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Dissidente Medienschaffende im Visier des Verfassungsschutzes

14. Juli 2025
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Anmerkung der Redaktion: Beim vorliegenden Schriftstรผck der Landtagsprรคsidentin handelte es sich nach juristischer Auffassung lediglich um eine Androhnung eines Hausverbots bzw. der Sperrung der Rรคumlichkeiten, zu der die AfD angehรถrt werden sollte. Ein Hausverbot war nach damaligem Entscheidungsstand wahrscheinlich, aber rechtlich noch nicht erteilt. Die Antwort der AfD auf die Androhung des Hausverbots liegt der Redaktion nicht vor.

Am vergangenen Samstag wollte die AfD-Fraktion im Landtag von Baden-Wรผrttemberg einen sogenannten โ€žInfluencer Dayโ€œ veranstalten. Dazu eingeladen waren einige bekannte alternative YouTuber und freie Journalisten aus dem โ€žVorfeldโ€œ, beispielsweise aus dem Kreis der โ€žJungen Freiheitโ€œ, sowie auch die folgenden drei YouTuber: Leonard Jรคger alias โ€žKetzer der Neuzeitโ€œ, Mirรณ Wolsfeld alias โ€žUnblogdโ€œ und Boris von Morgenstern. Sie alle sind hinlรคnglich bekannt im konservativen, patriotischen Spektrum, im Falle von Boris und Mirรณ unter anderem auch fรผr ihre journalistische Arbeit bei der KRAUTZONE, und erreichen zusammen monatlich mehrere Millionen Menschen. So weit, so nachvollziehbar also, dass sich eine Partei wie die AfD in der heutigen Zeit mit ihr politisch nahestehenden Influencern treffen, vernetzen und austauschen mรถchte.

Doch nicht alle schienen von der geplanten Veranstaltung im Landtag in Stuttgart so begeistert zu sein. Ganz im Gegenteil: Die baden-wรผrttembergische Landtagsprรคsidentin Muhterem Aras von den Grรผnen sorgte am Samstag dafรผr, dass eine angemeldete Besuchergruppe der AfD nicht ins Gebรคude kam und die Veranstaltung der Fraktion nicht stattfinden durfte, zumindest nicht in den Rรคumen des Landtags.

Die Begrรผndung: Der Landesverfassungsschutz Baden-Wรผrttemberg habe Aras darauf hingewiesen, dass es sich bei den oben aufgefรผhrten Influencern Boris von Morgenstern, Mirรณ Wolsfeld und Leonard Jรคger um Personen handele, die deutschlandweit als Extremisten bekannt seien, unter anderem wegen โ€žStaatsdelegitimierungโ€œ oder โ€žRechtsextremismusโ€œ. 

Diese Einordnung des Verfassungsschutzes wรผrde bei Stattfinden der Veranstaltung demnach dazu fรผhren, dass das Ansehen des Landtags beschรคdigt wรผrde. So sah sich die grรผne Landtagsprรคsidentin dazu gezwungen, die geplante Veranstaltung abzusagen. Gott sei Dank. Gerade noch so wurde die Demokratie in den heiligen Hallen in Stuttgart verteidigt und gerettet. Es wรคre ja auch hรถchst verwerflich, gar gefรคhrlich, wenn man eben diesen Menschen eine Bรผhne bรถte, die wegen was noch mal bundesweit vom Verfassungsschutz als โ€žbรถseโ€œ deklariert wurden? Ach ja, genau, weil sie beispielsweise wรคhrend der Corona-Zeit die MaรŸnahmen der Regierung zur Eindรคmmung der Pandemie hinterfragten und somit in die eigens fรผr solche Fรคlle vom Verfassungsschutz neu geschaffene Kategorie โ€žverfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staatesโ€œ fielen. Ein weiterer Grund sei auch, dass Mirรณ fรผr ein โ€žrechtsextremesโ€œ Magazin geschrieben habe, nรคmlich fรผr die KRAUTZONE. 

Mirรณ Wolsfeld und Boris von Morgenstern sollen auรŸerdem als โ€žRechtsextremistenโ€œ Kontakt zu anderen โ€žRechtsextremistenโ€œ haben. Oh nein, wie schrecklich, Menschen mit รคhnlichen Ansichten und Interessen kennen und mรถgen sich und tauschen sich untereinander aus. 

Im Falle von Boris fรผhrte dieser Vorwurf sogar dazu, dass er ein explizites Hausverbot im Landtag erhielt. Dazu als Erklรคrung angefรผhrt wurde, dass er angeblich irgendwann mal gesagt haben soll, durch Martin Sellner geprรคgt worden zu sein, und weil dieser ja bekanntlich laut Verfassungsschutz โ€žvรถlkische, rassistische und antisemitischeโ€œ Ansichten vertrete, mรผsse das bei Boris auch der Fall sein. Klingt komisch und obskur, ist aber tatsรคchlich so begrรผndet worden. 

Das Perfide? Gerade Boris, der ehemals als sachkundiger Bรผrger im Stadtrat von Koblenz saรŸ oder aktuell Teil der Enquete-Kommission im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ist und noch nie damit Probleme hatte, ein Parlament zu betreten, musste drauรŸen bleiben. 

Das ganze Theater sollte natรผrlich dazu dienen, der AfD eins reinzuwรผrgen, was misslang. Denn obwohl die Teilnehmer des โ€žInfluencer Dayโ€œ zwar nicht in den Landtag kamen, fand dieser trotzdem andernorts statt. Und statt die Veranstaltung einfach still und heimlich stattfinden zu lassen, sorgten Muhterem Aras und der Landesverfassungsschutz mit ihrem Verhalten fรผr die beste PR-Werbung.

ABOS

Bรผcher

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