Wie dramatisch ist der Mitgliederverlust der Parteien wirklich? Klar, „Bodenpersonal" braucht man vor allem im Wahlkampf beim Plakatieren und beim Verteilen von Flyern. Auch kann eine lebendige Basis sicherlich den Parteiapparat befruchten. Doch wichtiger ist ein anderer Punkt: Mitglieder zahlen Beiträge und bringen so Geld in die Kriegskassen der Parteien. Um die 100 Euro kostet der Jahresbeitrag in einer Partei. Am Beispiel der SPD wird das deutlich: Ein Verlust von rund 500.000 Mitgliedern gegenüber den 1990er-Jahren reißt ein jährliches Loch von rund 50 Mio. Euro in das Budget der SPD. Das ist enorm. Aber klar sein muss auch: Das Vermögen einer Partei fließt aus unterschiedlichen Quellen zusammen; der Mitgliedsbeitrag ist nur ein Standbein von vielen.
Neben den Mitgliedsbeiträgen sind es vor allem Spenden, von Privatleuten gleichermaßen wie von Unternehmen. Spenden und Beiträge sind der Teil, den eine Partei also freiwillig erhält und sich gewissermaßen direkt erarbeiten muss. Der andere Teil der Parteienfinanzierung ist die staatliche Zuwendung. Der Fiskus finanziert „seine" Parteien nämlich kräftig mit: Jedes Jahr werden alle Parteien mit einer Millionensumme unterstützt – 2024 mit insgesamt 219,24 Mio. Euro. Dieser Betrag wird anhand verschiedener Indikatoren auf alle Parteien aufgeteilt. Für jede Stimme bei einer Europa-, Bundes- oder Landtagswahl gibt es einen Euro (für die ersten 4 Mio. Stimmen), darüber hinaus 0,83 Euro. Dafür muss eine Partei aber mindestens 0,5 Prozent (bei Bundestags- oder Europawahlen) bzw. ein Prozent bei einer Landtagswahl erreicht haben. Des Weiteren gibt es 43 Cent für jeden Euro, den die Partei selbst eingenommen hat – sei es durch Spenden oder durch Mitgliedsbeiträge.

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