Der Rechte wird vorerst Feindbild bleiben

in 3 min lesen
1

Ein Video des linken Aktivisten Marcant macht vor Kurzem die Runde: Als Tribun über den politischen Diskurs thront er dort an einem Tisch, um den herum sich die Mitglieder einer sachsen-anhaltinische Familie versammelt haben. Der Familienvater ringt mit den Worten – seine Frau und seine beiden Töchter haben sich von ihm entfremdet, weil er bekennender AfD-Wähler ist.

Die Frauen wähnen sich im Widerstand gegen die heraufbeschworene Gefahr eines Vierten Reiches. Der Vater argumentiert hilflos, will den Familienfrieden wahren, aber man merkt: Es klappt nicht. Etwas ist entzweigebrochen.

Hitzige Diskussionen wegen politischer Meinungsverschiedenheiten haben wir alle wohl schon gehabt, durchaus auch mit lieben Familienmitgliedern. Überhaupt hat ja das Politische seit spätestens 2015 alles durchdrungen, vergiftet und überschattet. „Das Private muss politisch werden“, eine dieser feministischen Latrinenparolen, erklang erstmals in den 70ern, umriss aber auch schon vor einem halben Jahrhundert den tiefgreifenden Kulturverfall des Westens: Die Politisierung aller Lebensbereiche, die Militarisierung aller Meinungen und Lebenskonzepte war der Ausdunst der marxistischen Bewegung, die nach der Zerstörung der hierarchischen Gesellschaftssysteme Europas im Zuge des Ersten Weltkrieges und dem Ausbreiten des sozialdemokratischen Managerstaates ihren Siegeszug antrat. Jeder einzelne Aspekt, der heute irgendwie als falsch, verdreht oder verrückt wahrgenommen wird, entspringt der Urkatastrophe, der schwarzen Iliade des 20. Jahrhunderts, dem zweiten Brand Trojas …

Aber ich schweife ab. Mich erinnert das Tischgespräch an die Corona-Zeit, an diese unerbittliche Grabenstimmung, die sich in Familien- und Freundeskreisen auftat. Auf der einen Seite wir, die wir nicht mitmachen wollten. Unbegründet oder gründlich informiert, bockig-renitent oder gründlich abgewogen, die einen sympathisch, die anderen verbissen, nicht wenige etwas „spinnert“, wie man in Österreich zu sagen pflegt. Man weiß ja noch, wie das war, vielleicht möchte man sich nicht immer daran erinnern. Die andere Seite hingegen vehement, verängstigt, auch argumentierend, auch bewegt, vor allem aber: bösartig.

Die Mutter und ihre Tochter jedenfalls haben sich ganz der Idee hingegeben, dass mit der „Machtergreifung“ Siegmunds eine Neuauflage des Nationalsozialismus drohe. Jedes Kreuz bei einer etablierten Partei, jeder umgestimmte, überredete, demoralisierte, erpresste und schließlich bezwungene Wähler ist hierbei ein Erfolg, mit dem „der Sieg der Rechten“ abgewendet werden könnte. Die Kosten wiegen den Nutzen bei Weitem auf. Ihren Vater schmerzt die Spaltung, er will Harmonie. Sie hingegen wollen ihn brechen.

Diese Wahnvorstellung, dieser regelrechte Nazifetisch (Ausgabe 39) mutet für unsereins lächerlich an. Wir sind für derlei Botschaften und Bilder nicht oder nicht mehr empfänglich. Für Millionen Deutsche hingegen ist das ein Geistesfilm, der in Dauerschleife läuft. Sie glauben so fest an die Wiederkehr des Nationalsozialismus (samt der Möglichkeit, diese Wiederkehr erfolgreich zu verhindern – und sich damit moralisch reinzuwaschen) wie an die nebenwirkungsfreie und bedingungslose Wirkung der Corona-Maßnahmen. Man darf diese mobilisierende Kraft des Nazifetischs niemals unterschätzen: Millionen Deutsche sind alleine wegen dieser Vorstellung bereit, sich gegen ihre Väter, Mütter, Geschwister, Kinder oder Freunde zu stellen.

Rundbrief der Redaktion

Melde dich kostenlos an und erhalte nur die wichtigsten Neuigkeiten des KRAUTZONE-Magazin.

Please wait...

Vielen Dank für die Anmeldung.

