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Buchkritik: Sommergig (Robert Habeck)

29. August 2022
in 18 min lesen

Unser geschรคtzter Autor U. B. Kant hat einige Bรผcher von Robert Habeck zusammengeklaut, um sich ein eigenes Bild von dessen schriftstellerischen Kรผnsten zu verschaffen. Ausgangspunkt dieses Vorhabens war die Frage, weshalb sich die etablierten Medien – immerhin offene Unterstรผtzer des schรถngeistigen Wirtschaftsministers – mit Rezensionen zu dessem ล’uvres bisher zurรผckgehalten haben. Nun, Kant stieรŸ schnell auf die Antwort…

โ€žSommergigโ€œ ist ein Jugendroman von Robert Habeck und Andrea Paluch aus dem Jahr 2009, den der dtv-Verlag 2022 in รผberarbeiteter Fassung neu auflegte. Protagonist und Ich-Erzรคhler ist der Oberstufenschรผler Tom in einer nicht namentlich genannten Stadt, die Tom als โ€žunsere Kaffee-und-Kuchen-Stadtโ€œ (S. 199) bezeichnet.

Handlung (Vorsicht, Spoiler!):

Toms Vater ist Witwer und Diener des Auswรคrtigen Amtes. Sein einziger Sohn wuchs in Buenos Aires und spรคter ohne Mutter in New York auf. Als das Auswรคrtige Amt Toms Vater aus New York abzieht, begleitet Tom ihn in die Kaffee-und-Kuchen-Stadt. Dort besucht Tom zu seinem Verdruss die zwรถlfte Klasse, deren Schรผler deutlich jรผnger sind als er. Toms eigens Alter ist umstritten. Er selbst geht davon aus, 18 Jahre alt zu sein. Der Vater glaubt, sein Sohn sei erst 17.

Bereits am ersten Schultag in der Kaffee-und-Kuchen-Stadt begeistert sich Tom fรผr die Mรคdchenrockband Penny or Dime, welche ausschlieรŸlich aus jรผngeren Klassenkameradinnen besteht, als da wรคren deren Anfรผhrerin, genannt Penny, sowie Anna, Britt und Ilayda.

Penny singt und schreibt die Lieder. Trotz ihrer Faulheit ist Penny die Klassenbeste. Anna, die Gitarristin, ist auf eine puppenhafte Weise schรถn. Die Bassistin Britt ist fรผr Toms Geschmack ein wenig ungepflegt und er hรคlt sie fรผr eine Lesbe. Die Schlagzeugspielerin Ilayda ist die Tochter anatolischer Einwanderer. Ilayda fordert ein strenges Kopftuchverbot, eine nicht minderstrenge Impfpflicht und Zwangseinweisungen in Kindergรคrten ab Vollendung des dritten Lebensjahres. Das kapitalistische System lehnt Ilayda ab. Beim Volleyballspielen verliert Tom stets gegen sie.

Alle Jungen der Schule sind in die Mรคdchen von Penny or Dime verliebt und finden Mรคdchenbands cool. Einer dieser Jungen ist Ilaydas Bruder Aikal, genannt Eierkalle, den Tom beim gemeinsamen Joggen am See kennen lernt. Ansonsten verbringt Tom keine Zeit mit gleichaltrigen Jungen, seine Behauptungen von angeblichen Freunden am Baggersee bleiben nebulรถs. Aikal und Tom verlieben sich beide in Penny. Die entscheidet sich zunรคchst fรผr Aikal statt fรผr Tom, der das mรคnnliche Groupie von Penny or Dime wird. Ansonsten bleibt Toms Status unklar, er selbst vergleicht sich mit einem zugelaufenen Kater. Tom wirkt nicht schรถpferisch fรผr Penny or Dime, die Mรคdchen fordern ihn kein einziges Mal auf, sie kreativ zu unterstรผtzen, weder musikalisch noch dichterisch. Er begnรผgt sich damit, den Mรคdchen Bier und Eis zu kaufen. Gleichwohl nimmt Tom fรผr sich in Anspruch, den Mรคdchen durch seine Anwesenheit Inspiration und ihrem Werk eine besondere Note zu verleihen.

