Flying Dutchman.

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