Orbáns Niederlage – Trump warf einen langen Schatten

14. April 2026
in 3 min lesen

Viktor Orbán hat vieles richtig gemacht. Trotz erheblicher Macken, allem voran (und sehr entgegenkommend ausgedrückt) einem Mangel an persönlicher Genügsamkeit in seinen oberen Riegen, diente er der neuen Rechten als Paradebeispiel für die Umsetzbarkeit eines langfristigen Siegeszuges aufbauend auf metapolitischem Raumgewinn. Fremdsteuerung vs. Souveränität zum übergeordneten Mittelpunkt seines Wahlkampfes zu machen, war inhaltlich wie taktisch richtig. Nur mangelte es an Konsequenz. 

Drei Faktoren dürften bei seiner Niederlage eine Rolle gespielt haben, von denen er zwei selbst hätte ausmerzen können: zum einen Korruption und Dekadenz, der man vor Jahren den Kampf hätte ansagen müssen. Gerade im Hinblick auf die Vetternwirtschafts-Angriffsfläche, die die AfD sich in Sachsen-Anhalt geleistet hat, sollte man sich hier Notizen machen. 

Zum anderen enorme äußere Geldflüsse – höchstwahrscheinlich aus Richtung EU, Ukraine und altbekannter Philanthropen – in die Tasche seines Herausforderers sowie mediale Einflussnahme aus derselben Richtung. Hiergegen konnte er wenig unternehmen, außer sich selbst als den Souveränitäts-Kandidaten in Stellung zu bringen, wie er es auch tat. Der dritte Aspekt wiederum unterminierte genau diese Botschaft: Amerika und Israel.

Amerika selbst hat ein Souveränitätsproblem. Für viele Osteuropäer wie die Ungarn, in deren Köpfen erheblich weniger Antisemitismus-Angst und historische Schuldgefühle herumgeistern als in unseren, dürfte das mit dem Irankrieg geradezu offensichtlich geworden sein. Ein übermäßiges Anschmiegen an Trump birgt daher die Gefahr, dass eine erhebliche Wählergruppe das eigene Angebot nicht einmal als Zukunft Ungarns als Premium-Außenposten einer Weltmacht interpretiert – was den auf Souveränität aufgebauten Wahlkampf schon genug unterläuft –, sondern als Satellit eines Satelliten.

Diese Wählergruppe, und darüber hinaus auch jene, denen eine Amerika-Unterwerfung in sich selbst Bauchschmerzen bereitete, hätte Orbán kaum gründlicher demobilisieren können, wenn er es versucht hätte: Vance, der einen gelangweilten Trump über seinen Handylautsprecher zu einer Wahlkampfveranstaltung dazuschaltet. Netanjahu als Ehrengast bei CPAC, der absagt, aber seinen Sohn und eine Videobotschaft schickt. Der Sohn bewirbt dann auf der Bühne minutenlang den Irankrieg …

https://twitter.com/YairNetanyahu/status/2036800666698433009

… bevor Papa den Saal vom großen Bildschirm aus belehrt:

„Ich will mich dafür bedanken, dass ihr zu Israel haltet. Denn ihr wisst, dass Israel der vorderste Außenposten ist, der unsere gemeinsame Zivilisation vor dieser Flut radikaler, fanatischer Muslime beschützt, die (…) alle eure Länder bedrohen.“

Das ist zum einen falsch: Europa hat keine nennenswerten schiitischen Populationen, und was die tatsächlichen, größtenteils vor absehbarer Zeit importierten Islamismusprobleme angeht: Israel unterstützt aggressive Watchdog-NGOs wie die „Anti-Defamation League“, die Gegner der Masseneinwanderung bekämpfen und für den Einsatz staatlicher Machtmittel markieren.

Immer wieder drängt sich der Eindruck eines doppelten Spiels auf: Linksgerichtete israelische Lobbyverbände fördern die Ansiedlung von Islamisten im Westen, während rechtsgerichtete unseren Unmut darüber dann in rachegetriebene Unterstützung amerikanisch-israelischer Kriege kanalisieren.

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Zum anderen führen diese Kriege, mit denen man sich offenkundig solidarisieren muss, um sich im Schein der Trump-Regierung sonnen zu dürfen, noch eine weitere Marke Orbáns ad absurdum: Frieden. Die hatte er sich teuer erkauft: Als Bremsklotz für EU-Ukrainehilfen stellte Orbán ein derartiges Ärgernis dar, dass die Selenskyj-Regierung unter fadenscheinigen Vorwänden (die Russen hätten mal wieder ihre eigene Pipeline gesprengt) den Ölfluss durch die Druschba-Pipeline blockierte, was die ungarischen Energiepreise deutlich erhöht hat. 

Kürzlich drohte Kiew Orbán sogar unverhohlen mit einem Mordanschlag: Sollte er das 90-Milliarden-Paket weiter blockieren, würde man seine „Adresse an unsere Jungs weitergeben, auf dass sie ihn anrufen und mit ihm in ihrer Sprache reden“, so Selenskyj, der beim Stichwort „unsere Jungs in Richtung seines Geheimoperationen-Chefs Budanow blickte, Anfang des Monats. 

Die gestiegenen Energiepreise dürften Gift für Orbáns Wahlkampf gewesen sein. Dem verdienten Anspruch darauf, als Ausweg daraus betrachtet zu werden, dass Ungarn als Spielball Brüssels die Eskalationsspiralen westlicher Geokonflikte mit hochgetrieben wird, ließ die Dauerpräsenz Washingtons und Tel Avivs im Wahlkampf aber gleichzeitig die Luft raus. Der verheerende Eindruck: Es geht eigentlich nur um die Frage, für welchen fremden Krieg wir Cheerleader spielen. Also warum unterwerfen wir uns nicht gleich denen, die zumindest wieder das billige Öl zu uns durchlassen können?

Die nächste Bundestagswahl wird im Frühjahr 2029 stattfinden, also kurz nach dem Ende der Trump-Regierung. Ein Glück, wie Ungarn uns lehren kann: Die vergangene Wahl fand früh genug statt, dass Washingtons PR-Hilfe noch kein derartig zweischneidiges Schwert war, und bei der nächsten ist sie weg. Ungarn hat unterdessen zeitlich den Schwarzen Peter gezogen. Sollte Washington der AfD in Sachsen-Anhalt, als erstem Landesverband mit rechnerischen Chancen auf eine AfD-Regierung, im Wahlkampf das Orbán-Paket anbieten, wäre es wohl besser, sehr, sehr höflich abzulehnen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. CPAC & Ko sind sehr kritisch zu sehen. Zwar ist es grundsätzlich zu begrüßen wenn sich landes- und traditionsbewahrende Gruppen untereinander vernetzen, aber diese Veranstaltung ist außerordentlich VSvA-zentrisch und damit mehr Unterwanderung denn Unterstützung.

    Die herrschende Brüsselokratur ist schon durch und durch transatlantisch, daß nun auch deren Gegenpol unter dem süßen Gift der Unterstützung sich zunehmend und freiwildig zum Wurmfortsatz von Kräften jenseits des Großen Teiches selbst degeneriert ist schä(n)dlich.

    Immerhin sind die nächsten Landtagswahlen in den nordöstlicheren Bundesländern, dort ist die blaue Alternative noch kritischer eingestellt als in den alt-BRD-sozialisierten Westbindungsrestwohlstandshochburgen, in denen sich die Königin mit ihrem Klüngel anschickt da weiterzumachen wo ihre schwarzenden Vorgänger aufgehört haben und dafür schon genug Kollateralschäden in eigenen Reihen verursacht haben.

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