Als die Mรคdchen vor den Sommerferien eine Einladung zu einem Musikfestival in Kopenhagen erhalten, das ihrer Karriere erheblichen Aufschwung verleihen kann, warten spannende neue Herausforderungen auf Tom. Da die Mรคdchen ihre Instrumente nicht im Zug transportieren kรถnnen, erinnern sie sich an Toms Fahrerlaubnis, monieren aber sein fehlendes Auto. Prompt nimmt Tom neben der Schule einen Gelegenheitsjob an. Fรผr zehn Euro die Stunde reiรŸt er schlecht verklebte TeppichfuรŸbรถden aus und gerรคt in den Dunstkreis giftiger Dรคmpfe. Sein Nebenbuhler Aikal hilft ihm bei der Arbeit. GroรŸer Hitze und dem Gestank geschmolzenen Klebers schutzlos ausgeliefert, mรถchte Tom Aikal in ein Gesprรคch unter Mรคnnern รผber Aikals Kinderwรผnsche, ein Leben nach dem Tod, sowie die Themen Hunger, wahre Liebe, Leidenschaft und Schmerz verwickeln. Als Antwort droht Aikal Tom heftige Schlรคge an. Tom lรคsst nicht locker und erklรคrt dem schuftenden Aikal, er, Tom, sehne sich nach einem Leben mit klaren Grenzen und Strafen bei deren รœberschreitungen.

Die Mรคdchen proben im Schuppen von Pennys Eltern, den Pennys Vater schalldicht isoliert und mit Stahltรผren ausgestattet hat. Wรคhrend die Mรคdchen drinnen proben, wartet Tom allein vor dem Schuppen, bis die Mรคdchen einen Zuhรถrer brauchen und ihn hereinbitten.

Als die Proben vorbei sind und die Sonne untergeht, beobachtet Tom im Schutze der Dunkelheit seine Angebetete, die drinnen bei Deckenlicht neue Lieder komponiert und Verse dichtet. Als Penny das Haus verlassen mรถchte, fรคhrt auf Nachbars Grundstรผck gleichzeitig ein Auto vor, dessen Scheinwerferlicht Toms Versteck verraten wird, wenn er nicht schleunigst verschwindet. Er rennt nicht lediglich um das Haus, um erneut in der Dunkelheit zu verschwinden, sondern flรผchtet sich gleich in den Schuppen. Dort gibt Penny ihm im mit einem Mikrofon zwei Schlรคge auf dem Kopf und verriegelt von auรŸen die Stahltรผr. Tom sitzt blutverschmiert in der Falle. Als sich die Tรผr wieder รถffnet, steht Penny mit ihrem Freund Aikal vor ihm. Aikal maltrรคtiert Tom mehrmals mit dem Stiehl einer Axt. Tom wehrt sich, woraufhin Penny ruft: โ€žNicht!โ€œ und Tom aufhรถrt sich zu verteidigen, um Pennys Liebe doch noch zu gewinnen. Aikal schlรคgt Tom noch ein paar Mal in den Bauch, ins Gesicht und auf den Rรผcken, bevor er davonlรคuft. Penny bietet Tom zur Wunddesinfektion einen Lappen an, mit dem sie sonst ihr Mikrophon abwischt.

Am nรคchsten Tag droht Ilayda dem lila angeschwollenen Tom, er solle ihren Bruder in Ruhe lassen. Indes hat Penny ihre Beziehung mit Aikal beendet, da sie nicht auf Schlรคgertypen stehe.

Als Gelegenheitsarbeiter auf Zehn-Euro-Basis hat Tom nach drei Wochen genรผgend Geld verdient, um einen VW-Bus zu kaufen, in dem er die Mรคdchen nach Kopenhagen chauffiert. Die Generalprobe findet auf dem Schulhoffest statt. Die Schรผler mรถchten nicht die bevorstehenden Sommerferien, sondern ausschlieรŸlich Penny or Dime feiern. Wichtigtuerisch hupend fรคhrt Tom mit dem VW-Bus durch die Schรผlermenge auf die Bรผhne zu. Daraufhin brechen die Mรคdchen ihren Auftritt sofort ab. Tom begreift, dass dies Ausdruck der neuen Exaltiertheit von Penny or Dime ist.

Als die Mรคdchen ihr Konzert doch noch fortsetzen, taucht plรถtzlich Aikal auf und schleift seine Schwester brutal von der Bรผhne. Lehrer und Schรผler sehen zu. Tom begreift, dass Aikals Verhalten nichts mit dem Islam zu tun hat. Er lรคuft Aikal und Ilayda bis zum Friedhof nach, wo Aikal seine Schwester noch immer an den Haaren hinter sich herzieht. Ilayda ruft Tom zu, er solle verschwinden. Tom begreift, wie รคhnlich er und Aikal sich doch seien. Er murmelt โ€žTschuldigung, wollte euch nicht stรถrenโ€œ, dreht sich um und geht.

Kurz darauf brechen Penny or Dime in Toms VW-Bus nach Kopenhagen auf. Tom sammelt die vier Mรคdchen nacheinander ein, beginnend mit Penny. Penny kรผsst Tom. Als sie verkrustete Reste von Zahnpasta in Toms Mundwinkeln bemerkt, erklรคrt Tom, er benutzte morgens Aronal und abends Elmex und Penny kรผsst ihn nochmal. Sobald Britt zusteigt, verschweigen Penny und Tom ihre Kussszene.

