Im Zuge der Rentendebatte ist in den vergangenen Wochen auch das Thema โGenerationengerechtigkeitโ heiร diskutiert worden: Leben die Alten auf Kosten der Jรผngeren? Im Zuge der steigenden Sozialabgaben sowie der niedrigen Kinderzahl in einem umlagefinanzierten Rentensystem kann diese Frage eigentlich nur mit โjaโ beantwortet werden. Trotzdem hรคlt sich der Mythos, dass es den โjungen Leutenโ irgendwie besser gehe als den โalten Leutenโ. Zur besseren Eingrenzung kann auch von den Baby-Boomern (geb. 1950โ1965) und den Millennials (geb. 1980โ1995) gesprochen werden; erstere befinden sich mittlerweile fast vollstรคndig im Rentenalter, letztere im jungen Erwachsenenalter, oftmals mit kleinen oder jugendlichen Kindern.
Zentral fรผr junge Familien ist der Traum vom Eigenheim, dem vieles untergeordnet wird. Auch die mittlerweile standardmรครige Berufstรคtigkeit der Frau ist oftmals Resultat des Wunsches nach den eigenen vier Wรคnden. Dieser Wunsch ist in den letzten Jahren in immer weitere Ferne gerรผckt. Denn trotz doppelter Berufstรคtigkeit kรถnnen sich viele Familien kein geeignetes Eigenheim mehr leisten. Wรคhrend die Millennials hier dem System oder dem Markt die Schuld geben, sehen die Boomer die Verantwortung meist bei den jungen Menschen: Frรผher habe man viel mehr gespart, sei selten in Urlaub gefahren, habe hart gearbeitet und kaum Geld fรผr Konsumgรผter ausgegeben.
Grundsรคtzlich mag dieser Vorwurf zutreffen: Flugreisen, Netflix, Restaurantbesuche und andere Ausgaben der Millennials sind sicherlich grรถรer als noch vor dreiรig Jahren โ doch diese Summen erklรคren bei weitem nicht, warum sich die allermeisten jungen Menschen kein Eigenheim mehr leisten kรถnnen. Die Immobilienpreise der letzten Jahre sind โ maรgeblich aufgrund politischer Fehlentscheidungen wie โgrรผnerโ Auflagen, bรผrokratischer Hรผrden, hoher Sozialabgaben bei Handwerkern und Baufirmen, aber nicht zuletzt auch durch Massenmigration โ in unerschwingliche Hรถhen geschnellt. Das Gegenargument der โsteigenden Lรถhneโ ist allenfalls ein Scheinargument, wie das Institut fรผr Weltwirtschaft Kiel belegen konnte: Im Verlauf der letzten 45 Jahre sind die Immobilienpreise nicht nur absolut, sondern auch relativ zum Einkommen gestiegen. Lag das benรถtigte Eigenkapital in den 1980er-Jahren beim drei- bis vierfachen des Jahres-Haushaltsnettoeinkommens, musste in der Hochphase des Immobilienbooms das Siebenfache des Haushaltsnettoeinkommens aufgewendet werden, um รผberhaupt genรผgend Startkapital fรผr den Hauskauf vorzuweisen.
Junge Menschen haben es heute also fast doppelt so schwer, in die eigenen vier Wรคnde zu kommen. Um sich die Zahlen einmal anders zu verdeutlichen: Bei einem Haushaltsnettoeinkommen von 40.000 Euro mussten in den letzten Jahren 280.000 Euro an Eigenkapital aufgewendet werden. Mittlerweile sinkt dieses Verhรคltnis wieder, liegt aber noch immer deutlich รผber den Werten der Vergangenheit. Interessant ist an dieser Stelle auch ein anderer Wert: Wie lange muss der durchschnittliche Haushalt sparen, um genรผgend Eigenkapital einzubringen? โMit einer realistischen Sparquote von 20 Prozent des verfรผgbaren Einkommens mรผssen Haushalte heute rund 14 Jahre sparen, um das notwendige Eigenkapital zu erreichen โ doppelt so lang wie in den 1980er-Jahrenโ, so einer der Autoren, Jonas Zdrzalek.

In der Realitรคt sind diese Werte nochmals deutlich drastischer zu bewerten: Aufgrund der jahrzehntelangen Nullzinspolitik der EZB, die eine Folge der erzwungenen europรคischen Einigung war, haben junge Menschen seit den 2000er-Jahren dauerhaft unter zwei Prozent Zinsen auf ihre Spareinlagen erhalten, ab den 2010er-Jahren dann sogar weniger als ein Prozent. Zum Vergleich: In den 1970er-Jahren lag der Zinssatz auf dem normalen Sparbuch bei fast fรผnf Prozent. Nicht nur, dass sich das Kapital dadurch schneller erhรถhte, auch die Anreize zum Sparen waren deutlich grรถรer als nach den 2000er-Jahren.