Vom letzten Antifa-Penner über die Reihenhaus-Familie bis hin zum renommierten Akademiker sitzt der Hass auf den renitenten, rechten Abweichler extrem tief. Das Staatsfernsehen und die schlechte Außendarstellung der AfD haben dazu einen gewichtigen Beitrag geleistet: Die Karikatur des alten, dummen, bierbäuchigen Pöblers dominiert bei der Darstellung des durchschnittlichen Wählers der Alternative. Das Selbstbild der linken Hassfront hingegen – und dafür steht der Aktivist Marcant symbolbildlich – setzt auf diametral entgegengesetzte Attribute: jung, reflektiert, körperlich und geistig gesund.

Für die Entmenschlichung des Gegenübers spielt die Errichtung und Bedienung eines konsistenten Selbst- und Fremdbildes eine entscheidende Rolle. Die Außenwirkung des verlinkten Tischgesprächs bildet das deutlich ab: Der verboomerte Vater wird sicherlich nicht von seiner verboomerten Gattin, aber dafür ganz bestimmt von seinen Zoomer-Töchtern bezwungen. Es ist nichts weiter als das kleine Einmaleins der Propaganda. Linke haben das verstanden und bedienen sich dieser Erkenntnisse mit großer Selbstverständlichkeit.

Dass der linke Komplex der späten Bundesrepublik bei genauer Betrachtung wenig Vitalität ausstrahlt, ja, dass es sich bei ihm im Kern selbst um den Boomerkonsens handelt, der bezwungen werden kann (und schließlich bezwungen werden wird), zeigt ein anderes Video:

Graue Haare, krumme Rücken, schäbig gekleidet, effeminiert (aber eben nicht sinnlich-attraktiv, sondern alt und frigide). Die Mäuler zum Gesang der Grönemeyer-Hymne verzerrt, der sich stolzgeschwellt „von Menschen“ umringen lässt (so nah war er ihnen das letzte Mal im Bauch der U-96). Das hier bleibt jedenfalls übrig, wenn man grüne Wahlplakate und Hochglanzaktivismus abkratzt und einen unverstellten Blick auf den linken Konsens der Späten Bundesrepublik wirft. Man muss dankbar sein für Videos wie dieses (bei meinem nächsten Besuch im Magdeburger Dom werde ich Weihwasser versprenkeln).

Die entscheidende Frage ist, wie es sich mit dem linken Konsens verhält, wenn die ersten rechten Regierungen etabliert und die Brandmauer durchbrochen ist. Sehen wir dann das reihenweise Umkippen? Will dann plötzlich keiner mehr etwas von seinem bösartigen Gehetze gegen „das rechte Pack“ wissen, so wie jetzt keiner mehr die Auffrischungsimpfung braucht? Oder hält sich der Nazifetisch, wird der „Widerstand“ fortgesetzt? Wird die oben abgebildete Familie endgültig zerbrechen? Eine rechte Partei, egal wie stark, wird jedenfalls nicht an dem von Linken dominierten Kulturkomplex vorbeiregieren können. Rentenerhöhungen und freie Kita-Mahlzeiten allein werden nicht reichen.


Dieser Artikel war frei lesbar

Trotzdem kostet uns die Erstellung Zeit und Geld. Unsere Kolumnisten schreiben seit Jahren gegen den täglichen Wahnsinn der Bundesrepublik an. Mit einer Spende kannst du sie unterstützen.

Bankverbindung
Blutdruck Verlag UG
IBAN: DE04 3204 0024 0783 7735 00


1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Weg wird kein leichter sein… Der aktive und passive Widerstand wird mit einer näher rückenden Regierungsbeteiligung der AfD erst richtig aufdrehen. Es ist illusorisch zu glauben, mit der Mehrheit der Parlamentssitze hätte man schon etwas gewonnen. Das Arsenal des juristischen, bürokratischen und medialen Kleinkriegs ist immens, ganz abgesehen von gröberen Formen des Widerstands.

    Rechtskonservative Intellektuelle haben immer wieder ausgeführt, dass der sog. Parlamentspatriotismus für sich allein noch kein Erfolgsgarant ist, sondern dass auch um kulturelle Hegemonie gerungen werden muss. Empörungsrituale in Endlosschleife reichen dafür nicht aus, weil sie als alleiniges Mobilisierungsinstrument auf Dauer ermüdend wirken und auslaugen.

    Kurzum: Das „reihenweise Umkippen“ in der Mittelschicht wird kommen, weil sie im Grunde unpolitisch und rein konsumorientiert ist und ihr Selbstbild aus der jeweils herrschenden Ideologie ableitet. Diese Ideologie muss sich nur erst mal durchsetzen.

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.