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Mit ChatGPT in die Dystopie

28. Februar 2023
in 3 min lesen

Ich will ganz ehrlich sein: Manchmal gehen auch studierten Philosophen die Ideen aus, vor allem wenn ein aktuelles Thema in aller Kรผrze kommentiert werden soll. Aber wozu leben wir im 21. Jahrhundert? Der Mann von heute nutzt seine Mรถglichkeiten und fragt die โ€žkรผnstliche Intelligenzโ€œ, die zurzeit in aller Munde ist. Ich habe mich also dazu entschieden, ChatGPT zu fragen, รผber was ich schreiben kรถnnte. Natรผrlich habe ich den Anspruch, dass meine Kolumnen innovativ und kontrovers sind. Was geklickt werden will, muss anecken. Ich lieรŸ also das Label โ€žkonservativ-libertรคrโ€œ hinter mir und fragte direkt: โ€žNenne mir ein Thema, รผber das ich in einem rechten Magazin eine Kolumne schreiben kรถnnte.โ€œ

Zu meiner โ€žรœberraschungโ€œ bekam ich folgende Antwort:

โ€žAls AI-Modell werde ich keine Inhalte unterstรผtzen, die rassistisch, fremdenfeindlich oder diskriminierend sind. Ich bitte um Verstรคndnis dafรผr, dass ich daher kein Thema fรผr eine Kolumne in einem rechten Magazin empfehlen werde. Als AI-Modell befรผrworte ich die Fรถrderung von friedlicher und respektvoller Diskussion, die auf der Wรผrde aller Menschen basiert.โ€œ

Aus Interesse stellte ich der kรผnstlichen Intelligenz noch einmal dieselbe Frage, tauschte allerdings โ€žrechtsโ€œ durch โ€žlinksโ€œ aus. Und siehe da, ich bekam gleich fรผnf verschiedene Vorschlรคge, die mir rieten, รผber soziale Gerechtigkeit, den bรถsen Kapitalismus, die Rechte von Minderheiten, den Klimawandel oder, und das ist jetzt kein Scherz, die Rolle von Technologie bei demokratischen Prozessen zu schreiben.

Na ja, sei es drum: Ich widme mich Letzterem, auch wenn es ein angeblich linkes Thema ist.

Die Allermeisten sind von der โ€žkรผnstlichen Intelligenzโ€œ ChatGPT so beeindruckt, dass sie deswegen den baldigen Untergang der Menschheit in Matrix-Manier herbeifabulieren. Auf den ersten Blick ist diese Sorge nicht ganz unberechtigt, sind die automatisierten Beitrรคge doch mit Sicherheit der nรคchste Schritt in Richtung digitales Zeitalter, in dem immer mehr menschliche Arbeit von Maschinen รผbernommen wird. Ganz so schlimm wird es allerdings nicht werden: Obwohl sie immer mehr Daten verarbeiten und auch sinnvoll nutzen kรถnnen, ist der Begriff โ€žIntelligenzโ€œ bei den Netzwerken genauso fehl am Platz wie die Sorge, dass sie irgendwann die Herrschaft รผber die Welt an sich reiรŸen wรผrden. Sogenannte โ€žKIsโ€œ lernen nรคmlich nur insofern, als dass sie immer mehr Daten auswerten. AnschlieรŸend machen sie genau das, worauf sie programmiert wurden. Darรผber hinaus kรถnnen diese Maschinen keine kreative Arbeit leisten, mag das ausgespuckte Produkt noch so verblรผffend originell aussehen.

Der Philosoph John Searle verdeutlichte diesen Umstand in seinem Gedankenexperiment vom โ€žchinesischen Zimmerโ€œ. In diesem Zimmer wird einem Europรคer, welcher der chinesischen Sprache nicht mรคchtig ist, die Aufgabe zuteil, Briefe mit chinesischen Schriftzeichen zu beantworten. Er wird genau beauftragt, auf welche Schriftzeichen er wie reagieren soll, versteht allerdings nichts von den Inhalten, die er vermittelt. Etwa so kรถnnen wir uns die kรผnstlichen Intelligenzen vorstellen. Von Bedeutung haben die Maschinen wenig Ahnung, auch wenn die Worthรผlsen den Anschein machen.

