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„Anpflanzung der Tartoffel ernstlich anbefohlen!“

16. April 2021

Die Kartoffel – das deutsche Nationalgericht? Tatsächlich wurde die Knolle im 16. Jahrhundert aus Südamerika importiert und ihr Anbau schließlich vom Alten Fritz, dem „Kartoffelkönig“ in Preußen systematisch vorangetrieben. Der erließ den sogenannte „Kartoffelbefehl“, eine Exekutivanweisung seiner Majestät an seine Bauern, vermehrt Kartoffeln anzubauen.

Es ist von uns in höchster Person in unseren anderen Provinzen die Anpflanzung der sog. Tartoffeln, als ein sehr nützliches und sowohl für Menschen als Vieh auf sehr vielfache Weise dienliches Erd-Gewächse, ernstlich anbefohlen. Da Wir nun bemerkt, daß man sich in Schlesien mit Anziehung dieses Gewächses nicht sonderlich abgibt; als [darum] habt ihr denen Herrschaften und Untertanen den Nutzen von Anpflanzungen dieses Erd-Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzuraten, daß sie noch dieses Frühjahr die Pflanzung der Tartoffeln, als einer sehr nahrhaften Speise, unternehmen müssen […]

Mit dem nahrhaften Nachtschattengewächs gelang es Friedrich II. den Hunger in Pommern und Preußen etwas abzumildern. Angeblich verzehrten die Landbauern zuerst die giftigen Samen und Pflanzenteile, bis ihnen der „Alte Fritz“ eine Anleitung mitlieferte, dass man die Wurzelknollen essen müsse.

Diese Geschichte gilt aber als unbestätigte Legende. Was allerdings bestätigt ist, und auch noch heute die Vorteile der Kartoffel ausmacht, ist ihr geringer Anspruch an Boden und Klima, eine hohe Toleranz gegenüber einem feuchten Herbst, die einfache Verarbeitung und Lagerung und die gesunden Inhaltsstoffe.

Gerade bei der Kartoffel ist es wichtig, nicht zu sparen: Billige Erdäpfel erhalten oftmals mehr Wasser und einen faden Geschmack. Ein Gang zum Kartoffelbauer aus dem Nachbardorf lohnt sich hier nicht nur, um lokale Anbieter zu unterstützen. Auch geschmacklich liegen zwischen der Supermarktkartoffel und einer hochwertigen „Bauernkartoffel“ Welten.

Kartoffeln können – bei geeigneter Temperatur, Dunkelheit und Trockenheit – über Monate hinweg gelagert werden, was kaum ein Gemüse schafft. Leider stirbt mit dem Wohlstand der Deutschen, ihrer wahnhafte Sucht nach Internationalität und teuren pflanzlichen Ersatzstoffen, wie Quinoa oder Soja, und dem Niedergang der deutschen Kochkunst, die Knolle immer weiter aus.

Stattdessen greifen die Deutschen lieber zu Fertigfraß – oder beliebigen und viel ungesünderen Teigprodukten, wie Nudeln oder Pizza. Selbst das Standardgericht der deutschen Küche – einfache Bratkartoffeln – werden immer seltener verzehrt, geschweige denn wirklich gut zubereitet.

Auch die krankhafte Emanzipation der Frau hat ihren Beitrag dazu geleistet. Welche Frau unter 30 kann denn heute noch schmackhafte „Bratkrumbern“ zubereiten und damit den Mann ihrer Träume anlocken? Teflonpfannen sind übrigens nicht erlaubt.

Damit geht ein erschreckender Trend einher: Die Deutschen werden immer dicker. Natürlich nicht ausschließlich, weil wir immer weniger Kartoffeln essen, sondern aus einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

  1. Die Bewegung in den westlichen Staaten wird immer weniger – gleichzeitig steigt die Zahl der „sitzenden Tätigkeiten“ weiter an.

    Fitness und gesunder Lebensstil sind zwar eine Gegenbewegung zur Verfettung, sie werden aber nur von einem Teil der Bevölkerung betrieben. Streng genommen kann man hier von einer Spaltung der Bevölkerung in sportliche oder gar sehr sportliche Menschen und „Couchpotatoes“ (natürlich machen die Engländer unsere Kartoffel mies…) sprechen.

    Eine gesunde Normalität, Volks- und Breitensport für jedermann, ordentliche Hausmannskost sind quasi verschwunden.

  2. Gleichzeitig begegnen wir seit einigen Jahren einer immer stärker werdenden vegetarischen und veganen Propaganda, die behauptet, fleischloser Lebensstil wäre gesünder.

    Ohne ins Detail zu gehen: Es ist eine Lüge, die ich an anderer Stelle chirurgisch auseinandernehmen werde. Ginge man aber trotzdem davon aus, dass pflanzliche Kost hochwertiger und gesünder als tierische Kost wäre, müsste zumindest der Kartoffelkonsum ansteigen.

    Das ist nicht der Fall. Die vegane Propaganda zielt nämlich – anstatt den Anteil des traditionellen und durchaus gesunden Gemüses zu erhöhen – auf Soja, chemisch hergestellte Fleischersatzstoffe und überteuerte Importprodukte. Vegetarismus und Veganismus ist ein riesiges Geschäft: Gerade mit Soja lässt sich eine Gewinnmarge von vielen tausend Prozent erwirtschaften.

