Oswald Spengler schreibt in seinem Hauptwerk โDer Untergang des Abendlandesโ darรผber, dass man die Welt auf zwei verschiedene Arten wahrnehmen kann: physiognomisch oder systematisch. Entweder man lรคsst die Welt einfach intuitiv auf sich wirken, oder aber man betrachtet sie aus einer logischen Perspektive kausal und mechanisch.
Und um das gleich vorweg zu sagen โ nein, ich glaube nicht an pseudowissenschaftliche oder esoterische Mustererkennung oder รhnliches. Doch natรผrlich wollen sich die Mitglieder einer Gruppe untereinander finden und entwickeln so gewisse Formen der Wiedererkennung, um sich vom Rest der Gesellschaft abgrenzen zu kรถnnen. Deshalb erschlieรen sie neue Verhaltensweisen, Redensarten und eine eigene Mode fรผr ihre Szene. Die jeweiligen Anhรคnger lassen sich anschlieรend nach einer intuitiven Analyse anhand der jeweiligen Merkmale ohne Probleme kategorisieren.
Der ehrenwerte Kollege Finkelstein hat in einem Video sogar festgestellt, dass im Zuge der โRaykifizierungโ und der โElmoisierungโ nicht nur die Gruppenidentitรคt einen Einfluss auf das Aussehen einer Person hat, sondern sich vor allem das Gedankengut einer Gruppe direkt auf dieses Aussehen auswirkt.
Es entstehen Klischees; zahlreiche Memes spiegeln die als typisch empfundenen Stereotype aus Meinungen und Aussehen wider, vom klassischen โTrollfaceโ รผber den grillenden Boomer, den rauchenden Doomer, die fesche Tradwife und den โNordic Gamer Chadโ bis zum mit der Welle mitschwimmenden NPC.
Das funktioniert auch im echten Leben. Man kann anhand der Arbeitskleidung leicht auf den Beruf einer Person schlieรen, und genau wie man links-grรผne Mรถchtegernhippies oder vielgeschlechtliche Studentinnen am sogenannten โProblemponyโ erkennt, weiร man auch instinktiv aufgrund der Second-Hand-Kleidung, der ungewaschenen Haare und der leicht weinerlichen Stimme, ob ein jeweiliges Gegenรผber die rassistische Polizeigewalt als das grรถรte Problem in Deutschland sieht.

Die Herrschaft des Volkes
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Worauf ich hinauswill: Hinter all dem steckt ein System. Spรคtestens seit meinen Kolumnen รผber linke Denker ist mir das Phรคnomen linker oder poststruktureller Physiognomie bewusst geworden; man kann es den Menschen mit einer enorm hohen Trefferquote ansehen. Egal ob Hobsbawm, Foucault, Jean-Paul Sartre oder sogar das Gegenรผber an der Uni oder im Nachtlokal: Nach einem ungezwungenen Gesprรคch konnte ich den jeweiligen Personen entlocken, wie sie zu der jeweiligen Meinung oder Partei standen, die ich ihnen zugeordnet hรคtte. Was ich gelernt habe: Physiognomie, Kleidung, Erscheinungsbild, Frisuren, Mode und Co. lรผgen in den wenigsten Fรคllen!
Wer aber dennoch einen Beweis braucht, dem sei eins der offensichtlichsten Beispiele nahegelegt: Sarah Bosetti, ehemals Blinddarm-Expertin zu Corona-Zeiten, hat neulich mal wieder etwas vom Stapel gelassen. Wรถrtlich sagte sie:
โWas ist wichtiger: das รberleben der Demokratie oder das รberleben der Menschheit? Wรคre eine Klimadiktatur gerechtfertigt, wenn sie die Menschheit retten wรผrde?โ
Um fair zu sein: Natรผrlich relativierte sie diese Aussage am Ende ihres Videos wieder und bezeichnete die Demokratie als einzige moralisch รผberlegene Methode, รผber den Klimawandel Herr zu werden. Aber der Rahmen des Sag- und Denkbaren wurde mal wieder Richtung Klimadiktatur gerรผckt, da รถffentlich รผber deren Vor- und Nachteile sinniert wurde. Erschreckend ist aber nicht nur die Aussage der durch Zwangsgebรผhren finanzierten Frau, sondern auch ihr starrer, kalter und รผberheblicher Blick, gefรผhlt ohne ein einzelnes Blinzeln, die kรผhle und gelassene, rechthaberische und herablassende Stimme, die vรถllige Emotionslosigkeit und fast schon arrogante Mimik, die nach: โOh, ich habe dich eben angefahren? Na, dann zieh dir doch das nรคchste Mal einen Helm an, wenn du das Haus verlรคsstโ schreit. Bosettis Radikalitรคt und ihre optische Wirkung korrelieren stark!
Auรerdem passen ihre Art und ihre Aussagen wie die Faust aufs Auge des Gebรผhrenzahlers, dem fรผr seine Demokratieabgabe die Diktatur schmackhaft gemacht wird. Ihr Wesen kombiniert mit den antidemokratischen รberlegungen, Ungeimpfte als Blinddarm der Gesellschaft, Klima, Sexismus, bรถse weiรe Mรคnner und so weiter. Zufall? Daran glaube ich nicht mehr. Schlieรlich gibt es noch viel mehr Beispiele: die Meinungen Moritz Neumeiers und sein Auftreten als femininer Salonkommunist, der stiefgroรvรคterlich-allwissende Harald Lesch und die ihn umgebende Dunstwolke des wissenschaftlich als gut empfundenen Gendersterns, und, und, undโฆ Fallen Euch weitere ein? Ich bin gespannt!