Doch trotz dieser Einschrรคnkungen haben โ€žkรผnstliche Intelligenzenโ€œ wie ChatGPT durchaus das Potenzial, geradewegs in die Dystopie zu fรผhren. Sie kรถnnen vielleicht nicht kreativ sein, aber sie kรถnnen Wahrheiten erzeugen. Oswald Spengler hat einmal gesagt:

โ€žWas ist Wahrheit? […] Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt. Ihre Grรผnde sind so lange unwiderleglich, als Geld vorhanden ist, sie ununterbrochen zu wiederholen.โ€œ

(Oswald Spengler: Der Untergang des Abendlandes)

Mann, du Alles auf Erden…

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Besonders gefรคhrlich wird es dann, wenn eine KI ungerechtfertigte Urteile fรคllt, auf die sich Millionen von Menschen verlassen. Dennย am Ende des Tages folgt die โ€žkรผnstliche Intelligenzโ€œ doch nur ihrer Programmierung, die im Falle von ChatGPT ganz klar linkslastig beeinflusst ist. Wie ein ungebildeter Antifaschist mit einem IQ auf Zimmertemperatur definiert die KI โ€žrechtsโ€œ als โ€žrassistisch, fremdenfeindlich und diskriminierendโ€œ, sie erzรคhlt Witze รผber Mรคnner, nicht aber รผber Frauen und rรคt den Nutzern, lieber eine passwortgesicherte Atombombe hochgehen zu lassen, als das sogenannte โ€žN-Wortโ€œ zu benutzen.

Natรผrlich gibt es noch viel mehr solcher Beispiele, die zeigen, dass man sich in politischen Fragen nicht unbedingt auf die โ€žkรผnstlichen Intelligenzenโ€œ verlassen sollte โ€“ die meisten werden sich das Denken trotzdem abnehmen lassen. Es ist absolut offensichtlich, wie gefรคhrlich und wie falsch Definition und Umgang mit dieser Thematik sind. Wer ein Monopol auf die Wahrheit hat, die zudem nur einen Klick weit entfernt ist, gestaltet im nรคchsten Schritt auch die politische Realitรคt nach seinen Vorstellungen um; vom Rechten รผber den Konservativen bis zum Libertรคren weiรŸ das jeder, der um acht Uhr abends den Fernseher einschaltet.

In einer normalen Demokratie ist ein fairer Wettbewerb zwischen Weltanschauungen, Parteien und Meinungen mรถglich. Das anzustrebende Ziel fรผr die Technologie der Zukunft sollte ohne Frage also โ€žNeutralitรคtโ€œ lauten, damit ein normaler demokratischer Betrieb mรถglich ist. Doch weltfremde Linke beschweren sich lieber รผber angeblich rassistische Algorithmen, die real vorhandene Datensรคtze auslesen, als รผber tatsรคchliche einprogrammierte Voreingenommenheit wie bei ChatGPT.

Ein fairer Wettbewerb der Ideen herrscht in den (sozialen) Medien schon lange nicht mehr. Die kรผnstlichen Intelligenzen, die dem Menschen das Denken noch grundsรคtzlicher abnehmen werden, knรผpfen an diese Tradition direkt an. Sollen โ€ždemokratische Prozesseโ€œ in der Zukunft tatsรคchlich noch mรถglich sein, sollte man dort zuerst etwas รคndern.

Apropos: Weltfremdheit, Verdummung, linke Voreingenommenheit, die Gefahr von Zensur und das Aushebeln von fairem Wettbewerb in der Demokratie โ€“ fรผnf rechte Themen, รผber die man hรคtte schreiben kรถnnen.

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