Ja, schon wieder Fuรball. Denn momentan รผberschlagen sich die Ereignisse: Zuerst kam das pinke Trikot, zu dem Kollege Finkelstein schon alles gesagt hat, was gesagt werden kann. Anschlieรend wurde der Sponsorenwechsel zu Nike verkรผndet, welcher Robert Habeck (โVaterlandsliebe fand ich stets zum Kotzenโ) zu der Aussage verleitete, dass โAdidas und Schwarz-Rot-Goldโ fรผr ihn schon immer zusammengehรถrt hรคtten und er sich von dem DFB-Team โein Stรผck mehr Standortpatriotismusโ gewรผnscht hรคtte. Die Satire schreibt sich von selber, auch hier muss kaum etwas ergรคnzt werden.
Erwรคhnenswert ist lediglich, dass die Aussage Habecks auf den zweiten Blick gar nicht so unlogisch ist, wie es erst einmal klingt. Schlieรlich wurde im unlรคngst verรถffentlichten Werbevideo ja offenbart, fรผr was und fรผr wen die Internationalelf inzwischen steht:
Multikulturelle Migranten mit mehreren Nationalitรคten, ein bisschen gruslige, senile Biodeutsche, die eben auch noch hier wohnen, ein paar schwรคchliche โAlmansโ, die sich ihrer literarischen Vergangenheit rรผhmen, und natรผrlich ein paar Mรผllers, die ihr Bestes fรผr den Erfolg des Projekts mit kulturellem Minimum geben. Das Wortpaar โkulturelles Minimumโ als Prinzip einer Leitkultur stammt รผbrigens von CDU-Chef Friedrich Merz, der natรผrlich nicht definieren konnte, was er darunter versteht. Was wir wissen, ist, dass โdie deutsche Nationalelf anfeuernโ nicht dazu zรคhlt. Einer der vielen deutschen Mรผllers, der noch in der Nationalelf spielt, dรผrfte nicht vergessen haben, wie das Spiel gegen die Tรผrkei in Berlin zum Auswรคrtsspiel wurde. โGewurmtโ hat ihn das damals. Der in Deutschland geborene Tรผrke Kaan Ayhan รคuรerte sich dagegen freudig: โEs kann eine Heim-EM werden.โ Fรผr die Tรผrkei, versteht sich.
Worin das kulturelle Minimum liegen kรถnnte, schrieb die โBildโ-Zeitung anlรคsslich des Auswรคrtsspiels in Berlin: โBemerkenswert: Bei der deutschen Hymne pfiffen die Gรคste-Fans nicht.โ Aber es gibt auch bindende Glieder zwischen den Tรผrken und Deutschen: Unser Kapitรคn ฤฐlkay Gรผndoฤan ist auch bei den Tรผrkei-Fans beliebt, immerhin bekundete er auf einem 2018 an Recep Tayyip Erdoฤan verschenkten Trikot โRespekt fรผr seinen Prรคsidentenโ. Damals natรผrlich noch an der Seite Mesut รzils, der sich inzwischen ja in seiner Heimat ganz offen dem tรผrkischen Nationalismus hingibt.
Weil die Leistung der Nationalelf stimmte, konnte darรผber allerdings weggesehen werden. Inzwischen ist das Konzept von Nationalitรคt sowieso dermaรen aufgeweicht, dass sich die deutsche Nationalelf in ein paar Jahren von der franzรถsischen wie frรผher nur noch durch die Farbe des Trikots und vielleicht die Sprache unterscheiden lassen wird. Wie ich bereits letztes Jahr geschrieben habe:
โNatรผrlich kann die Ausbildung von Nicht-Europรคern in Europa auch zu Erfolgen fรผhren, wie die Kolonialelf Frankreichs unlรคngst bewiesen hat. In einem Europa, in dem Nationalitรคt ein รคhnliches Wischiwaschi-Konzept ist wie Schรถnheit, Kunst, Geschlechter oder sonst etwas, sind diese Preise leider nur nichts mehr wert.โ
Fรผr den neuesten Aufreger sorgte Antonio Rรผdiger. Unlรคngst verรถffentlichte er auf Instagram ein Foto, auf dem er in voller Gebetsmontur den gern vom IS benutzten Tauhid-Finger nach oben streckt. Immerhin: Fรผr einen โ auch von Mesut รzil getรคtigten โ Like im Jahr 2020 fรผr ein Bild, das den franzรถsischen Prรคsidenten Emmanuel Macron mit Stiefelabdruck im Gesicht zeigte, hatte sich Rรผdiger damals รถffentlich entschuldigt. Der Post war vom russischen UFC-Kรคmpfer Chabib Nurmagomedow abgesetzt worden, der dadurch seinen โUnmutโ darรผber ausdrรผcken wollte, dass Macron von โislamistischen Terror-Angriffenโ gesprochen hatte.
Wen vertritt die Nationalelf eigentlich noch? Richtig: sich selbst. Auf dem Rasen stehen ein paar Millionรคre, die fรผr ein austauschbares Team Leistungen erbringen, um noch mehr Millionen zu bekommen. Dafรผr demรผtigt man sich nicht nur freiwillig mit hรคsslichen Trikots, man stรผlpt sogar die Regenbogenbinde รผber den Arm, ganz egal, wie sehr das der eigenen Religion widerstrebt.
Nur in Katar wollte der Ersatznationalismus unter dem Regenbogen, den sich lebensfremde Politiker so sehr als kleinsten kulturellen Nenner wรผnschen, nicht so gut ankommen. Auch die linken Trรคnen nach dem Verbot der Regenbogen-Kapitรคnsbinde konnten keinen Regenbogen in der Wรผstenlandschaft erzeugen. Blรถd war natรผrlich auch, dass mit der Politisierung des Teams die Leistungen immer schlechter wurden, ein blamables Vorrunden-Aus inklusive.
Die WM 2006 war wohl eines der Ereignisse, die mich damals patriotisch politisiert haben. Seitdem haben sich Deutschland, die Politik und die Nationalelf verรคndert. Umso bestimmter behaupte ich heutzutage: Wer Deutschland liebt, wรผnscht der โNationalelfโ ein schnelles Vorrunden-Aus.
