Poschardt versucht sich am „großen Austausch“

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Ulf Poschardt ist auf einer Mission: Jede alte Grundsatzthese aus dem Schnellroda-Kosmos will in den Mainstream getragen werden. Ulf vertritt jetzt offen die Identitären-Definition des großen Austauschs sowie der ethnischen Wahl von 2017. Zum Selbstschutz grenzt er sich dabei von Definitionen ab, die diese niemals vertreten haben, und stänkert ein wenig auf Twitter: Während er Tucker Carlson einen „kompletten Schwachmaten“ nannte, an dem deutlich werde, dass die „extreme Rechte komplett gestört wie die extreme Linke“ sei, adelte er ihn zeitgleich als „Schnellroda in gutaussehend und reich“.

Da musste offenkundig jemand halbherzig Abbitte leisten. Und diesmal tatsächlich für einen ziemlichen Klopper: Die ethnische Wahl ist zwar in rechten Kreisen weiß Gott kein neues Thema. Und vor allem, da Ulf im Antaios-Umfeld „das intellektuell Zwingende vermisst“ und diese Kolumne hier nur unter Aufwendung gravierender Selbstdisziplin verfolgen kann, da sie „unfassbar langweilig“ ist, kommt es schon etwas ironisch, sich gerade mit so etwas in der etablierten Neocon-Szene als mutiger Visionär in Stellung zu bringen: Martin Sellners Grundsatztext zu dem Thema in der „Sezession“ ist acht Jahre alt. 

Und trotzdem reden wir hier von einer signifikanten Verschiebung des Overton-Fensters, sowohl, was die immer noch herrschende Verpöntheit des Konzeptes angeht, als auch und gerade, was seine Wichtigkeit und kulturelle Sprengkraft betrifft. Es ist das erste ernsthafte Geschenk, das Poschardt uns auf seiner „An die Rechte andocken, um den Vibeshift zu zähmen“-Reise bisher gemacht hat. Die Absichten seiner Vorstöße bleiben dennoch feindlich. Aber gerade an diesem sehen wir, dass diese vermutlich zum Scheitern verurteilt sind.

Zunächst einmal grenzt er sich zum IB-Konzept des großen Austauschs ab, indem er diesem eine Intentionalität seitens elitärer Kreise unterschiebt, die es nie beinhaltete. Und zwar dezidiert nicht: Die identitäre Definition war seit jeher deskriptiv und hat die Absichten der handelnden Akteure nie thematisiert.

Die falsche Aufspaltung wird abgerundet von einem Verweis auf das passive Geschehenlassen von 2015 seitens der Merkel-Regierung. Wir befinden uns hier auf einem Nebenschauplatz, aber es gilt festzuhalten, dass:

erstens zahlreiche hochrangige Politiker ein ideologisches Interesse an der demografischen Verdrängung ethnischer Deutscher bekundet haben, zuletzt prominent SPD-Chefin Bärbel Bas („Vielfalt“ sei auch wichtig, um dem „Einheitsbraun etwas entgegenzusetzen“),

und zweitens Merkels Rolle mitnichten rein passiv war, sondern das Land in ihren 16 Jahren kulturell erst sturmreif für ruckartige, millionenfache Masseneinwanderung geschossen wurde. Die heute als aggressivste progressive NGO Deutschlands bekannte Amadeu Antonio Stiftung kannte vor ihrer Amtsübernahme 2005 kein Mensch. 2009 flossen die ersten Bundesmittel, und nach 2015 wurde sie über das Programm „Demokratie leben!“ mit Millionen an Steuergeldern versorgt. 

Deren Gründerin und langjährige Chefin Anetta Kahane fand nebenbei bemerkt 2015 noch deutlichere Worte als Bas: Das „größte Versagen der Politik seit der Wende“ bestehe darin, dass „ein Drittel des Landes weiß blieb“. Nun biete sich die historische Chance, dies zu korrigieren. 

Den deskriptiven Teil des großen Austauschs und der ethnischen Wahl – auf den sich identitäre Definitionen stets beschränkten – macht sich Ulf in der Folge vollumfänglich zu eigen. Der einzige feststellbare Unterschied besteht in seiner Priorisierung der Folgen dieser Phänomene: Tretmühlenartig stellt er importierten Antisemitismus als größtes Übel daran heraus, welches sich, wie man in Berlin sehe, nun auch legislativ auswirken könne. Die Vergewaltigungsepidemie etwa oder der Leidensweg deutscher Kinder an migrantisierten Schulen werden nicht erwähnt.

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Am Ende des Textes findet sich das wohl Interessanteste für alle, die (wie KRAUTZONE-Leser) den Grundgedanken schon längst dutzendfach mit weniger „historischer Verantwortung“ belastet gelesen haben: Auf die Anmerkung hin, den großen Austausch als bloße Verschwörungstheorie abzutun, scheitere zunehmend an der offensichtlichen Realität und blamiere bloß die etablierte Journaille, lautet der Schlusssatz:

„Auch auf die Intellektuellen und Vordenker des linken politischen Raumes wartet, so ist anzunehmen, ein großer Austausch.“

Gemeint ist hier sicherlich einer mit Islamisten beziehungsweise von solchen Verbogenen. Im Subtext schwingt aber mit: Dasselbe ist auch auf der konservativen Seite der Fall, und zwar hin zu jenen, die dieses Thema ernstzunehmend anfassen. Ulf will offenkundig auf der Sonnenseite letzteren Austausches landen und zeitgleich verhindern, dass jene unfassbar langweilige Intelligenzija, deren zehn Jahre alten Ideen er jetzt Springer-Boomern als revolutionär verkaufen kann, prägend wird.

Vor einem Jahr beschrieb er seine Strategie dafür als einen „machiavellistisch-liberalen Move“, mit „ausgesuchten Vertretern“ von AfD und Vorfeld – gemeint war damals Maximilian Krah anlässlich seines Kreuzzugs gegen Remigration – das „Gespräch zu suchen, um sie in eine Klärung zu zwingen“. So könne man sich inakzeptabler Forderungen wie massenhafter Ausweisungen entledigen, ohne sich je im offenen Konflikt gegen ihre Vertreter behaupten zu müssen.

Nun sehen wir: Um überhaupt noch mitreden zu können, muss Ulf Konzepte in den Mainstream tragen, die millionenfache Remigration als einzigen logischen Schluss übrig lassen. Denn einige Illegale und Kriminelle abzuschieben, verändert kein Wahlergebnis beziehungsweise verhindert nicht, dass wir durch das Anwachsen ethnischer Wählerblöcke Kipppunkte erreichen. Und zwar egal, wie rührselig man darauf verweist, dass der christliche schwarze Nationalspieler Felix Nmecha doch deutscher als wir alle sei. Das ist nicht nur durchschaubar und peinlich, es ist vor allem schwach.


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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Nun, wenn Poschardt dazu beiträgt, dass unsere Ideen mehr und mehr Leuten bekannt werden, kann uns das nur recht sein :-).
    Und wenn er wie ein Eisbrecher wirkt und unsere Pläne in die sogenannte „Mitte“ trägt; umso besser 🙂

    • Problem ist dabei, dass Poschardt dann dieser Mitte vorgeben kann, wie mit diesen Ideen umzugehen ist. Sofern diese Mitte keinen Kontakt in die neue Rechte findet, bestimmt Poschardt was die Reaktion auf den großen Austausch sein sollte

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