Bismarck-Denkmäler – Hier zeigt sich die Teilung Deutschlands

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Von Dr. Th. F. Ritter

Als am 30. Juli 1898 der vormalige Reichskanzler Otto von Bismarck im Alter von 83 Jahren starb, intensivierte sich in Deutschland ein Kult, der teilweise bis heute anhält. In den zwei Jahrzenten bis zum Ersten Weltkrieg (1914-1918) wurden in allen Teilen des Deutschen Reiches insgesamt weit über 700 Denkmäler für den Eisernen Kanzler errichtet: Statuen, Türme, Säulen, Gedenksteine und -bäume sollten die Erinnerung an den Reichsgründer aufrecht erhalten.

Östlich von Elbe und Werra, in den ehemals urpreußischen Gebieten und dem kleinstaatlichen Mitteldeutschland, gab es vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Sowjetisierung und anschließender Gründung der DDR eine reiche Bismarck-Denkmal-Landschaft. Erhalten geblieben sind hiervon nur kümmerliche Reste.

Komm, wir sammeln für das neue Bismarck-Denkmal

Was nicht im Kriege zu Rüstungszwecken eingeschmolzen wurde, fiel in der DDR der Säuberung der „feudalen“ Vergangenheit zum Opfer; höchstens Reste einzelner Bismarck- oder Kaiser-Denkmäler sind noch vorhanden. So beispielsweise in der ehemaligen Residenzstadt Gera: Im dortigen Stadtwald wurde 1888 ein Bismarck-Gedenkstein mit einem bronzenen Bismarck-Medaillon errichtet. Das Medaillon wurde 1942 für Kriegszwecke eingeschmolzen; nur die leere Kalkstein-Steele blieb erhalten und überdauerte unbehelligt den Realsozialismus.

Erst 2017 kamen Schüler des Karl-Theodor-Liebe-Gymnasiums im Rahmen ihres Geschichtsunterrichts auf die Idee das Denkmal wieder zu vervollständigen. 3.300 Euro Spenden wurden gesammelt, das Medaillon nachgegossen und der Gedenkstein wieder vervollständigt. Seitdem ehrt Gera wieder sichtbar den Begründer des Zweiten Deutschen Reiches.

Weitere Bespiele aus Mitteldeutschland könnten hier angeführt werden: Auch im sächsischen Markranstädt gründete sich ein Verein gleichen Zweckes und vervollständigte den dortigen Bismarck-Gedenkstein. Ebenso entstand im thüringischen Greiz ein Denkmal für den dortigen regierenden Fürsten, Heinrich XXII. Reuß aelterer Linie, wieder.

Im Westen nichts Neues

Anders sieht es im Westteil Deutschlands aus: Hamburg sei hier das pars pro toto, aber es ließen sich ähnliche Beispiele aus vielen weiteren Städten anführen. In Hamburg wurde 1906 die weltweit größte Bismarck-Statue errichtet. Sie überstand zwei Weltkriege nur leicht beschädigt und steht bis heute im Alten Elbpark. In der Nachkriegszeit wurden trotz der knappen Ressourcen finanzielle Mittel aufgebracht, um das kriegsbeschädigte Denkmal zu restaurieren; schließlich war die damalige Gesellschaft noch stolz auf den Reichsgründer.

2019 beschloß die Stadt Hamburg eine erneute Sanierung und bewilligte auch umgehend die notwendigen Gelder. So weit, so gut möchte der Eine oder Andere jetzt vielleicht denken. Leider hatten die Stadtoberen die Rechnung ohne die dortige „Zivilgesellschaft“ gemacht: In die Zeit der Sanierungsarbeiten fielen die „Black Lives Matter“-Proteste, die natürlich auch in der Hansestadt Anklang fanden. Und da Bismarck Schutzbriefe für deutsche Kaufleute erteilte, die in Afrika Handel trieben, woraus die ersten deutschen Kolonien entstanden, wurde Bismarck natürlich als „Rassist“ gebrandmarkt.

Eine reine Restaurierung des Hamburger Denkmals konnte es für diese „Aktivisten“ somit nicht geben. Dem Denkmal den Kopf abzuschlagen oder aus ihm einen Jedi-Ritter mit Laser-Schwert zu machen, diese kruden Ideen geistern seitdem durch Hamburg. Wie der Streit um das Denkmal ausgeht, wird sich zukünftig zeigen.

Zeig mir dein Bismarck-Denkmal und ich sag dir wie deutsch du bist

Diese beiden Beispiele des Umganges mit Denkmälern für Bismarck zeigen uns eines: den jeweiligen Blick der West- und Mitteldeutschen auf das eigene Deutsch-Sein und die eigene Geschichte nebst ihren Repräsentanten.

Während im Westen alles Deutsche verflucht wird, „undemokratische“ Geschichts-Denkmäler am besten gleich zerstört werden sollen und der DDR-Bildersturm sich nun dort wiederholt, ist es in der ehemaligen DDR, wo das Volk den Sozialismus erleiden mußte, andersherum. Mitteldeutschland ist stolz auf sich und seine Geschichte und widersetzt sich der ideologischen Zerstörung der eigenen Vergangenheit. Hier wird das Verbliebene konserviert und das Zerstörte langsam aber kontinuierlich wieder hergestellt.

Kurz nach dem „Tag der Deutschen Einheit“ ist es angebracht festzustellen: Eine „Mitteldeutsch-Werdung“ des restlichen Deutschlands wäre ein erster Schritt zur Lösung vieler Probleme in diesem Lande. Denn nur aus einem festen Geschichtsbewußtsein kann eine stabile Identität erwachsen, um den Stürmen des Morgen trotzen.

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