โFIFAโ ist ein Orkus, der Zeit verschlingt. Dank der Steam-Bibliothek verrรคt er einem im Anschluss sogar, wie viel: Knapp 1.000 Stunden habe ich wohl in der vergangenen Ausgabe des Fuรball-Simulators versenkt, bis sie von der aktuellen abgelรถst wurde, auch wenn diese Angabe mit Vorsicht zu genieรen ist: Gezรคhlt wurde die gesamte Zeit, die โFIFAโ als Anwendung offen war, auch wenn ich wรคhrenddessen etwas ganz anderes am Computer gemacht habe. Das wahre Monument erbaut man den vergeudeten Stunden mit dem Team, das man sich auf die Dauer mit der Ingame-Wรคhrung zusammenkauft. Hier reibt einem ein Spiel wie โFIFAโ den Verlust der Lebenszeit sogar noch endgรผltiger unter die Nase, als es etwa der Fall wรคre, hรคtte man seine Zeit mit dem Stapeln echter Sammelkarten von Profispielern verbracht: Mit Erscheinen des neuen Teils wird das alte Team auf einen Schlag wertlos, man rรผhrt es nie wieder an, bis irgendwann dann auch die Server abgeschaltet werden und man nicht einmal mehr die Mรถglichkeit dazu hรคtte.
Die Fertigkeiten, die man dabei geschรคrft hat, sind einzig dazu gut, sich im nรคchsten Teil ein noch besseres Team aufbauen zu kรถnnen โ bis dann wiederum der nรคchste um die Ecke kommt. Auch geistig holt man sich dabei nahezu keine Anregung ab. Das inhaltlich interessanteste an โFIFAโ ist die sukzessive Hรคufung der Regenbogensymbolik seit den frรผhen 2010-ern. Wobei: Im aktuellen Teil haben sie mit der Mischung mรคnnlicher und weiblicher Spieler im Ultimate-Team-Modus, in dem man sich besagte eigene Mannschaft aufbaut, ein neues Niveau des Irrsinns erreicht, insbesondere, da die Frauen natรผrlich in allen Belangen mit mรคnnlichen Superstars mithalten kรถnnen, anstatt wie in der echten Welt auf Drittliga-Niveau zu spielen. Dass es fรผr diese Erkenntnis 1.000 Stunden Experimentierzeit gebraucht hรคtte, wage ich allerdings zu bezweifeln. Interessant wird, ob irgendwann die im echten Fuรball inzwischen omniprรคsente Rassismus-Thematik Einzug in โFIFAโ hรคlt, allerdings nicht, wie mittlerweile schon Usus, auf riesigen โNo Racismโ-Bannern und Trikots, sondern in Form von Spielabbrรผchen, weil ein schwarzer Spieler Affenlaute gehรถrt haben will. Die Rassismus-Schwalbe, deren Erfolgsquote steigt, je dunkler die Haut des sie einsetzenden Spielers ist, kรถnnte der ganzen Chose in der Tat noch mal eine neue Dimension geben.
Eine weitere Qualitรคt, mit der speziell mein โFIFAโ-Konsum nicht aufwarten kann, ist das Produzieren von Erinnerungen. Das wird vor allem daran liegen, dass ich โFIFAโ, anders als Shooter wie damals โBattlefield 4โ oder โRainbow Six Siegeโ, stets alleine zocke. Es mag schwul und kitschig klingen, aber wenn ich so in meinen bleibenden Videospiel-Erinnerungen krame, fรคllt recht schnell auf, dass das โmit wemโ in diesen im Nachhinein betrachtet entscheidender war als das โwasโ. Denke ich etwa an โBattlefield 4โ, dann kommt direkt eine Fรผlle lebhafter Rรผckblenden in mir hoch, die meisten davon zusammen mit einem Kumpel aus der Schulzeit, den einige von Euch vielleicht noch als โSalomon Rothschildโ kennen. Dass diese teils viel lรคnger zurรผckliegenden wahnwitzigen Momente immer noch in Bild und Farbe in meinem Oberstรผbchen gespeichert sind, liegt nicht daran, dass es solche bei โFIFAโ nicht gab, im Gegenteil โ sie verblassen nur viel schneller. Und so bleibt von 100 Stunden โWorms Clan Warsโ, einem zwei Gigabyte groรen rundenbasierten 2D-Spiel, in dem man mit Panzerfรคusten und Granaten auf gegnerische Regenwรผrmer schieรt, am Ende mehr hรคngen, das einen heute noch zum Schmunzeln bringen kรถnnte, als von drei โFIFAโ-Teilen und sechs โPESโ-Ausgaben.
Ein beliebtes Normie-Meme, das einen die so zerronnenen Stunden mit einem Lรคcheln betrachten lassen will, lautet wie folgt: โZeit, deren Verschwendung man genossen hat, ist keine verschwendete Zeit.โ Ich wรผrde dem entgegensetzen: Es ist nicht die verschwendeteste Zeit, es geht schlimmer. Es kommt vor, dass man die Entscheidung, ob man einen Zeitraum mit etwas Produktivem oder mit launiger Zeitverschwendung fรผllen mรถchte, verschleppt und am Ende damit verschwendet hat, mit seinem Gewissen zu ringen, was weder produktiv noch launig ist. Es geht aber natรผrlich sogar noch schlimmer: Man verschwendet seine Zeit mit etwas, das einem Schaden zufรผgt. Auch dieser Gedanke hat ein Normie-Meme zutage gefรถrdert, das darauf abzielt, das schlechte Gewissen beim stundenlangen Daddeln ruhigzustellen: โAnderer Leute Kinder sind Heroinjunkies oder Kriminelle, meine Eltern sollten stolz auf mich sein!โ, war einmal auf einem โ9GAGโ-Post nebst Comicfigur im Gamingsessel zu lesen, die Tausende Likes bekommen hatte. Ja, sicher, schlimmer gehtโs immer. Aber es geht eben auch viel besser. Das bedeutet nicht, dass man sich fรผr jede Partie โFIFAโ oder sein jeweiliges รquivalent der angenehmen Zeitverplemperung selbst geiรeln sollte wie der Albino in โThe Da Vinci Codeโ, aber die Grundrichtung von gutem und schlechtem Zeitvertreib muss klar sein, wie bei gesundem und ungesundem Essen. Mehr Worms wagen.

