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Der Erste Mai und seine Folgen

30. April 2021

Morgen ist wieder Erster Mai! Seither organisieren Sozialisten, Kommunisten und anderes Gesindel an diesem Tag Massenstreiks und -demonstrationen, um damit ihrer Ideologie Geltung zu verleihen. Hinterließen die Arbeiterkundgebungen früherer Zeiten noch einen gewissen Eindruck auf die politischen Gegner, so werden die heutigen Maidemonstrationen eher mit Gewalteruptionen degenerierter Möchtegern-Rebellen verbunden, die in irgendwelchen verlotterten Großstadtvierteln ihrer erbärmlichen Wut mit Steinewerfen und Brandstiftung freien Lauf lassen.

Abseits davon versuchen die klassisch-linken Parteien in Gestalt von SPD und Linke, mittlerweile nur noch Schatten ihrer Selbst, ein paar Wählerstimmen von Alt-68ern und DDR-Romantikern abzugreifen. Doch wie kommt es eigentlich, dass in der angeblich kapitalistischen Bundesrepublik (und im Rest des „freien“ Westens) dieser sozialistische Propagandatag gefeiert wird?

Vor 132 Jahren wurde der Erste Mai auf dem Gründungskongress der Zweiten Internationale zum Gedenken an die proletarischen Opfer des Haymarket Riot von 1886 als „Kampftag der Arbeiterbewegung“ ausgerufen. Am 1. Mai 1890 wurden schließlich die ersten Streiks und Demonstrationen in Amerika und Europa durchgeführt, so auch im Deutschen Kaiserreich, wo vor allem die SPD für die Durchführung dieser Veranstaltungen verantwortlich war.

Nachdem mit dem Ende des 1. Weltkrieges das Alte Europa vollständig unterging und damit der Sozialdemokratisierung der westlichen Welt kaum mehr etwas im Wege stand, wurden nach und nach in den europäischen Staaten der 1. Mai als Feiertag eingeführt.

In Deutschland scheiterte dies in den Jahren der Weimarer Republik am Widerstand der reaktionären und konservativen Kräfte, lediglich der 1. Mai 1919 wurde auf Betreiben von SPD, DDP und Teilen des Zentrums als Feiertag begangen. 14 Jahre später wurde der Erste Mai dann doch von Sozialisten (wenn auch von den falschen) zum nationalen Feiertag erklärt. Anfangs als „Tag der Nationalen Arbeit“ mit einer riesigen Propagandainszenierung zelebriert, erhoben ihn die Nationalsozialisten ab 1934 mit der Bezeichnung „Nationaler Feiertag des Deutschen Volkes“ zu einem der wichtigsten Festtage im Dritten Reich.

Nach dem Untergang des letzten deutschen Reiches wurde der Maifeiertag in beiden Teilen Deutschlands weiterhin begangen. Während er im Westen vor allem in den wirtschaftlich erfolgreichen 50er-Jahren eher zum Volksfest verfiel, wurden die Feierlichkeiten in der DDR nach sowjetischem Vorbild aufgezogen: Jeder Ostdeutsche hatte die Pflicht, an den Maidemonstrationen teilzunehmen, von 1956 bis in die 70er Jahre hinein hielt die Nationale Volksarmee Paraden ab, die führenden Künstler stellten ihre Loyalität zur Regierung zur Schau (kommt einem doch irgendwie bekannt vor, nicht? #allesdichtmachen), und um die Bevölkerung bei Laune zu halten, wurden Gratis-Bockwürste verteilt und 5-Mark-Prämien ausgegeben.

Doch all das war mehr Schein als Sein: Die meisten Leute wären an diesem Tag lieber zu Hause geblieben, oft wurde nur halbherzig mitgemacht. Die letzten beiden Maiveranstaltungen in den Jahren 88/89 waren geschlossene Feierlichkeiten, die von Kampftruppen und FDJ gegen oppositionelle Demonstranten geschützt werden mussten.

In der BRD bekam der Maifeiertag nach der Rezession in den späten 60ern sowie durch die Studentenunruhen wieder an Bedeutung. Gab es anfänglich noch Streitigkeiten zwischen den Alt- und Neulinken, so einigte man sich spätestens in den 80er Jahren. Seit diesem Zeitraum treten auch die uns heute noch heute plagenden Ausschreitungen der radikalen Linken auf: Insbesondere Berlin-Kreuzberg ist seit 1987 das Zentrum von solchen Krawallen. Wie diese aussehen und -gehen, muss hier nicht ausgeführt werden.

Wie also geht man als Reaktionärer mit diesem scheußlichen Tag um? Leider haben wir kaum die Mittel für effektive Gegenpropaganda (zumindest noch nicht), doch sollten wir keinesfalls den Versuch starten, diesen Tag auf irgendeine Art für uns zu vereinnahmen. Auch wenn es manchmal von Vorteil sein kann, Festtage, Symbole o. ä. vom politischen Gegner zu übernehmen, um eine gewisse Legitimation zu erhalten, sollten wir uns doch zumindest in der Theorie davon fernhalten. Wir würden uns lächerlich machen.

Erst wenn es eine reale Chance auf Machtausübung gibt, können wir uns überlegen, ob wir diesen Tag nicht der Kontinuität wegen beibehalten, aber dann sollte so rasch wie möglich eine Umdeutung, möglicherweise in eine Art Frühlingsfest, stattfinden. Bis dahin sollte er, ähnlich wie der 8. März, als Kampftag des Feindes, als ein Symbol der sozialistischen Degeneration gesehen und dementsprechend mit Verachtung gestraft werden.

Fridericus Vesargo

Aufgewachsen in der heilen Welt der ostdeutschen Provinz, studiert Vesargo jetzt irgendwas mit Musik in einer der schönsten und kulturträchtigsten Städte des zu Asche verfallenen Reiches. Da er als Bewahrer einer traditionsreichen, aber in der Moderne brotlos gewordenen Kunst am finanziellen Hungertuch nagen muss, sieht er sich gezwungen, jede Woche Texte für die Ausbeuter von der Krautzone zu schreiben. Immerhin bleiben ihm noch die Liebesgrüße linker Mitstudenten erspart…


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