Die Mรคdchen verbieten Tom, vor oder wรคhrend der Autofahrt Alkohol zu trinken, derweil sie selbst sich auf der Rรผckbank die Kante geben, bis Ilayda der deutschen Sprache verlustig wird und anfรคngt, wirr auf Tรผrkisch zu brabbeln. Bis dahin spielen die Mรคdchen aber noch Wahrheit oder Pflicht mit Scherzfragen, die samt und sonders auf Toms Kosten, insbesondere seiner Optik und erotischen Ausstrahlung, gehen. Tom fรผhlt sich gedemรผtigt und fรคhrt stumm leidend bis zur Jugendherberge in Kopenhagen weiter. Auf der Autofรคhre trottet er stumm hinter den Mรคdchen her.

In der Umgebung der Kopenhagener Jugendherberge findet nicht lediglich der Musikwettbewerb, sondern auch eine FuรŸball-WM fรผr Obdachlose statt. So muss Tom, als er den VW-Bus vor der Jungenherberge parkt, feststellen, dass er seine Mรคdels mitten in einen Pulk von Nafris gesteuert hat. Auf dem kurzen Weg zwischen VW-Bus und Jugendherberge posieren die Mรคdchen nach Strich und Faden fรผr die Nafris, halten aber eine Armlรคnge Abstand und erreichen ihre Unterkunft unversehrt. Dort teilt der Rezeptionist mit, dass Penny fรผr Tom kein Zimmer gebucht hat. Ob er der Freund von einem der Mรคdchen sei? Penny verneint umgehend und erklรคrt lachend, Tom sei nur der Fahrer. Daraufhin lacht auch der Rezeptionist Tom aus und erklรคrt, die Jugendherberge sei nur fรผr Bandmitglieder reserviert. Wรคhrend Anna und Britt kichern, Tom kรถnne doch trotzdem bei ihnen im Bett schlafen, und Tom sich deswegen fragt, ob neben Britt auch Anna lesbisch sei, hat Penny ersichtlich keine Lust auf Toms Bettgenossenschaft. Tom fรผhlt sich gedemรผtigt und wirft den Mรคdchen seinen Autoschlรผssel vor die FรผรŸe. Die nehmen den Schlรผssel an sich und verschwinden auf ihr Zimmer.

Tom besucht ein nahegelegenes Schwimmbad, wo er in Unterhose badet und an der Kante eines Fรผnf-Meter-Sprungsturms lange verweilt. Der Blick in die Tiefe und die Erfahrungen der letzten Woche mit den Mรคdchen lassen Tom zu dem Schluss kommen, Frauen seien unergrรผndliche Wesen.

AnschlieรŸend besichtigt Tom die FuรŸball-WM der Obdachlosen. Dort lernt er den illegalen Einwanderer Jalal aus Syrien kennen. Wie jeder Syrer mรถchte Jalal unbedingt in die USA ausreisen, in welches Land auch sonst? Im Laufe des Abends trifft Tom Jalal im linken Szeneviertel Christiania wieder, wo sie sich auf Toms Kosten betrinken. Jalal erzรคhlt grauenhafte Geschichten: รœber die Ermordung seines Vaters, die Ermordung seiner FuรŸballkameraden, von Giftgasangriffen. Tom gibt zu bedenken, er habe auch so seine Erfahrungen, schlieรŸlich sei er im Dezember 2016 wรคhrend des Terroranschlages am Breitscheidplatz in Berlin gewesen und habe am Tag danach den zerstรถrten Weihnachtsmarkt besichtigt.

Tom kann die Nacht nicht in der Jugendherberge verbringen, aber auch nicht im VW-Bus schlafen, denn dessen Schlรผssel haben ja die Mรคdels eingesackt. So nรคchtigt er auf der Bรผhne des fรผr den nรคchsten Tag angesetzten Musikwettbewerbs, bis ihn die Mรผllabfuhr weckt.

Die morgendliche Jungendherberge zeigt die รœberreste einer wilden Partynacht. Penny sitzt allein vor sich hintrรคumend im Foyer und kritzelt neue Verse auf Papierservierten. Davon รผberzeugt, Penny widme ihm die Verse, setzt Tom sich neben Penny. Seine Chance witternd, erรถffnet Tom das Gesprรคch mit der Frage, ob Penny jemals mit Aikal geschlafen habe. Die raue Mรคnnerhand eines Angelsachsen legt sich auf Pennys Schulter und fordert sie zum gemeinsamen Frรผhstรผck auf. Penny steht sofort auf und lรคsst Tom allein zurรผck, der sich in Gedanken ausmalt, was Penny und der Angelsachse letzte Nacht miteinander getrieben haben.

