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Staat treibt Steuerkeil immer weiter voran

12. August 2022
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Die OECD (Organisation fรผr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) verรถffentlicht jรคhrlich einen Bericht รผber den sogenannten „Tax Wedge“, also den „Steuerkeil“. Der Steuerkeil beschreibt die gesamte Abgabenlast, die Arbeitgeber und Arbeitnehmer abfรผhren mรผssen. Dabei existieren hauptsรคchlich drei Posten: Die Einkommensteuer, als direkte Steuer auf die Summe, die ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern zahlen will sowie die Sozialabgaben des Arbeitgebers und Sozialabgaben des Arbeitnehmers.

Anders kรถnnte man den Steuerkeil als Differenz zwischen dem Betrag, den ein Arbeitnehmer erwirtschaftet (Arbeitgeberbrutto), und dem Betrag, den er tatsรคchlich gezahlt bekommt (Arbeitnehmernetto), beschreiben. Denn ein Arbeitgeber wird eine Person nur beschรคftigen, wenn der Ertrag seiner Arbeit die Arbeitskosten รผbersteigt – ansonsten wรผrde er Verluste machen und kรถnnte das Geschรคft irgendwann schlieรŸen.

Innerhalb der 38 OECD-Lรคnder gibt es eklatante Abweichungen zwischen den Gesamtabgabenlasten. Das liberalste Land ist in dieser Hinsicht Kolumbien mit verpflichtenden Gesamtabgaben von 0 Prozent, anschlieรŸend folgen Chile (7 Prozent), Neuseeland (19,4 Prozent), Mexiko (19,6 Prozent) und auf fรผnften Platz die Schweiz, als freiheitlichstes europรคisches Land mit 22,8 Prozent Abgabenlast.

Zum sozialistischsten Land wurde 2021 Belgien (52,6 Prozent) gekrรถnt, dicht gefolgt von Deutschland mit 48,1 Prozent. Auf Platz drei folgen dicht gedrรคngt ร–sterreich (47,8 Prozent), Frankreich (47,0 Prozent) und Italien mit 46,5 Prozent Abgabenlast.

Die aktuelle Ausgabe (27) der Krautzone: Geldsystem in der Krise.

Um sich diese enormen Quoten im Falle Deutschlands noch einmal zu vergenwรคrtigen: Das durchschnittliche Einkommen eines Arbeitnehmers betrรคgt etwa 4.000 Euro (brutto). Damit der Chef dem Arbeitgeber diesen Betrag zahlen kann, muss er zusรคtzlich etwa 1.000 Euro an Steuern und Abgaben leisten. Damit liegt das Arbeitgeberbrutto bei ca. 4.900 Euro. Auf dem Konto des Arbeitnehmers (kinderlos, gesetzlich versichert, keine Zusatzleistungen) landen hingegen nur 2.500 Euro, da auch „auf Seite“ des Arbeitnehmers 1.500 Euro gefressen werden. Aus einer arbeitswerten Leistung von 4.900 Euro werden also 2.500 Euro. Der Differenzbetrag finanziert den Staat und die Sozialversicherungsysteme mit.

รœbrigens: Die Aufteilung in Arbeitgeber und Arbeitnehmerabgaben oder Steuern sind reine finanzielle Symbolpolitik. Wie die Abgaben zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt sind, ist aus betriebswirtschaftlicher Perspektive egal. Der Chef bezahlt 4.900 Euro – der Arbeitnehmer erhรคlt 2.500 Euro. Wer letztendlich die 2.400 Euro abfรผhren muss, รคndert nichts an Gehalt, Kosten oder Sozialleistungen.

Mehr Informationen รผber den „Steuerkeil“ findest du in der bald erscheinenden neuen Ausgabe der Krautzone (Nr. 28). Abonnenten erhalten das Heft zuerst.

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