Da es jüngst etwas Verwirrung um den Begriff „Westextreme“ gab, habe ich beschlossen, dass ein weiterer Terminus fällig ist, der explizit die Rechten betrifft, die mit Westextremen gegen einen äußeren Feind paktieren und unser Lager somit ans Messer liefern wollen.
„Westextrem“ ist ein Pol der herrschenden Beliebigkeitsideologie; eine der beiden dominanten Grundrichtungen des Liberalismus. Westextreme sind Liberale (im heute medial gebräuchlichen Sinne, also für ethnische, geschlechtliche und sexuelle „Vielfalt“), die, anders als die Woken, ihr Hauptaugenmerk nicht auf die Durchsetzung liberaler Ideale unter der indigenen einheimischen Bevölkerung legen und diese auch nicht übermäßig dafür verteufeln, rassistisch, sexistisch und diverse andere „Istischs“ zu sein. Ihr Blick nach innen ist gnädiger, dafür beäugen sie alles außerhalb der liberalen Welt mit heiligem Zorn und betrachten den Auftrag des „freien Westens“ darin, die armen Seelen, die anderswo leben, ebenfalls zu „befreien“ – von ethnischer Identität, Religion, Tradition… von allem, was Struktur gibt und nicht beliebig, sondern organisch gewachsen und unveränderlich ist.
Einige Rechte aus der Ukraine-Ultra-Fraktion begannen während Twitter-Scharmützeln über die geopolitische Ausrichtung unserer Szene, diesen Begriff auf sich zu beziehen. Das ist falsch. Westextrem sind Leute wie Ulf Poschardt, Jan Fleischhauer oder Paul Ronzheimer. Definierende Eigenschaft eines Westextremen ist, dass er die Verbreitung und/oder Verteidigung liberaler Ideale anstrebt.
Rechte wiederum, die in den Russen einen ethnischen Erzfeind sehen, in einer Eskalation mit ihnen vielleicht sogar die Chance auf eine Revanche für den Zweiten Weltkrieg wittern und aus dieser (die Ethno-Blindheit Liberaler plump invertierenden) Motivation heraus dafür eintreten, alle Differenzen mit unseren derzeitigen Obrigkeiten beiseitezulegen, um Seite an Seite mit ihnen die liberale Demokratie™ gegen Putin zu verteidigen – oder, in ihrer Fantasie, das deutsche Volk –, sind nicht westextrem. Sie sind nicht liberal, denn Ethnie dominiert ihr Denken vollständig. Und ironischerweise werden sie damit zu perfekten nützlichen Idioten für die Liberalen: zu Golemrechten.
Der Golemrechte ist leicht mittels Ästhetik in den Bann zu ziehen. Dieses Phänomen ist vergleichbar mit der Faszination Linker für akademische Optics: Zieh einer Chemikerin einen Laborkittel an, lass sie auf die freundlich-herablassende Art einer Grundschullehrerin reden und dabei mit Fachbegriffen um sich schmeißen, und sie wird zu „der Wissenschaft™“: zu einer Autorität auf jedem Feld, über das man sie in Talkshows referieren lässt, Virologie beispielsweise. Wer ihre Standpunkte übernimmt, ist aufgeklärt und gebildet, er steht auf der Seite „der Wissenschaft™“.
Beim Golemrechten kann man denselben Effekt mit militärischen Optics erzielen: Steck Kaja Kallas in eine Tarnjacke, gib ihr eine Panzerfaust in die Hand, und die Todfeindin europäischer Rechter wird „based“ und „genau, was wir brauchen“, wie der zum Kämpfen in die Ukraine gereiste AfD-Kommunalpolitiker Tim Schramm es ausdrückte. Ein jüngeres Beispiel: Der FDP-Kommunalpolitiker Falk Thore Gebhardt postete ein Foto von sich, auf dem er im Rahmen seiner Bundeswehr-Grundausbildung seine Uniform trug.
In der FDP scheint der Mann gut aufgehoben, er lichtet sich nämlich auch gern mal in schwulen Fetischklamotten ab. Eine veralbernde Gegenüberstellung dieser Bilder wurde von Golemrechten mit inbrünstiger Inschutznahme quittiert.
Und hier rücken wir zum Kern des Problems vor; zu dem, was das Phänomen zu mehr als einer lagerinternen Meinungsverschiedenheit macht: Golemrechte ziehen eine Freund und Feind neu definierende Konfliktlinie: Pro NATO oder Russenstusser und damit Volksverräter. So Gebrandmarkte sollen zu Unberührbaren und aus der Szene ausgeschlossen werden, was sie mittels Druck auf jeden, der sich noch mit ihnen abgibt, anstreben. Knickt derjenige nicht ein, soll er ebenfalls unberührbar werden.