Nachdem Tom sich am Vortag noch geschworenen hatte, die Mรคdchen niemals auf deren Zimmer zu besuchen, geht er jetzt in den siebten Stock und klopft an die Zimmertรผr. Das ist der Moment, in dem Tom erkennt, dass er ein Loser ist.

Die Mรคdchen brezeln sich gerade fรผr den heutigen Wettbewerb auf, allerdings hat sich Britt in der letzten Nacht im linken Szeneviertel Christiania spontan ein Zungenpiercing stechen lassen, was ihre Aussprache im Allgemeinen und ihre Gesangskรผnste im Besonderen eintrรผbt. Britt zieht sich demonstrativ vor Toms Augen aus und Ilayda wirft sich in einen Anzug, wie Catwoman ihn trรคgt. So fรผr den groรŸen Aufritt zurecht gemacht entscheiden die Mรคdchen, doch noch einmal in das Schwimmbad nebenan zu gehen, wรคhrend Tom allein zurรผckbleibt und von Beinen und Busen trรคumt. Als Einzige kehrt Britt vorzeitig zurรผck, lediglich mit einem Badeanzug bekleidet. Sie schlรคft mit Tom, nachdem Tom sich eines von Britts mitgebrachten Kondomen รผbergestreift und Britt verwundert gefragt hat, warum sie denn keine Lesbe sei. Wรคhrend des Liebesaktes denkt Tom nur an Penny.

Als die รผbrigen Mรคdchen wieder dazustoรŸen, wollen Britt und Tom ihren Sex zunรคchst verschweigen. Doch da springt plรถtzlich der Syrer Jalal aus dem Schrank, der sich dort รผber Stunden unentdeckt versteckt gehalten und alles โ€“ vom Duschen und Umkleiden der Mรคdchen bis zum Sex zwischen Brit und Tom โ€“ reglos beobachtet hat. Jalal muss sich vor der Polizei verstecken, die nun, nach Beendigung der Obdachlosen-WM, Auslรคnder jage, um sie nach Syrien abzuschieben. Anna gibt zu bedenken, dies diene mรถglicherweise dem Vollzug der Gesetze des dรคnischen Rechtsstaates, woraufhin insbesondere Ilayda die Existenz der Band in Frage stellt, da sie eine reaktionรคre Politik nicht unterstรผtzen wolle. Eine Abstimmung unter den Mรคdchen ergibt einen klaren Schutzauftrag fรผr den schutzsuchenden Jalal, der sich weiterhin auf dem Jugendherbergszimmer vor den Schergen der Abschiebeindustrie verstecken darf. Tom mรถchte mitabstimmen, doch Penny gibt zu verstehen, dass er kein Stimmrecht habe.

Ungeschminkt und schlecht frisiert gehen die Mรคdchen zum Musikwettbewerb. Ihr Auftritt gerรคt zum Triumphzug. Als das euphorisierte Publikum eine Zugabe verlangt, kehrt Penny allein auf die Bรผhne zurรผck und singt ein Solo-Stรคndchen, das sie vorher ausdrรผcklich Tom widmet. Sie hoffe, er befinde sich im Publikum und hรถre ihr zu, denn sie kรถnne nur so ihren Gefรผhlen Ausdruck verleihen, da sie nicht wisse, wie sie Tom sonst erklรคren kรถnne, dass sie ihn auf ihre Weise doch sehr liebe. SchlieรŸlich steht am nรคchsten Tag die Heimreise an und irgendwer muss die Mรคdels ja noch chauffieren. Abermals gerรคt das Publikum in Ektase und Tom mรถchte nach der Solo-Zugabe hinter die Bรผhne zu Penny durchdringen. Da taucht Jalal auf und bittet abermals um Hilfe. Die Polizei durchsuche jetzt auch die Jugendherberge nach illegalen Einwanderern. Tom begreift, wie privilegiert er ist und fรผhlt sich schuldig. Doch die Garderobe der Mรคdchen erweist sich als Falle. Die haben gerade erst die Polizei gerufen, da zwischenzeitlich Aikal wieder mal aus dem Nichts aufgetaucht und Ilayda mitgenommen hat. Die Furcht vor einem Ehrenmord unter Tรผrken steht im Raum. Nur noch wenige Minuten trennen Jalal jetzt von der Abschiebung, von Folter und Mord in Syrien. Spontan bietet Penny an, Jalal zu heiraten. Da die Zeit drรผckt, Penny noch minderjรคhrig ist und Tom von sich aus nicht anbieten mรถchte, eine Homo-Ehe nach dรคnischem Recht mit Jalal einzugehen, verkleiden die vier Mรคdchen Jalal als Frau, um ihn auf eine Fรคhre nach Schweden zu schmuggeln.

