Berliner Fashion Week – Ein beachtenswertes Statement gegen linke Verbrechen

7. Juli 2025
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Schon seit Jahren erleben wir, wie gängige Veranstaltungen des Establishments für politische Statements gebraucht und missbraucht werden. Allen voran die Berlinale mit allerhand Veranstaltungen zu #MeToo, dem Starkmachen gegen rechts oder aber der Ausladung von AfD-Kulturpolitikern im vergangenen Jahr fungiert als Vorreiter des glamourösen und dekadenten Gratismuts. 

Dass es zur politischen Vereinnahmung derart prunkvoller und überkandidelter Events kommt, scheint mittlerweile unausweichlich. Und trotzdem war es gerade eine derartige Vereinnahmung in der letzten Woche, die die Berliner Fashion Week einmal erfrischend aufmischte. Am vergangenen Mittwoch stellte der deutsche Modedesigner Kilian Kerner die Spring/Summer-Kollektion 2026 seines gleichnamigen Modelabels vor.

Schon seit 2008 sind seine Shows fester Bestandteil der Berliner Fashion Week. Er gehört zu den namhaften Designern der Bundesrepublik, verkauft seine Mode in 14 verschiedenen Ländern, tritt regelmäßig als Experte in Fernsehshows auf, beispielsweise bei „Germany’s Next Topmodel“, und entwirft aktuell die Dienstkleidung für die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Kurz gesagt: Kilian Kerner ist fest im Mainstream des deutschen Modeuniversums verankert. 

Am Mittwoch also durfte das interessierte Publikum in der Berliner Uber Arena einen ersten Blick auf seine neue Kollektion mit dem Titel „DDR. Die gestohlenen Kinder“ werfen. Rund 30 Minuten dauerte die Laufsteg-Show. Zwischen Pailletten, Glitzer und Blumen in 80er-Jahre-Optik wurde das Hauptaugenmerk bei grauer Atmosphäre, gedimmtem Licht, Babygeschrei und düsterer Musik auf ein ganz besonderes Thema gelenkt, nämlich Zwangsadoptionen in der DDR. Dazu hatte der Designer sich mit dem Verein „Die gestohlenen Kinder“, der sich für die Aufarbeitung ebendieser Fälle stark macht, zusammengeschlossen und die Show eigenen Angaben zufolge rund ein Jahr lang vorbereitet. 

Mit seiner Kollektion legt Kerner den Fokus auf ein dunkles Zeitalter deutscher Nachkriegsgeschichte. Zwischen 1960 und 1989 wurden etwa 130.000 politisch dissidente DDR-Staatsbürger nach dem sogenannten „Asozialenparagrafen“ (Paragraf 249 Strafgesetzbuch) verurteilt, inhaftiert und damit unfreiwillig ihrer Kinder entledigt, die meist in die Obhut von linientreuen Verwandten und Bekannten gegeben wurden. Viele weitere Fälle von Zwangsadoptionen im Zusammenhang mit politisch verfolgten Eltern oder Eltern, die einen Ausreiseantrag aus der DDR gestellt hatten, sind bis heute nicht aufgeklärt. Die Rede ist von rund 15.000 Fällen von vorgetäuschtem Säuglingstod und 10.000 weiteren Fällen von Zwangsadoptionen. Doch die Zahlen variieren, offizielle gibt es keine. Bis dato wurden nur sieben Fälle von politisch motivierter Adoption in der DDR aufgeklärt

Bereits 2018 initiierte die „Interessengemeinschaft gestohlene Kinder der DDR e. V.“ eine Petition mit der Forderung nach Aufarbeitung von Säuglingstod und Zwangsadoption, die der Verein im April desselben Jahres an den Bundestag überreichte. Auch auf der Fashion Week kamen Mitglieder des Vereins explizit zu Wort. Frauen, die ihre für tot erklärten eineiigen Zwillingsschwestern suchen, Mütter oder Brüder, die ihre Verwandten wiederfinden wollen. Die Show endete mit einem Protest auf offenem Laufsteg. Gekleidet in Pullovern mit der Aufschrift „Wo sind unsere Kinder?“, mit Plakaten unter anderem mit der Forderung nach kostenlosem Rechtsbeistand und DNA-Tests und mit Hintergrundvideos von Angehörigen, die nach ihren Kindern, Geschwistern und Verwandten suchen, liefen Models und Vereinsmitglieder Hand in Hand zum großen Finale auf. Eine modische Inszenierung, die durchaus Eindruck hinterlässt.

Ob und inwieweit seine Show den Betroffenen nun tatsächlich helfen kann, bleibt unklar. Doch dass ein Designer einmal nicht dem politischen Mainstream frönt und in couragierter Gratismut-Manier allerhand etabliertem Quatsch eine Bühne gibt, sondern sich tatsächlich einem wichtigen Herzensthema widmet, das obendrein noch Unrecht an Deutschen in Deutschland anprangert, ist eine Besonderheit, die durchaus Erwähnung verdient. Gerade auch, dass die „taz“ sich nach der Show hervorragend echauffierte, die ganze Inszenierung als „Trauma auf dem Laufsteg“ betitelte und vorwurfsvoll Kerners westdeutschen Ursprung hervorheben musste, ist ein Grund mehr, sich die Arbeit von Kilian Kerner zumindest einmal anzusehen. Deutsche Popkultur ist noch nicht verloren.