Vetternwirtschaft, linke Ideologie und die reichliche Düngung durch staatliche Gelder haben die deutsche Film- und Serienindustrie in einen gärenden Misthaufen verwandelt. Man kann mit kafkaesker Ernsthaftigkeit immer und immer wieder in diesem Haufen herumwühlen und das Ganze „Kritik“ nennen, wie das ja ausgerechnet von linker Seite durch den Dandysimulanten Wolfgang M. Schmitt geschieht. Man kann sich hingegen auch auf die Suche nach den wenigen Pflänzchen machen, die inmitten des ganzen Abfalls hier und da zu finden sind – und sich dabei die Frage stellen, wie so etwas Unwahrscheinliches wie eine gute deutsche Bewegtbildproduktion doch zustande kommen kann.
Die Serie „Stromberg“ ist so ein unwahrscheinliches Gewächs. Zwischen 2004 und 2012 begleitete der Zuschauer den gleichnamigen Abteilungsleiter einer Versicherung durch dessen scheinbar dokumentarisch aufgezeichneten Büroalltag. Der überwältigende Erfolg dieser Serie und ihre ungebrochene Popularität schöpfen sich dabei maßgeblich aus der regelrecht naturalistischen Abbildung der Arbeitsrealität eines durchschnittlichen Angestellten. Die grotesk hässliche Welt des Büros, untermalt vom Röcheln der Kaffeemaschinen, die Organisation unterschiedlichster Charaktertypen, die vom unauffälligen Langeweiler bis zum verhaltensauffälligen „Aktenmongo“ reichen, die Tag für Tag mehr simulierte denn verrichtete Arbeit und inmitten dieser Welt der Mittelmäßigkeit dann „der Chef“ oder „der Papa“, wie sich der großspurige Bernd Stromberg zu nennen pflegt. Der jagt im Getriebe des Verischerungsalltags mit wenig fachlicher Kompetenz, aber dafür umso mehr Gerissenheit dem Phantom namens Karriere nach.
„Stromberg“ ist eine dieser Produktionen, die sich immer und immer wieder anschauen lassen. Abertausende Fans können ganze Passagen der Serie auswendig, und so manche Geste und mancher Spruch sind längst Insider geworden. Die Genialität von „Stromberg“ liegt in der meisterhaften Abbildung des Banalen – darin übertrifft die deutsche Produktion die slapstickhaft aufgezogene Vorlage „The Office“ bei Weitem. Wer mal das Pech hatte, seine geregelte Arbeitszeit in einem normalen deutschen Büro zu verbringen, der weiß, wie echt sich „Stromberg“ anfühlt, wie real die dort abgebildeten Büromenschen eigentlich sind.
Gewöhnlich wird die Serie „Stromberg“ gerne auf den Chef Bernd Stromberg verkürzt: der inkompetente Fiesling, von dem keiner weiß, wie er eigentlich Chef werden konnte. In Wahrheit gibt es neben Stromberg aber auch sonst keinen anderen echten Sympathieträger. Sowohl seine Mitarbeiter als auch seine Chefs rangieren zwischen karrieregeilen Strebern und „Dumpfbirnen“. Mitleid hat man wegen der bissigen Bemerkungen oder der aufgebrummten Mehrarbeit also nie, denn das ist die meiste Zeit unterhaltend und komisch. Tragikomisch und dadurch wirklich hervorragend wird die Serie aber immer dann, wenn Stromberg ungewollt seine menschliche Seite zeigt.
Das war jetzt eine einigermaßen ausufernde Einführung in den „Stromberg“-Kosmos, der geneigte Leser mag mir das verzeihen. Zum jüngst erschienenen Kinofilm – es ist der zweite – gibt es eigentlich nur eins zu sagen: Mist. Was beim ersten Film von 2014 trotz der Verlagerung der Kulisse vom gewohnten Büro in ein Tagungshotel gelang, ist jetzt nur noch ein wehmütiger Nachhall. „Stromberg – Wieder alles wie immer“ verkrampft sich beim Verusch, eine Metaebene zu konstruieren. So sollen sich der Chef, der nun bei einer globohomoartigen Bullshitagentur als eine Art negatives Rolemodel arbeitet, und seine in die Jahre gekommenen Ex-Mitarbeiter im Rahmen einer Fernsehshow wiederbegegnen und in alten Erinnerungen schwelgen. Das aber droht zu scheitern, weil nicht nur zwischen den Protagonisten alte Konflikte aufbrechen, sondern weil sich die Produktionsfirma unsicher ist, ob man dies oder das noch zeigen könne.
Stromberg kriegt irgendwann einen Nervenzusammenbruch und legt eine Art unbeabsichtigten Amoklauf hin (nein, es kommt keiner ums Leben). Das Ganze wird vom wabernden Social-Media-Äther dauerkommentiert, schließlich springt Stromberg von der Brücke (nein, er kommt nicht ums Leben), die Fernsehshow findet statt, und alle sind sich einig, dass es damals bei und mit Stromberg so schlimm nicht gewesen sei. Peinlich berührt von den abschließenden Einspielern von Lars Klingbeil (SPD) und Carsten Linnemann (CDU) heißt es dann für den Zuschauer: Klappe zu, Affe tot (nein, auch der kommt nicht ums Leben).
So oder so ähnlich stelle ich mir auch den neuen „Schuh des Manitu“ vor, den ich mir aber sicherlich nicht ansehen werde, denn noch eine deutsche Mistproduktion halte ich nicht aus. Leute, die Ulf Poschardt für einen knallharten Journalisten halten und glauben, dass „wieder alles wie immer“ wird, wenn Merz erklärt, dass „Zigeunerschnitzel“ und „Neger“ zu Deutschland gehören, mögen den Film für originell halten und sogar auf einen dritten Teil in zehn oder 20 Jahren hoffen. Ich hingegen will es bei der Serie und dem ersten Kinofilm belassen. Wem das nicht reicht, der kann noch über die Impf-Werbung lachen.
Dann heißt es aber wirklich: Ciao Ceaușescu.