Tom findet, Jalal sehe von hinten sexy aus. Von vorn betrachtet ist Jalal flachbrรผstig, hat einen Flaumbart, beharrte Schienenbeinen und drahtige Oberarme. Um ein schwules Polizistenpรคrchen auszutricksen, reichtโ€™s. Praktischerweise scheint auch Ilayda nur von hinten hรผbsch, flachbrรผstig, flaumbรคrtig und an den Beinen beharrt zu sein, den Tom erkennt รคuรŸere Parallelen und gibt Jalal Ilaydas Personalausweis, den Ilayda in der Garderobe vor ihrem Verschwinden zurรผckgelassen hatte. So kann Jalal auf eine Fรคhre nach Schweden entkommen, wรคhrend die dรคnischen Polizisten vor der Jugendherberge schon erste Auslรคnder an die Wand stellen.

Die flaumbรคrtige Ilayda wurde dann doch nicht entfรผhrt, sie ist einfach nur mit ihrem Bruder Bier trinken gegangen. Aikal war den Mรคdchen nach Kopenhagen gefolgt, um seine Ex-Freundin Penny wiederzusehen. Tom begreift, dass er Aikal zu Unrecht fรผr einen Klischeetรผrken mit รผberkommenem Ehrbegriff gehalten hat. Und fรผhlt sich schuldig. Zudem zieht Tom aus Pennys Verhalten in den letzten Tagen den Schluss, die beiden hรคtten eine feste Beziehung und Penny habe Aikal nie aus freien Stรผcken, sondern infolge von Toms Verfรผhrungskรผnsten verlassen. Jedenfalls nimmt Tom fรผr sich in Anspruch, er habe Aikal Penny ausgespannt. Und fรผhlt sich schuldig. Bald aber zieht Penny mit Aikal erneut von dannen und Tom fรคhrt den Rest der Band in seinem VW-Bus zurรผck in die Kaffee-und-Kuchen-Stadt, wo sie zur Kaffee-und-Kuchen-Zeit eintreffen.

Alle Bandmitglieder sind froh, sich die nรคchsten fรผnf Wochen bis zum Schulbeginn nicht mehr sehen zu mรผssen. Auf die etwas ungepflegte Britt hat Tom keine Lust mehr, stattdessens steht die flaumbรคrtige Ilayda eines Tages vorderseitig in seiner Tรผr und dankt Tom fรผr dessen Fluchthilfe. Ihr Reisepass sei in einem New Yorker Mรผlleimer gefunden worden. Biometrische Daten scheinen US-Grenzer nicht mehr zu interessieren. Jalal hat es geschafft!

Stil:

Selbst Deutschlehrer, die Habeck wรคhlen, also alle, mรผssten bei der Korrektur dieses Buch mehr als einen Rotstift aufbrauchen, wenn Habeck ihnen โ€žSommergigโ€œ zum Thema: โ€žMein schรถnstes Ferienerlebnisโ€œ vorlegte.

So langatmig und umstรคndlich die oben zusammengefasste Handlung auch anmutet, Habeck erzรคhlt sie auf weniger als 200 Seiten netto. Dieser scheinbare Widerspruch erklรคrt sich mit Habecks kleinem Wortschatz und seiner daraus erwachsenen Unfรคhigkeit zur erzรคhlerischen Prรคzision.

In โ€žSommergigโ€œ ergibt sich fรผr den Leser nichts schlรผssig aus dem Handeln, Dulden oder Unterlassen seiner Figuren, alles muss Tom dem Leser ausdrรผcklich erklรคren, noch einmal zusammenfassen oder durch innere Monologe erรถrtern. Leider stehen Tom unzรคhlige Ansprachen und innere Monologe abstrakt im Raum, bleiben Behauptungen ohne Belege und finden in der Beschreibung von Figuren, Orten und Aktionen keine Konkretisierung, falls doch, nur floskelhaft.

Habecks sprachliche Unbeholfenheit, zumal fรผr einen Formalakademiker mit abgeschlossener Promotion, zieht sich durch das gesamte Buch, von den Details bis in die Grundzรผge.

Die Wahl seiner Stilmittel misslingt zuverlรคssig. Besonders gern verwendet Habeck Metaphern, Vergleiche und Personifikationen. Beispielsweise diesen:

โ€žAm Fenster vom Kursraum klebten Regentropfen wie Diamanten. Trรคnen, die die Sonne jetzt wegleckte.โ€œ (S. 8)

Oder:

โ€žSchon bevor die Sonne richtig aufging, war der Himmel รผber der Autobahn blau. Feine, weiรŸe Wรถlkchen zerstรถrten seine Makellosigkeit. Er sah aus wie ein frisch gefliestes Badezimmer.โ€œ (S. 28)

Oder:

โ€žDer Schmerz in meiner verbrรผhten Speiserรถhre schoss mir bis ins Hirn und lieรŸ Britts nackten Kรถrper platzen.โ€œ (S. 143).

