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AfD-Parteitag in Essen – Ich war dabei

8. Juli 2024
in 5 min lesen

27 Hundertschaften der Polizei schรผtzen den Parteitag einer demokratisch gewรคhlten Partei. 3.000 Polizisten stehen im Einsatz, wรคhrend leere StraรŸen, blockierte U-Bahnhรถfe und ein Bild der Zerrissenheit das Stadtbild dominieren. Es ist eine Kulisse, die gleichermaรŸen von orientierungslosen Aktivisten wie von gewaltbereiten, vermummten Extremisten geprรคgt ist. Der linke Protest verursacht immense Kosten fรผr den Steuerzahler, doch ich habe eine Lรถsung. Ein Erfahrungsbericht aus Essen.

Linke konsequent abschieben โ€“ dies wรคre eine geeignete MaรŸnahme, um den erheblichen Ausgaben entgegenzuwirken. Es wรคre eine Win-Win-Situation fรผr Deutschland, das so eingesparte Geld kรถnnte fรผr eine groรŸangelegte Abschiebe-Offensive genutzt werden. Der Vorschlag kam รผber GroรŸbritannien & Martin Sellner schlieรŸlich an die deutsche ร–ffentlichkeit.

Abschiebezentren auรŸerhalb der Europas. In Ruanda zum Beispiel. Auch wenn der britische Premier die Plรคne rรผckgรคngig gemacht hat, macht es sie nicht weniger sinnvoll. Illegale Migranten und nichtsnutzige Linke belasten den Haushalt der Bundesrepublik. In einer Asyeinrichtung irgendwo in Afrika kรถnnten sich Soja-Sรถren, Malte-Torben und Backpacking-Lisa selbst verwirklichen und die AfD kรถnnte ohne Probleme den gesetzlich vorgeschriebenen Parteitag abhalten. Kร–NNTE.

Ankunft 07:30 Uhr, Essen Hauptbahnhof. Wenige Aktivisten, kaum Gegendemonstranten, aber eine beachtliche Anzahl an Polizisten. Verdi verteilt Stadtkarten mit den Markierungen der geplanten Demonstrationen. Der gemeine Aktivist braucht schlieรŸlich einen Fahrplan wo er sich fรผr die Demokratie und gegen die AfD aufhalten muss. Der Weg zur Grugahalle รผber die RรผttenscheidertraรŸe ist gegen 08:00 Uhr wie leer gefegt. Die Innenstadt wirkt wie eine Geisterstadt. In einer Bรคckerei teilt man mir mit, dass hier normalerweise deutlich mehr los sei. Wenige Linke kaufen hier ein.

Zwei Aktivisten fahren mit einem LIME E-Scooter zur Demo. Ein ironischer Anblick: Kampf gegen den Kapitalismus mit Mitteln des Kapitalismus? Es scheint der neue linke Lebensstil zu sein โ€“ auf jeden Fall aber gegen den Staat und gegen die AfD gerichtet. Ich entscheide mich ganz altmodisch zu laufen. Vielleicht keine kluge Entscheidung, denn seit einiger Zeit ist sogar das Wandern rechtsextrem und ich mรถchte ungern auffallen. Gelingt mir, wie sich spรคter zeigen wird, auch nicht besonders gut.

Auf dem Weg treffe ich auf einen weiteren Stand eines Bรผndnisses, erneut werden Karten und Flyer verteilt. โ€žAufstehen gegen Rassismusโ€œ lรคsst uns auf ihrer Internetseite unter anderem wissen: Die AfD ist rassistisch, AfD wรคhlen = Nazis wรคhlen, die AfD ist unsozial und die AfD ist rรผckstรคndig. Ich erhalte einen Hinweis auf eine aktuelle Blockade in der Rรผttenscheider StraรŸe 199. Wer will, solle dort hingehen um zu unterstรผtzen. Fรผr Demokratie und gegen AfD. Das Credo dieses Tages. Ich gehe hin.

Die Polizeiprรคsenz wird dichter. Immer noch wenige Gegendemonstranten. An der Rรผttenscheider StraรŸe 199 wird eine Bรคckerei blockiert. Es wird laut, die Polizei schรผtzt zwei Abgeordnete und will sie zur Grugahalle geleiten. Marcus Frohnmaier ist zu sehen. Dachte ich zumindest, es scheint sich um eine Art Double zu handeln. Ich sehe das erste Mal in meinem Leben live eine Menschenjagd. Fรผr jene sagenumwobene in Chemnitz gibt es bis heute keine Belege. In Essen bin ich selbst Zeuge geworden und habe sogar Videoaufnahmen, die das belegen kรถnnen. Die รผblichen Rufe und Parolen ertรถnen. Die Polizei bildet eine Kette, niemand wird durchgelassen. Die Taktik geht auf und die Lage beruhigt sich nach dem Abgang der Abgeordneten.

