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„Schlimmer als Deutschland 1945“ – Die linke Lüge vom geschenkten Wirtschaftswunder

8. November 2025
in 2 min lesen

Es mag einer dieser merkwürdigen Zufälle sein, aber der aufmerksame Zeitzeuge der Späten Bundesrepublik wird sich nicht des Eindrucks erwehren können, dass seit geraumer Zeit an der einen wirklich erbauenden Erzählung Nachkriegsdeutschlands gerüttelt wird: dem Wirtschaftswunder. So durfte etwa kürzlich die „taz“-Autorin und selbsternannte Wirtschaftsexpertin Ulrike Herrmann in einer Arte-Doku über das deutsche Wirtschaftswachstum hanebüchene Lügen verbreiten, ohne von echten Experten konfrontiert zu werden.

Das sich als alternative Erzählung des deutschen Wirtschaftswunders etablierende Narrativ ist dabei ein Sammelsurium aus unbelegten Behauptungen (die deutsche Wirtschaft war gar nicht so sehr zerstört), kruden Relativierungen (in Ländern mit Planwirtschaft gab es ebenfalls Wachstum) und plumpen Lügen (Ausländer haben Deutschland wiederaufgebaut).

Dass vor allem Sozialdemokraten das Märchen der türkischen Gastarbeiter verbreiten, die Deutschland nach dem Krieg wieder aufgebaut hätten, ist dabei nicht neu. Schon 2018 trumpfte Sigmar Gabriel mit dieser Behauptung auf. Dabei lässt sich rasch in Erfahrung bringen, dass das verhängsnisvolle Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei erst 1961 abgeschlossen wurde – unter erheblichem Druck der USA, die sich damit eine innenpolitische Entlastung des wichtigen NATO-Partners am Bosporus erhofften. Zu diesem Zeitpunkt war der Wiederaufbau in der Bundesrepublik bereits abgeschlossen, die Wirtschaft boomte dank jener marktwirtschaftlichen Reformen, die auf der Theorie der „Freiburger Schule“ (Ordoliberalismus) basierten und von Ludwig Erhard gegen erhebliche Widerstände durchgesetzt worden waren.

Nach Gabriel wurde das Märchen, das man spöttisch mit dem Bild der „türkischen Trümmerfrauen“ karikieren könnte, mit immer größerer Vehemenz vetreten. Nun sind sich nicht einmal CDU-Minister zu schade, diese Geschichtsklitterung zu betreiben. So erneuerte Außenminister Johann Wadephul im Rahmen seines Türkei-Besuchs den deutschen Brauch der rituellen Selbsterniedrigung, indem er behauptete:

„Es waren Menschen aus der Türkei, die das Wirtschaftswunder möglich gemacht und Deutschland mit aufgebaut haben.“

Diese vom offiziellen Account des Außenministeriums geteilte Sentenz steht nun, eingebettet durch den Faktencheck, wie ein Mahnmal auf Twitter/X.

Wadephul setzte aber noch ein paar Schippen drauf. Da man ihn in China gar nicht erst empfing, nutzte er eben seinen Besuch in Syrien, um der Welt zu zeigen, dass sich in Deutschland derjenige für ein politisches Spitzenamt qualifiziert, der bereit ist, das Wohl dieses Landes zu mindern und den Schaden zu mehren. Zuerst erklärte Wadephul, dass Syrien kein sicheres Land für eine Rückkehr der vielen in und von Deutschland lebenden Syrer sei. Nachdem diese Aussage in seiner Partei für Panik sorgte, bestärkte er seine Ansicht, indem er behauptete, dass Syrien schlimmer aussehe als Deutschland 1945 – und damit die besonders giftige Alternativerzählung bediente, dass unsere Großeltern damals, zwischen den ausgebombten Ruinen sitzend und der Willkür der Siegerjustiz ausgeliefert, es ja doch gar nicht so schwer hatten. Zumindest nicht so schwer wie ein syrischer „Flüchtling“, der ohne Pass, aber mit Smartphone seine Heimat und Familie zurücklässt, zig sichere Länder durchquert, nur um sich dann schließlich hier, in der Späten Bundesrepublik, niederzulassen.

Man darf den Theaterdonner, den Merz und seine Gefolgsleute jetzt um die Causa Wadephul abhalten, nicht ernst nehmen. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopfe her. Viel wichtiger ist hingegen die entschiedene Abweisung jener giftigen Erzählung des „geschenkten Wirtschaftswunders“, ganz gleich, ob sie nun durch einen bräsigen Politmanager oder als spannend verpackte Arte-Doku daherkommt.

Deutschlands wirtschaftlicher Aufstieg nach dem Zweiten Weltkrieg war keine Selbstverständlichkeit, kein unverdientes Geschenk, kein historischer Zufall. Er war das Resultat harter und entbehrungsreicher Arbeit, intelligenter Reformen und eines Geistes, der Politik, Unternehmer- und Arbeiterschaft gleichermaßen erfasste und einte. Er war das genaue Gegenteil der heute an allen Ecken und Enden festzustellenden Agonie und Zersetzung. Das Wirtschaftswunder, die Idee des Wohlstands durch Fleiß und Tatkraft, das Bild eines sich aus Ruinen erhebenden neuen Deutschlands ist gefährlich für die linke Elite – es zeichnet nämlich ein gutes, ein vereinendes, eines warmes Bild unseres Landes und unseres Volkes.

3 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Es ist zu befürchten, dass diese Alternativerzählungen auf fruchtbaren Boden fallen. Die Bildungskatastrophe, das Aussterben der damaligen Augenzeugen und das gierige Aufgreifen dieser Erzählungen durch anerkennungssüchtige „Experten“ in Medien und Kultur sorgen schon dafür.

    Nicht zuletzt unterstützen diese Alternativerzählungen die Transformation des Landes in den ersehnten Eine-Welt-Staat. Zur gemeinsamen Durchsetzung dieser „Vision“ reichen sich Dummheit, Kalkül und Lüge die Hände.

  2. In einem Punkt stand die deutsche Wirtschaft 1945 tatsächlich gar nicht so geschädigt da: Das Wissen und der Wille zu fähiger Arbeit war trotz aller Schäden und Aderlässe noch breit vorhanden.
    Ganz anders als heute wo sogenannte künstliche „Intelligenzen“ von Keingeistern bedient werden die schon für simpelste Grundrechenaufgaben wie das Ermitteln des Rückgelds nicht mehr ohne Taschenrechner auskommen.

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