Im รœbrigen ist der Leser erstraunt, wer oder was alles Purzelbรคume schlagen kann, von den Augen von Toms Vater (S. 52) bis zu den Hormonen der Mรคdchen im Angesicht der balzenden Nafris (S. 96).

Natรผrlich lieรŸe sich einwenden, das Buch sei doch aus der Perspektive eines mutmaรŸlich achtzehnjรคhrigen Ich-Erzรคhlers geschrieben und Habecks Mangel an Ausdrucksvermรถgen auf realistische Figurensprache zurรผckzufรผhren. Schon mรถglich. Allerdings mรผssteTom, der sich selbst โ€žbildungsbรผrgerliche Reflexeโ€œ (S. 106) attestiert, als Diplomatensohn von Hause aus mehr sprachliches Potential haben.

Wobei, stammt Tom รผberhaupt aus einem Diplomatenhaushalt? Tom beschreibt seinen Vater bloรŸ als โ€žso eine Art Diplomatโ€œ (S. 16) oder โ€žso etwas wie ein Diplomatโ€œ (S. 50). Insofern ein ร„quivalent zu Pennys Vater, der in Habecks Sprache ein โ€žJournalist oder soโ€œ (S. 39) und vor allem โ€žcool war und ihr (Penny, Anm. Redaktion) einen Proberaum baute und soโ€œ (S. 183). Dagegen ist Toms Vater bloรŸ โ€žganz okayโ€œ (S. 51) und โ€žes ist nicht so, dass ich (Tom, Anm. Redaktion) zu wenig Liebe bekommen hรคtte oder so wasโ€œ (S. 52).

Tom betont oft seine weltlรคufige Vergangenheit, die vielen Jahre in Buenos Aires und vor allem New York. Betonte er sie nicht, kรคme der Leser von sich aus nie auf die Idee, Tom kรถnnte ein Mann von Welt sein. Er beherrscht die englische Sprache nicht besser als die vier Mรคdchen, welche auf ihr Schulenglisch zurรผckgreifen. Selbst Jalals Englischkenntnisse unterscheiden sich nicht von denen Toms. Tom kann keine Anekdoten, Schwanks oder Erinnerungen aus Buenos Aires oder New York zum Besten geben, nie erwรคhnt er scheinbar beilรคufige Details in Handlung, Wortwahl oder Weltanschauung, die den Weitbereisten von den alteingesessenen Kaffee-und-Kuchen-Stรคdtern unterscheiden. Immer, wenn Tom ansatzweise auf seine New Yorker Jahre zu sprechen kommt, lรคsst Habeck nach ein paar floskelhaften Andeutungen das Thema wechseln:

โ€žNew York ist cool. Mehr muss ich vielleicht nicht sagen, sonst wird das hier ein Reisefรผhrer. Und davon gibt es bestimmt schon eine Wagenladung voll. Obwohl ich vielleicht noch ein paar Geschichten beisteuern kรถnnte. Geschichten, die in keinem Reisefรผhrer stehen.โ€œ (S. 16).

Vielleicht, weil Habeck noch nicht einmal den Reisefรผhrer gelesen hat? Und falls doch, Habeck den Reisefรผhrer oder sogar die eigenen Eindrรผcke vor Ort nicht in eigenen Worten wiedergeben kรถnnte? Aber um die flaumbรคrtige Ilayda aus Anatolien zu beeindrucken reichtโ€˜s:

โ€žโ€šOhโ€˜, sagte ich, โ€šIn New York war ich schon lange nicht mehr. Ich kenne da aber ein paar echt coole Geschichten.โ€˜โ€œ (S. 201).

Ein Glรผck, dass Ilayda nicht nachhakt, sondern nur wissen will, wie ihr Reisepass nach New York gekommen ist. Tom kann das nicht wissen, denn er hat Jalal damals in Kopenhagen nur ihren Personalausweis, nicht den Reisepass, zugesteckt. Mรถglicherweise fรคllt ihm deshalb im Zusammenhang mit Jalal und der Stadt New York nur der Slogan: โ€žIf you can make it there โ€ฆโ€œ (S. 201) ein. Auch so ein Satz, den erfahrene New Yorker, von Klischees รผber die Stadt befreit, wahrscheinlich stรคndig von sich geben.