    Die arbeits-, zeit- und kostenintensive Zucht von Schlachtvieh kann da nicht mithalten. Die Bruttomarge bei Fleisch liegt viel niedriger.

  3. Ein großes Problem bei übermäßiger Gemüsekost ist der dauerhafte Hunger: Eine ordentliche Mahlzeit mit Fleisch und Kartoffeln hält viele Stunden satt, bei Fast-Food und „schlechten“ Gemüse ist die Sättigungszeit deutlich niedriger. Zudem ist eine reine Gemüsemahlzeit reich an Kohlenhydraten, die kurzfristig den Insulinspiegel ansteigen lassen – man ist „aktiv“ – anschließend fällt man in ein Hungerloch und ist müde.

    Doch dafür hat die Lebensmittelindustrie eine einfache Lösung: Das „Snacken“. Die Deutschen lieben es. Anstatt sich drei Mal am Tag ausgewogen und ordentlich satt zu essen, greifen wir im Stundentakt zu den Salz- und zuckerhaltigen Lebensmitteln – und werden dick und krank.

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Sättigungsgefühl ist übrigens kein subjektives Empfinden, wie man lange Zeit gedacht hatte. Einer der großen Mythen der Ernährungswissenschaften, der nach und nach abgebaut wird, lautet: Eine Kalorie ist eine Kalorie. Falsch! Im Verlauf der letzten Jahre ist man aber wieder „zurück zu den Wurzeln“ gekommen, und vertritt das, was Oma schon sagte: „Iss was anständiges“.

Denn nicht der reine Brennwert entscheidet über das Hungergefühl. Sondern die Komposition der Mikronährstoffe und Vitamine. Und davon ist die Kartoffel voll: Sie besitzt beispielsweise mehr Kalium als Bananen und 100 Gramm Kartoffeln haben mehr Vitamin C als ein herkömmlicher Apfel – der zudem ordentlich Fruchtzucker enthält.

Dazu kommen fast die ganze Palette an B-Vitaminen, Phosphor, Magnesium und andere Mineralstoffe. Sollte also einer unserer Leser – natürlich sind alle zäh wie Led…ach, lassen wir das lieber… – versuchen abzunehmen und dauerhaft hungrig in der Gegend herumlaufen: Iss Kartoffeln.

100 Gramm enthalten 70 Kalorien, dazu ordentliches Fleisch, das auch relativ kalorienarm ist, dafür aber gesund und sättigend. Eine „Portion“ mit beispielsweise 300 Gramm Schweinfleisch (mittelfett ca. 200 kcal pro 100 Gramm) und einem Kilo (!) Kartoffeln (ca. 70 kcal pro 100 Gramm) entsprechen 1300 Kalorien. Wer diese Mahlzeit schafft, darf sich gerne bei der Redaktion melden!

Eine große Stärke hat die Kartoffel aber noch: Sie ist unvorstellbar günstig. Ein Zentner Kartoffeln bekommt man in Deutschland ab 60-70 Euro, was einem Kilopreis von 1,20 Euro entspricht. Und genau das ist auch der Grund, warum die Knolle in vielen ärmeren Ländern gegessen wird. Jeder kann sie sich leisten.

Interessanterweise lag der Kartoffelpreis im Jahr 1900 in Deutschland ähnlich hoch. Damals bezahlte man 2,60 Mark pro Kilo. Der kleine Unterschied: Das Monatseinkommen lag im Durchschnitt bei 62 Mark. Man musste also ordentlich in Tasche greifen, um sich Essen zu kaufen. Durch den technischen Fortschritt insgesamt – und speziell beim Produzenten -, ist die Kartoffel heute viel billiger geworden, weshalb es für den einfachen Landwirt kaum mehr möglich ist, ertragreich und subventionsfrei zu wirtschaften.

Die Kartoffel-Bauernschaft leidet übrigens nicht nur unter dem „Preisverfall“ sondern aktuell enorm unter der Corona-Krise. Der Einbruch der Gastronomie verursachte nämlich auch einen Einbruch bei der Nachfrage nach Kartoffelprodukten – viele Insolvenzen stehen bevor. Und vielleicht überzeugt das den ein oder anderen konservativen Leser einfach zum nächsten Bauern zu fahren, und sich mal einen Zentner zu kaufen. Aber Vorsicht für die jüngeren unter den Lesern: Ein Zentner entspricht 50 kg. Und ist damit ziemlich schwer.

Kartoffeln sind gesund und lecker. Wer weiterhin Fast Food isst, den soll der Zorn des Alten Fritzen treffen. Und wenn die Krautzone endlich an der Macht ist, ist sowieso Schluss mit lustig. Dann wird die: „Anpflanzung der sog. Tartoffeln, als ein sehr nützliches und sowohl für Menschen als Vieh auf sehr vielfache Weise dienliches Erd-Gewächse, ernstlich anbefohlen!“

Florian Müller

Der Sklaventreiber-Chef hat diverse Geschwätzwissenschaften studiert und nach eigenen Angaben sogar abgeschlossen. Als geborener Eifeler und gelernter „Jungliberaler“ freundete er sich schnell mit konservativen Werten an – konnte aber mit Christentum und Merkel wenig anfangen. Nach ersten peinlichen Ergüssen entdeckte er das therapeutische Schreiben in der linksradikalen Studentenstadt Marburg, wurde Autor für die „Blaue Narzisse“ und „eigentümlich frei“. Ende 2017 gründete er mit Hannes die Krautzone.


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