Immer wieder patrouillieren Gruppen von Polizisten hin und her. Man reagiert schnell auf sich wechselnde Lagen. Dann ein skurriler Moment: Eine Gruppe von etwa 20 Polizisten nรคhert sich in schnellem Schritt, die Helme unter den Armen – wenig bedrohlich. Die Kolonne steht, der Truppfรผhrer blickt sich um: โ€žDas ist doch nicht euer Ernst, die Fahrer sollten IN den Autos bleiben.โ€œ Irritierte Blicke, ein kurzer Halt, dann geht die Truppe weiter. Demonstranten machen Platz und lassen die Beamten passieren. Wenig vertrauenserweckend. Ich frage mich wer die Autos nun fahren soll? Um welche Autos handelt es sich? Viele Fragen, keine Antworten. Der kleine Trupp ist verschwunden. Einen der Polizisten kannte ich sogar, habe mich aber entschieden nicht zu grรผรŸen um nicht aufzufallen. Damit hรคtte ich mich als Freund der bรถsen Polizei geoutet. Und outen mรถgen Linke nur in Bezug auf ihre sexuelle Orientierung, nicht aber in aller Freundschaft zu den Mรคnnern und Frauen in blau.

Noch wรคhrend der Corona-Krise war man sich einig, dass man nicht mit Extremisten auf die StraรŸe geht, heute gehรถrt dies zum guten Ton. Ein Indiz fรผr die Gewaltbereitschaft der Linken ist die Vermummung. Auf Versammlungen natรผrlich verboten, aber die Polizei hat hier keine Kapazitรคten, um VerstรถรŸe gegen das Versammlungsgesetz zu ahnden. Das ist zumindest meine Vermutung. Man ist vollauf mit dem Schutz der anreisenden Delegierten beschรคftigt.

Aus taktischen Grรผnden habe ich mich entschieden, keine groรŸe Kamera mitzunehmen. Fรผr den Fall, dass ich erkannt werde, mรถchte ich ungern meine eigene Kamera auf dem Gewissen haben. Ging nicht wirklich auf, da die Actionkamera auffรคlliger war als eine klassische Kamera. Ich lerne. Insgesamt fรผnfmal werde ich angesprochen und gefragt, von welchem Medium ich komme. Zwei vermuten, ich sei ein โ€žrechter Bloggerโ€œ. Eine Beleidigung, schlieรŸlich bin ich ein (r)echter Journalist (in Ausbildung).

Mir wird es zu heiรŸ, nicht nur aufgrund des Wetters – wir haben ja noch Klimakrise. Ich entscheide mich, zur Grugahalle zu gehen. Am Eingang zur Unterfรผhrung gibt es eine Sitzblockade. Wieder ein Rollstuhlfahrer. Stelle ich mir nicht sehr effektiv vor. So einen Rollstuhl kann man schlieรŸlich ganz bequem wegschieben. Ich gehe vorbei und zeige der Polizei meinen Presseausweis. Aus der Blockade ruft jemand, ob ich Presse oder Fascho sei. Ich verstehe โ€žFahrschรผlerโ€œ und hake nach. Man brรผllt mir zu, ich sei ein Fascho, und die Polizei fordert mich auf, weiterzugehen. Ab hier wird es entspannter, vom Trouble bekommt man nach dieser letzten Blockade nichts mehr mit. Ein Wasserwerfer ist kurz hinter dem Tunnel platziert. Womรถglich rechnet man damit, dass die Demonstranten durchbrechen kรถnnten. Es ist einer von zehn Wasserwerfern. Den scharfen Einsatz erleben diese beeindruckende Gerรคte heute nicht.

Ich komme der Aufforderung nach und bewege mich in Richtung Halle. Bevor ich es in die Halle schaffe, werde ich insgesamt viermal kontrolliert. Wenn doch nur die Kontrolle an den EU-AuรŸengrenzen so akribisch laufen wรผrde denke ich mir. Akkreditierung, Personalausweis und Presseausweis. Immer wieder. Im Eingangsbereich findet sich hauptsรคchlich linke Journaille. Franziska Klemenz, von Table.Media, ist am KRAUTZONE-Stand zu sehen. Interessiert beรคugt sie mit ihrem Begleiter die exzellente Auswahl an Hochglanz-Magazinen, Quartetts und feinem Porzellan.