In Kopenhagen glaubt Tom,

โ€ž(โ€ฆ) dass ich, New York-erfahren wie ich war, Polizisten hundert Meter gegen den Wind erkenn wรผrde. Ich hatte mich getรคuscht.โ€œ (S. 180)

Zur Strafe muss Tom den als Mรคdchen verkleideten Jalal kรผssen, um dem schwulen Polizistenpรคrchen ein heterosexuelles Liebepaar vorzuspielen. Aber wie genau konnten die Mรคdchen Jalal ad hoc als Mรคdchen verkleiden? Na so natรผrlich:

โ€žIn Windeseile, als hรคtten sie nur darauf gewartet, bauten die Mรคdchen aus Jala ein anders Mรคdchen. Mit schwarzen Haaren und drahtigen Oberarmen. Irgendwie kam er mir bekannt vor.โ€œ (S. 180).

Immerhin gibt Kopenhagen Tom โ€žirgendwie das Gefรผhl in New York zu seinโ€œ (S.93). Anlass ist โ€žein Typ mit Baseball-Mรผtzeโ€œ (S.93), der einer alten Dame die Handtasche stiehlt. Hey Tom, Du erzรคhlst gerade von StraรŸenkriminalitรคt. Vergiss bitte nicht, dass Du auch ein paar Jahre in Buenos Aires gelebt hast!

Habeck hat frรผher als รœbersetzer der dรคnischen Sprache gearbeitet, vor diesem Hintergrund lassen sich weder ehrliches Interesse noch vertiefte Kenntnisse รผber Dรคnemark absprechen. Sprachlich beschreiben kann er die dรคnische Hauptstadt und seine Bรผrger gleichwohl nicht. Mehrspurige Autobahnen, den Tivoli und das linke Szeneviertel Christiania namentlich zu erwรคhnen, ersetzen keine Schilderung Kopenhagens, aber Habeck begnรผgt sich genau damit. Schon die Einweiserin auf der Autofรคhre sieht bloรŸ โ€žverdammt dรคnischโ€œ (S. 56) aus, was genau Habeck damit meint, bleibt den Klischees im Kopfe des Lesers รผberlassen. Der dรคnischen Flagge zollt Habeck folgenden Respekt:

โ€žDie dรคnische Flagge war wie ein blutiges Quadrat in den Himmel gemalt.โ€œ (S. 56)

Gerechterweise sei hier erwรคhnt, wie Habeck sein Heimatland, Schleswig-Holstein, beschreibt:

โ€žHinter Hamburg gab es mehr Wiesen als Felder. Bussarde saรŸen auf den Julen an der Fahrbahn, wenn sie nicht das Aas vom Seitenstreifen pickten.โ€œ (S. 38)

Am schnellsten stรถรŸt Habeck an seine sprachlichen Grenzen, wenn er Toms Verhรคltnis zu den Mรคdchen, ihr Verhรคltnis zu ihm, untereinander und vor allem ihre Musik in Worte fassen muss. In Habecks Sprache ist eine Mรคdchenband โ€žeine coole Sacheโ€œ (S. 8) und in Toms Selbstwahrnehmung gibt es โ€žeine Art erotischer Aufladung zwischen unsโ€œ, allerdings โ€žohne es genau an etwas festmachen zu kรถnnen.โ€œ (S. 28).

So wie Kopenhagen ihm โ€žirgendwieโ€œ das Gefรผhl gibt, in New York zu sein, spielen die Mรคdchen nicht fรผr Tom, aber โ€žirgendwie spielten sie mit mir.โ€œ (S. 29).

โ€žIrgendwieโ€œ ist eines von Habecks Lieblingsfรผllwรถrtern, wenn er sich vor konkreten Sachverhaltsdarstellungen und scharfen Charakterzeichnungen drรผckt. Als Tom auf eine wackelige Leiter klettert, will er weiter hinauf, โ€žaber irgendwie ging es nicht. Irgendwie wollte sich mein FuรŸ nicht mehr bewegen.โ€œ (S. 35). Schleift Aikal seine Schwester an dem Haaren zum Friedhof, sind Lehrer und Schรผler โ€žirgendwie (โ€ฆ) alle fassungslosโ€œ (S. 88), obwohl doch โ€ždieser Autoritรคts-Quatsch (โ€ฆ) irgendwie was Deutsches (S. 8)โ€œ ist. Aikals Sex mit der geliebten Penny stรถrt Tom ausdrรผcklich nicht, denn โ€žes war anders als eine blรถde Liebesgeschichte, irgendwie war es komplizierterโ€œ (S. 61). Und โ€žirgendwie war es genau richtig, wie mich jetzt Britt anmachteโ€œ (S. 145).