Darüber hinaus wollen sie dieses Positionierungs-Diktat unserem innenpolitischen Freund-Feind-Schema nicht beifügen, sondern es dadurch ersetzen. Sie normalisieren Leute, deren erklärtes Ziel es ist, unsere Weltanschauung ein für alle Mal zu vernichten. In den Worten eines golemrechten Twitter-Nutzers, der auf meine Feststellung antwortete, dass ein FDP-Buchstabenmensch ein FDP-Buchstabenmensch bleibt, auch wenn er zur Bundeswehr geht: „Einer, der die Eier findet, für das deutsche Volk zu kämpfen, bleibt einer, der die Eier hat für das deutsche Volk zu kämpfen“.
Dass die Beweisschwelle hierfür in einem Modestatement besteht und dieser Typ, selbst würde er tatsächlich in den Schützengraben steigen, dieses Opfer für den Liberalismus und somit explizit gegen jeden positiven Bezug auf das eigene Volk bringen würde, spielt keine Rolle mehr.
Derart steuerbare Elemente des rechten Lagers stellen den ultimativen Keil dar, den Liberale in uns hineintreiben können (und es sicherlich auch schon tun). Er ermöglicht, durch die Aufkündigung des zivilisierten Umgangs sowie jeder Solidarität mit relevanten Teilen des Lagers, festgemacht an mangelnder Mainstreamkonformität in Sachen Geopolitik, einen Richtungsstreit zu forcieren und sich AfD und Vorfeld so zurechtzuschnitzen, dass man im Falle einer vielleicht bald nicht mehr abwendbaren Regierungsbeteiligung mit uns leben könnte. Er kanalisiert unsere Energie in die Selbstzerfleischung.
Darüber hinaus könnte die Dynamik auch noch entschieden düsterere Züge annehmen: Die Ukraine selbst hält sich ein eigenes Regiment solcher armen Teufel, deren (von ihren Obrigkeiten zutiefst verachteten und dem Kriegsziel einer Westanbindung diametral gegenüberstehenden) cartoonesk überzeichnete Überzeugungen sie zu ergiebigem Material für die Menschenmühle machen.


Es ist zweifellos richtig, dass wir uns nicht mit dem Feind gemein machen dürfen – weder mit den Westextremisten noch mit Russland und der dazugehörigen Russenstussern. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein zeitweilige, auf Nützlichkeit basierende, gemeinsame Aebeit bei gemeinsamen Interessen nicht von Vorteil sein könnte.
Eine Amnestie für diese Leute darf es dabei aber nicht geben. Wenn der FDP-Buchstabenmensch gegen Russland agiert – gut. Aber dafür auch nur einen Hauch von Respekt von rechter Seite zu erwarten, muss ausgeschlossen sein.
Zudem müssen Rechte viel genauer prüfen, wer tatsächlich dazugehört und wer nicht. Allein aus einer mangelnden Anpassung an den Mainstream Solidarität zu erwarten, reicht nicht. Das ist dasselbe wie bei Gottschalk und Konsorten: Ein zeitgeistkritischer Kommentar darf niemals genügen, um automatisch „einer von uns“ zu sein. Das hat nichts mit einem „Keil“ zwischen die Reihen zu trieben zu tun, sondern mit Auslese.
Neonazis, oder besser Rechtswoke, waren schon immer sehr gut als nützliche Idioten der Westextremen geeignet!
Ob im aktuellen Ukrainekrieg, im Maidan-Putsch 2014 in der Ukraine oder beim NSU (sofern die Uwes überhaupt was damit zu tun hatten) oder der Operation Gladio, als der amerikanische Geheimdienst Rechtswoke in der BRD zu heimlichen Untergrundkämpfern ausgebildet hat, die im Falle eines sowjetischen Einmarsches Guerrillakrieg führen sollten.
Zahlreiche südamerikanische Rechtswoke mal gar nicht erwähnt.
Schon die originalen Rechtswoken um den Kunstmaler mit dem lustigen Bart waren ein Segen für den damaligen Westen. In ihrem blinden Hass auf Juden, Russen und Kommunisten trieben sie einen Keil zwischen sich und die umliegenden Mächte.
Hätten nach der Weimarer Republik wieder die Hohenzollern übernommen, der zweite Weltkrieg wäre wohl von Deutschland gewonnen worden!
Daß dieselben, die den ersten Weltkrieg verloren haben, den zweiten gewinnen würden, ist dann doch eine (zu) steile Vermutung.
Richtig ist, daß es im weiten Feld rechter Politik viele Facetten gibt, die – weit genug betrieben – Schnittmengen mit politischen Haltungen anderer Art bilden. Das ist nicht falsch, sondern nur logisch. Was an der Stelle sowohl von als rechts Eingestuften als auch den „Nachbarn im Glauben“ eingefordert werden muß, ist die bedingungslose Ausrichtung am Wohl des eigenen Landes und dem des eigenen Volks.
Was das konkret bedeutet, kann manchmal diskutiert werden, in der weit überwiegenden Zahl der Fälle aber nicht.