Sie war auch beim Hรถcke-Prozess in Halle und ich habe das Gefรผhl wir kennen uns. In einem Beitrag habe ich mal ihre Haltung zur Migrationspolitik kritisiert. Sie war einige Jahre das โ€žSeite-3-Girlโ€œ der sรคchsischen Zeitung und gewann sogar einen Preis in der Kategorie โ€žBeste Lokal-Reportageโ€œ. Sie schrieb รผber eine georgische Familie, die abgeschoben wurde. Asylantrag abgelehnt, Voraussetzungen nicht erfรผllt – Abschiebung. Sie drรผckt auf die Trรคnendrรผse und dafรผr gibt es dann 7.000โ‚ฌ und den „Reporter:inn-Preis“. Ja, der heiรŸt wirklich so. Gegrรผndet wurde Table.Media im Jahr 2019 vom frรผheren Tagesspiegel-Herausgeber Sebastian Turner.

Mit einer halben Stunde Verspรคtung beginnt der 15. Parteitag der AfD in Essen. Weidel erรถffnet den Parteitag mit einer Wutrede. Eine Wutrede gegen die Ampelregierung und die CDU. Sie dankt den Einsatzkrรคften und hofft, dass alle unverletzt und wohlbehalten nach Hause zurรผckkehren. Weiter geht es mit ihrem Unmut รผber den Essener Oberbรผrgermeister, das mangelnde Demokratieverstรคndnis der โ€ždemokratischenโ€œ Parteien und der Gegendemonstranten. Zu einem demokratischen Rechtsstaat gehรถren Parteitage. Die AfD, das mag vielen nicht passen, ist eine demokratische Partei. Einen der Gegendemonstranten habe ich das auch gefragt. Seine Reaktion: โ€žDas sind alles Nazis.โ€œ Ein kurzes Gesprรคch. Er wollte anscheinend nicht mit mir reden.

Sie kommt zu Klingbeil und seinem Vorwurf, dass Alice Weidel ein Nazi und die AfD eine Nazi-Partei sei. Kein neuer Vorwurf, zuletzt populรคr gemacht durch Hendrik Wรผst. Sein Dreiklang: Wer denkt wie ein Nazi, wer redet wie ein Nazi, der ist ein Nazi. Da hat sich jemand einen schรถnen PR-Coup erlaubt. Die einen mรถgen ihn dafรผr feiern, die anderen verurteilen, weil er den Holocaust verharmlost. Ich gehรถre zu Letzteren.

Fรผr mich geht der Parteitag unspektakulรคr zu Ende. Auf dem Weg zurรผck zum Hauptbahnhof zeigt sich die wahre Vielfalt der Stadt Essen. War schon die Zusammensetzung von Polizei und Delegierten des Parteitages noch recht divers gestaltet, so sind jetzt die 40 Prozent Migrantenanteil von Essen auf den StraรŸen unterwegs. Am Bahnhof scheinen es dann 100 Prozent zu werden und in der Tram spricht schon keine Person mehr Deutsch. Jetzt weiรŸ ich es wieder: Ich bin in Essen.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Super Gastbeitrag, hoffe es kommt noch mehr von Boris. Sein Zynismus und Witz sind Balsam fรผr meine vom Hass zerfressene Seele.
    Anmerkung an die Redaktion: Nur bitte einmal mehr Korrektur lesen ๐Ÿ™‚

  2. „Kampf gegen den Kapitalismus mit Mitteln des Kapitalismus? Es scheint der neue linke Lebensstil zu sein“

    Solange das kontakt- und bargeldlos per Totalรผberwachungsapp geschieht und die transatlantischen Intelligences ihre 5 Aufgen drauf haben ist das nach neulinker Denke wohl maximalsolidarisch und klimakonform.

    „auf jeden Fall aber gegen den Staat und gegen die AfD gerichtet.“

    Einzig allein darum geht es, ums Dagegen sein gegen den selbst auserwรคhlten Vertreter des ominรถsen „Klassenfeinds“. Da ist dieser Pรถbel aber ganz der alte geblieben.

    Und der wรผste Wรผst merkt wohl gar nicht daรŸ er in erster Linie sich selbst beschreibt.

  3. best psychedelic retreats

    51)

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