Es war vor wenigen Wochen ausgerechnet einer dieser „Asisender“, der zeigte, wie man als Medienunternehmen mit Lรผgnern und Betrรผgern in den eigenen Reihen umgeht: RTL trennte sich frist- und schmerzlos von Maurice Gajda, nach dem dieser einen gefรคlschten Twitter-Beitrag der ehemaligen AfD-Chefin Frauke Petry in der Sendung „Explosiv Weekend“ prรคsentierte. Gajda ist einer von vielen, vielen Journalisten, die dem verfemten Begriff Lรผgenpresse – geadelt zum Unwort des Jahres 2014 – seine Daseinsberechtigung geben.
Bevor unser Staat dazu ansetzte seinen Untertanen jedes wohlbegrรผndete Ressentiment und jede gesunde Skepsis abzuerziehen, war der Journalismus im ganz Allgemeinen eine verruchte Zunft, nicht einmal Journalisten hรคtten das bestritten. Das Vorurteil gegen sie ist wohlbegrรผndet, der sich daraus ableitende Abstand zum Gelesenen, Gehรถrten und Gesehenen unterscheidet den mรผndigen Bรผrger von der unmรผndigen Arbeiter- und Konsumdrohne.
Wie bereits erwรคhnt, die Sache mit Gajda ist abgehakt. Man verliert kein Wort mehr darรผber. Grund dafรผr ist die enorm hohe Dichte medial produzierter Skandale, die in diesem Sommer auf Ottonormalmichel einprasseln: Da ist etwa die Causa Lindemann, die Affรคre Aiwanger und eben – brennend heiร! – der Fall Bรถhmermann/Schรถnbohm/Faeser.
All diese drei Fรคlle haben im Kern eines gemeinsam: Medienmenschen verbreiten Behauptungen, die im besten Falle nicht gedeckt, im schlimmsten Falle glatt erlogen sind. Diese Behauptungen richten sich gezielt gegen eine Person mit hohem gesellschaftlichen oder funktionellem Status. Dieser Person wird nicht einfach irgendetwas unterstellt, nein: Sie wird als Zielobjekt markiert und dann mit einem politisierten Problemfeld in Verbindung gebracht, an dem sich dann eine regelrechte Industrie aus Sozialingenieuren, Pseudoexperten und (angeblich) Betroffenen abarbeiten kann. Es gibt ein Problem „das uns alle betrifft“ – aber zum Glรผck auch eine passende Lรถsung.

Wรคre Lindemann einfach nur betrunken Auto gefahren – stattdessen zwang er weibliche Fans angeblich systematisch zum Sex. Es geht also um patriarchalische Unterdrรผckung, die nur vom Feminismus beseitigt werden kann. Lindemanns Unschuld ist zwar mittlerweile juristisch bestรคtigt, aber seine Verleumder halten das an ihm statuierte Exempel trotzdem fรผr richtig und wichtig.
Hรคtte Aiwanger doch bloร einen Pfandbon unterschlagen – stattdessen dichtete ihm die „Sรผddeutsche“ an, dass er als Schรผler ein neonazistisches Flugblatt verbreitet hรคtte. Zeugen: Ein bis in die Wolle rot gefรคrbter Lehrer. Rassismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus – in unserem Land sind das die schwerwiegendsten Anklagepunkte. Wie entfernt man diesen braunen Fleck? Natรผrlich mit Antifaschismus.
Und dann wรคre da noch der Prรคsident des Bundesamts fรผr Sicherheit und Informationstechnik, Arne Schรถnbohm. รber diesen breitete Bรถhmermann – der sich genau wie seine Genossin Bosetti „Satiriker“ nennen lรคsst – ein boshaftes Lรผgennetz aus. In Zeiten des Ukrainekrieges lag es auf der Hand irgendeine „russische Verbindung“ herbeizureimen. Spionagealarm! Bleiben sie wachsam!
Allein dieser Beitrag war fรผr Innenministerin Nancy Faeser Anlass genug, um sich von unliebsamen Personalie Schรถnbohm zu trennen. Ob Bรถhmermanns Sendung fรผr Faeser unverhofft kam, oder ob es konkrete Grรผnde fรผr Telefonate zwischen Faesers Staatssekretรคrin und dem ZDF-„Satiriker“ wenige Monate vor der Sendung (Ausstrahlung am 7. Oktober 2022) gab, das wird noch zu ermitteln sein.
Doch Schรถnbohm wehrte sich, vor allem die regierungskritischen Medien griffen den Skandal auf und schlieรlich tagte der Innenausschuss zu dem Thema. Faeser, die im Herbst als SPD-Spitzenkandidatin fรผr die hessische Landtagswahl antritt, lieร sich im Ausschuss entschuldigen, sie sei krank. Eine glatte Lรผge, dreist dazu, denn sie nahm am selben Tag nachweislich andere Termine war. Jetzt drรผckt sie sich weiter, noch sind ihre Schafe nicht im Trockenen. Die CDU wรผtet ein bisschen, aber wir wollen an der Stelle nicht vergessen, dass Thomas Haldenwang, Chef des Verfassungsschutzes und ausfรผhrendes Organ von Faesers sozialdemokratischem Gesinnungsapparat, ein schwarzes Parteibuch innehat.
Glaubwรผrdigkeit stellt eben nicht nur im Journalismus, sondern auch in der Parteienpolitik eine Wรคhrung dar, die mit Tatsachen gedeckt werden muss. Und das bringt uns dann zur Moral der Geschichte: In der durch Angela Merkel restlos transformartierten Republik sind Politik und Medien in einem Komplex zusammengeschmolzen. Faeser hat gute Chancen die Sache auszusitzen und Bรถhmermann wird natรผrlich nicht von seinem Sender gefeuert – im Gegenteil: Er wird auch weiterhin mit den von uns abgepressten Zwangsgebรผhren fรผrstlich alimentiert. Sein Auftrag: Echte und vermeintliche Systemgegner verleumden, sie – salopp gesagt – mit Scheiรdreck bewerfen und dabei zwischen „Satire lol“ und Investigativanspruch herumlavieren.
Wenn RTL mehr journalistische Standards pflegt als das ZDF, dann zeigt das einmal mehr, was fรผr ein Bild die Staatsmedien nicht nur von sich selbst, sondern auch von ihrem Publikum haben. Das hat auch fรผr die Zukunft wenigstens die eine Gewissheit: Es lรคuft weiter wie bisher…
Bildvorlagen:
BerthasEnkel: CC BY-SA 4.0
Suberbass CC BY-SA 4.0

