Es gibt ein Foto, das diese Woche kaum jemand sehen wollte. Ein blutverschmiertes T-Shirt, von der AfD Mecklenburg-Vorpommern ins Netz gestellt. Es gehört Michael Meister, 51, Landtagsabgeordneter aus Rostock. Zwei Vermummte haben ihm in der Nacht zum 18. Juni vor seiner Wohnung aufgelauert, ihn als „AfD-Nazi" beschimpft und mit einem spitzen Gegenstand auf ihn eingestochen. Den Stich in den Rücken fing der Laptop in seinem Lederrucksack ab. Am Arm blieb eine Schnittverletzung, die genäht werden musste. Die Staatsanwaltschaft Rostock ermittelt inzwischen wegen versuchten Mordes.
Die Polizei spricht in ihrer Pressemitteilung von einem „mutmaßlichen Angriff". Ein korrektes Wort, denn außer dem Opfer gibt es bislang keine Zeugen. Im Netz wurde daraus prompt eine Frage: Hat es das überhaupt so gegeben? Man kennt das Spiel. Wer blutet, muss bei manchen erst beweisen, dass er sich das Messer nicht selbst in den Rücken gerammt hat.
Das Drehbuch des Schweigens
Halten wir das Foto kurz neben ein anderes. Mai 2024, Dresden: Matthias Ecke, SPD-Europaabgeordneter, wird beim Plakatieren krankenhausreif geschlagen. Was folgt? Die ganze Republik steht auf. Der Bundeskanzler verurteilt die Tat. Tausende demonstrieren.
Und Meister? Da muss extra nachgefragt werden. Die dpa erkundigte sich bei den Fraktionen im Schweriner Landtag, wie man die Sache denn fände. Kein Kanzler. Kein Innenminister am Rednerpult. Keine Lichterkette. Keine Sondersendung im Ersten, in der ein betroffener Moderator von einem „Angriff auf uns alle" spricht.

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