Bei der Hamburger Kita Mobi gab es gerade, so titelte โT-Onlineโ, einen โPolizeieinsatz nach Hassโ. Der Hass bestand in der Spende eines Weihnachtsbaumes und diversen Spielzeug-Geschenken fรผr die Kinder, und die Polizei kam, weil die Kita den Spender wegen Hausfriedensbruchs anzeigte, weil er ihnen Baum und Geschenke vor die Tรผr gestellt hatte, aber eins nach dem anderen.
Die Kita Mobi stellte, wie das โHamburger Abendblattโ berichtete, die Eltern in einem Rundschreiben vor die vollendete Tatsache, dass es โim Sinne der Religionsfreiheitโ anders als in den Vorjahren dieses Weihnachten keinen Baum geben wird: โWir haben uns im Team dagegen entschieden, da wir kein Kind und seinen Glauben ausschlieรen wollenโ, so die Kita wรถrtlich. Im Klartext: ein Einknicken vor muslimischen Eltern, die wegen solch unglรคubigen Gรถtzendienstes Stress machen wรผrden. Dass es hier explizit um die Vermeidung von christlichen Symbolen geht, muss man ihnen auch nicht gerade aus der Nase ziehen; in dem Rundbrief an die Eltern sagen sie es explizit. Nach einem Verweis darauf, dass man aber trotzdem zur Winterzeit Kekse backen werde, schreiben sie: โEs sollen jedoch keine christlichen Feste gefeiert werden.โ Klarer geht es kaum.
Nicht klar genug allerdings war die Sachlage offenbar fรผr ein Rudel linker Journalisten und Aktivisten, die auf Twitter unter einem โFocusโ-Artikel sowie dessen Retweet seitens Seehofer Sturm liefen, bis dort der eigenartigste Community-Notes-Faktencheck auftauchte, den ich jemals gesehen habe:
โHierbei handelt es sich um Fake News. Die Stiftung der Kita stellt auf ihrer Website den Sachverhalt klar und weist auch darauf hin, dass sie durch den Bild/Focus-Artikel mit schlimmsten Bedrohungen konfrontiert ist.โ

Letzteres ist, selbst wenn diese Behauptung keine bloรe Taktik der Kita wรคre, um sich gegen Kritik zu immunisieren, vรถllig belanglos fรผr den Wahrheitsgehalt der Artikel. Es in einem Faktencheck anzufรผhren, als spiele es eine Rolle, mieft unverwechselbar nach dem woken Playbook. Und mit Ersterem beziehen sie sich auf eine Richtigstellung des Kita-Trรคgers, in der dieser im ersten Satz einfach deklariert: โDie aktuellen Presseberichte, die unterstellen, die Kita Mobi wรผrde christliche Traditionen abschaffen, sind falschโ, gefolgt von einer ellenlangen Ballade รผber besagte โrassistische Drohungenโ und dem Verweis darauf, dass in anderen Kitas unter seiner Trรคgerschaft sehr wohl Weihnachtsbรคume stehen. Niemand hat รผbrigens das Gegenteil behauptet.
Um das Offensichtliche auszusprechen: Im Nachhinein zu deklarieren, dass niemand die Absicht habe, christliche Feste abzuschaffen, nachdem die Kita selbst in einem Rundschreiben exakt das gesagt hat, rรผttelt an der Faktenlage nicht im Geringsten. Ansonsten kรถnnte ja jeder, รผber dessen kontroverse Aussagen Artikel geschrieben wรผrden, diese im Nachhinein faktencheckwรผrdig machen, indem er einfach auf einmal das Gegenteil behauptet. Nun zu einer kleinen Whitepill: In der vergangenen โHonigwabeโ wiesen wir auf die Absurditรคt dieses Faktenchecks hin und baten die Zuschauer, auch Twitter รผber die Bewertungsfunktion der Community Notes davon in Kenntnis zu setzen โ mit Erfolg.
Der Faktencheck ist nun verschwunden. Community Notes gemeinsam als โnicht hilfreichโ zu bewerten, kann also offenkundig ein Mittel sein, sich gegen Umtriebe dieser Art zu wehren.
Und nun zur absoluten Clownspill und damit zurรผck zum Anfang: Die Baumschule Pflanzmich.de reagierte auf den Unmut der Eltern der Kitakinder und der breiteren รffentlichkeit mit einer entwaffnenden Geste: Ihr Chef Florian Schrรถder platzierte nachts eine prรคchtige Tanne sowie einige Geschenke fรผr die Kinder vor dem Eingang der Kita.
In einem offenen Brief bot die Baumschule an, der Kita sogar noch weiteres Spielzeug zu stiften, das sie aus Spenden ihrer Mitarbeiter finanziert hatte. Die Kita rief daraufhin die Polizei und erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.
Dass der Hausfrieden bereits vor dem Eingang beginnt, war mir neu, aber wenn dem so ist, erwartet meinen Brieftrรคger auch eine saftige Anzeige โ Jacky hatte also recht mit dem Typen. Baum und Prรคsente landeten so also bei der Polizei, wo die Baumschule sie vergangenen Samstag abholte, aber nicht einfach so: Verkleidet mit einem Weihnachtsbaumkostรผm und bewaffnet mit einer Kamera nahmen sie ihren Baum wieder in Empfang, um dann einen Clip davon auf Twitter zu verรถffentlichen.
Falls Ihr Euch im Raum Hamburg rumtreibt und noch auf der Suche nach einer Festtagstanne seid, solltet Ihr bei Pflanzmich.de fรผndig werden.