Ein weiterer Effekt ist die hรถhere Akademisierungsquote, die heutzutage von der Politik als Erfolg verkauft wird. Sicherlich liegt das Einkommen von Menschen mit universitรคrem Abschluss hรถher โ da aber oftmals erst mit Mitte oder Ende 20 das erste nennenswerte Einkommen erzielt wird, rรผckt der mรถgliche Erwerb des Eigenheims weiter nach hinten. Das zeigt sich anhand einer Beispielrechnung: Legt jemand ab seinem 18. Lebensjahr monatlich 300 Euro auf Seite, liegt sein Vermรถgen nach zwรถlf Jahren, im Alter von 30, bei 52.000 Euro. Studiert er stattdessen und beginnt mit 26 Jahren, monatlich 600 Euro einzuzahlen, liegt sein Kapital vier Jahre spรคter nur bei 30.000 Euro. Er mรผsste eine Sparrate von 1.000 Euro vorweisen, um den Nicht-Studenten bis zum 30. Lebensjahr eingeholt zu haben.
Was ebenfalls nicht berรผcksichtigt wurde: Fรผr die Berechnung zog das IfW Kiel das Haushaltsnettoeinkommen heran. 1980 waren rund 36 Prozent der Mรผtter mit minderjรคhrigen Kindern erwerbstรคtig, รผber die Zahl der Wochenarbeitsstunden gibt es keine Daten. Heutzutage sind hingegen 71 Prozent der Mรผtter mit minderjรคhrigen Kindern erwerbstรคtig. Trotz des Trends zum doppelten Einkommen, der mit einer frรผhen Fremdbetreuung der Kinder einhergeht, haben es junge Erwachsene beim Hauserwerb heute dennoch deutlich schwerer als die Gleichaltrigen vor fast 50 Jahren.
Nicht zuletzt gegen die absehbar grassierende Altersarmut in einem gescheiterten Rentensystem ist das Eigenheim die beste Absicherung. Auch auf die Kinderzahl hat Wohneigentum eine groรe Wirkung: Die Entscheidung fรผr Kinder fรคllt oftmals leichter, und die Entscheidung fรผr ein zweites oder drittes Kind liegt beim klassischen Haus mit Garten oftmals nahe. Mittlerweile wurde dieser Zusammenhang auch quantitativ erforscht: Die Studie โHousing Costs and Family Formation: Empirical Evidenceโ von Lindsay Flynn aus dem Jahr 2013 konnte zeigen, dass Familien mit Eigenheim im Schnitt 20 Prozent mehr Kinder bekommen. Damit lรคge die Zahl der Kinder pro Frau in Deutschland bei 1,60 statt bei 1,35 โ ein riesiger volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Effekt.
Die realpolitische Lรถsung wรคre denkbar einfach: Das Abschaffen der Grunderwerbssteuer wรผrde โรผber Nachtโ das Eigenheim fรผr viele Tausend Familien erschwinglicher machen. Die Steuer wird auf Landesebene erhoben und liegt zwischen 3,5 und 6,5 Prozent. รbrigens: Bis zum Jahr 1982 war selbstgenutztes Wohneigentum von der Grunderwerbsteuer befreit. Erst 1983 wurde die Steuerbefreiung aufgehoben โ verantwortlich war die CDU-Regierung unter Helmut Kohl.

Gerade mal knapp 14 Jahre um sich ein Eigenheim leisten zu kรถnnen? Da haben wohl Bruchbuden im ruinierten Ruhrrandgebiet oder Saarland, der flachlanddeutschen Hinterlandpampa oder den hintersten Ecken des รถstlichen Grenzgebiets krรคftig die Statistik gedrรผckt.
Schon im Umland der wirtschaftsstรคreren Gebiete gibt es dafรผr nur Bruchbuden in deren Sanierung (Schallschutz, Elektrik, Heizung, Dรคmmung,…) dann nochmal ein รคhnlicher Betrag aufzuwenden ist.
Einen Kredit um รผberhaupt noch kaufen zu kรถnnen (und bis zum Rentenalter abstottern darf) bekommt man mitunter selbst als Doppelverdiener mit besserem Durchschnittseinkommen nicht mehr zu akzeptablen Konditionen, selbst mit umfangreichen Sicherheiten in Kredithรถhe nicht.