Wie die zum Teil sehr unterschiedlichen Mรคdchen sich zu einer Band zusammengefunden haben, bleibt ungewiss. Ihre Freundschaft wirkt kรผnstlich, die Band am ReiรŸbrett zusammengewรผrfelt, um Vielfalt zu suggerieren. Insbesondere Anna, jenes Mรคdchen, โ€ždas nur mit einem Brieffreund Verkehr hatโ€œ (S. 87), passt nicht zu den anderen. Als Erklรคrung gibt es einfach diese โ€žundefinierbare Sehnsuchtโ€œ (S. 57). Ilayda ist keine glaubhafte Einwanderin, sondern ein Abklatsch auf Annette und Annika Allmann, der Habeck aus Quotengrรผnden einen Migrationshintergrund andichtet. Grรผnde fรผr ihre Brachial-Assimilation erfahren wir nicht. Ilayda hรคngt sich ein paar Poster von anatolischen Landschaften an die Wand, ansonsten fรคllt Habecks nichts ein, um Ilaydas Herkunft konkret darzustellen.

Gleichwohl ist Penny or Dime beim Publikumoffensichtlich beliebt, zum Beispiel auf dem Schulfest:

โ€žAn diesem Abend wurden sie von einer Schรผlerinnen โ€“ zu einer Rockband โ€“ mit allem, was dazu gehรถrt.โ€œ (S. 87).

Und was genau gehรถrt alles zu einer Rockband?

โ€žAnna schรผttelte den Kopf, ihre Haare flogen auseinander und dann machte sie Headbanging und spielte ein Solo, das direkt aus der Hรถlle zu kommen schien.โ€œ (S. 87)

Und wie genau klingt ein Solo direkt aus der Hรถlle?

โ€žSie hatte Sex mit dem Schlagzeug.โ€œ (S. 88)

Das mรผssen wir nicht vertiefen. Wer aber zur Sexszene zwischen Britt und Tom auf S. 150 blรคttert, findet ein schรถnes ein Beispiel fรผr die vielen โ€žAlso โ€ฆ und dann โ€ฆund dann โ€ฆ und dann โ€ฆ und dannโ€œ-Sรคtze in diesem Buch.

Die Musik der Mรคdchen gibt Tom viel, wenn auch nicht die Gabe, seine Liebe zur Musik der Mรคdchen in Worte zu fassen.

โ€žIch konnte nicht genau fassen, dass diese halbe Stunde real gewesen war. Vielleicht ist es immer so, dass das, worauf man lange gewartet hat und das, was vorher eine groรŸe Bedeutung hatte, nicht wirklich fassbar ist, wenn es dann passiert. (โ€ฆ) Es schien mir, als hรคtte ich etwas Sensationelles erlebt. Nicht, weil es musikalisch bestechend gewesen wรคre, sondern weil ich etwas erlebt hatte, das die ganze Zeit da und uns allen nicht klar gewesen war: mein Leben. Unser Leben. Zerrissen, widersprรผchlich, ohne Ideale, voller Schmerzen, die wir uns zufรผgten โ€“ aber unser Leben genau deshalb.โ€œ (S. 169).

Folgerichtig will Tom Teil der Band werden:

โ€žNicht bloรŸ als der Typ, der Bier holt (und es selbst trinkt), sondern als Teil der Gruppe. Und da ich kein Instrument spielte, musste ich es irgendwie anders machen.โ€œ (S. 62)

Ob die Mรคdchen daran ein Interesse hegen?

โ€žIch sagte: โ€šNรถโ€˜ und legte die FรผรŸe auf den Tisch vor mir und war gespannt, was jetzt passieren wรผrde. Entweder wรผrde sie (Penny, Anm. Redaktion) mich schlagen, oder sie wรผrde gehen. Ich hรคtte Ersteres vorgezogen. Aber sie tat nichts von beidem, sie wandte sich um, klimperte ein wenig auf dem Klavier und dann sagen die vier noch einmal Halleluja. Und ich klatschte wieder, denn es war wirklich groรŸartig, vierstimmig und so. Und dieses Mal regte Penny sich nicht mehr auf, sondern ignorierte mich einfach. Alle vier ignorierten mich, jedenfalls รคuรŸerlich. Ich meinte aber zu spรผren, dass sie anders sangen. Irgendwie intensiver.โ€œ (S. 20).

Woraus in Toms Selbstwahrnehmung folgt:

โ€žUnd als sie fertig waren und ich wieder klatschte, gehรถrte ich auf eine unklare Art irgendwie dazu.โ€œ (S. 21)

Fazit:

Faszinierend, wie ein deutsches Beta-Mรคnnchen mit Stockholm-Syndrom auf Kopenhagen-Fahrt vom Anywhere zum Somewhere schrumpft.

ABOS

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