Die „demokratischen Parteien“ treffen ihr politisches Vorfeld

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Die Ökovandalen der Letzten Generation waren vergangene Woche aus gleich mehreren Gründen wieder einmal in aller Munde. Zum einen haben sie sich auf dem Hamburger und dem Düsseldorfer Flughafen an die Rollfelder geklebt, knapp 40 Flüge damit verunmöglicht und wurden anschließend alle zehn „mangels ausreichendem Verdacht auf gefährlichen Eingriff in den Flugverkehr“ wieder auf freien Fuß gesetzt. Zum anderen gab es das große Heulkonzert anlässlich des Mitschleifens eines Autobahnblockierers, der sich nach seiner Entfernung von der Fahrbahn durch einen denkbar angepissten Lkw-Fahrer in dessen Rücken wieder vor den Laster gesetzt hatte, während dieser wieder in sein Gefährt stieg.

Und zu guter Letzt, und bei Weitem am interessantesten, veröffentlichte die „Welt“, wie gewöhnlich, wenn sie mal was Interessantes zu berichten hat, hinter einer Paywall, Einblicke in interne Protokolle der Letzten Generation zu 22 verschiedenen Treffen mit Bundestagsabgeordneten, mehreren Landesregierungen und 35 Oberbürgermeistern, die alle seit Beginn des vergangenen Jahres stattfanden.

Mit dabei: Vertreter „aller demokratischen Parteien, wie seit ein paar Jahren der Lieblingsframe gegen die AfD lautet. Jup, von den Grünen bis zur CSU: Alle außer den Blauen sehen in den Terroristen, die in Österreich gerade wieder jemandes Tod verschuldet haben und im Wochentakt Krankenwagen und Schwangere in den Wehen aufhalten, legitime Akteure, deren gewaltsam erpresste Forderungen Gehör finden sollten. Diese Staatsnähe soll laut Protokollen noch ausgebaut werden: „Viele der Abgeordneten sicherten ihnen zu, Kontakte zu weiteren zu vermitteln.

Die Grünen-Abgeordnete Katharina Beck beteuerte überdies, die Gruppe fortan über „interessante Vorgänge auf dem Laufenden zu halten, mit anderen Worten: eine Bespitzelung des Bundestages. Überraschend vielleicht für den Otto Normalbürger, wenig überraschend für mich: Von den Forderungen her sind grüne Partei und Letzte Generation ja selbst auf der Oberfläche deckungsgleich, und was die Radikalität betrifft, muss man auch nicht gerade im Zwischen-den-Zeilen-Lesen geschult sein, um das zu erkennen. Auch dass Helge Lindh sich bereit erklärte, „die SPD zu infiltrieren, überrascht mich ebenso wenig wie die Tatsache, dass die SPD-Ministerpräsidentin des Saarlandes so viel Eigeninitiative ergriff, sich eine „lustige Aktion für ihre Vorhut auszudenken: Sie schlug vor, sich an einem alten Tisch von ihr festzukleben – „als Gag für die Medien.


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Gespannter war ich darauf, was FDP und CSU so mit ihren, geht man nach ihren öffentlichen Behauptungen, vielleicht nicht Feinden, aber in jedem Fall Gegnern besprochen haben: Joachim Herrmann, der CSU-Innenminister Bayerns, gelobte Besserung in Sachen Klima und beschwor, es gehe voran, während er dem (nominellen) Gründer der von den Milliardären des Climate Emergency Fund bezahlten und kontrollierten Organisation dauerhaften E-Mail-Kontakt versprach. Die Protokolle der mehreren Gespräche mit FDP-Bundestagsabgeordneten allerdings, die finden in dem Medium, in dem Lindners Frau beruflich vor der Kamera steht, nicht einmal hinter der Bezahlschranke Platz. Schade. Wahrscheinlich war’s einfach zu langweilig oder so.

Aber eine letzte Perle haben sie noch für uns: die Medien. Dass der im mindesten linksradikale und damit nicht gerade subtile Tilo Jung sich mit ihnen hinsetzt, ruft bei mir nur ein Gähnen hervor, dass er mit ihnen jedoch Slogans für Aktionen wie „Schluss mit eurem Wachstumsterror” beziehungsweise „Wachstumszwang entwirft, dann aber schon ein kleines Schmunzeln. Aber die Frage, die uns allen unter den Nägeln brennt, ist natürlich: Was lief mit den Öffis, unserer neutralen Gebührenpresse, dem Grundpfeiler unserer Demokratie? Nun, ARD-Moderatorin Anja Reschke wird offenbar bald auf einen Kaffee getroffen werden, was mit der Redaktion von Böhmermann schon geschah: „Keine direkte Zusammenarbeit, aber die feiern uns, heißt es in den Protokollen über das Ergebnis.

Das Traurige an der ganzen Geschichte ist eigentlich, dass das Kasperletheater noch von irgendwem ernst genommen wird. Wir reden hier von einer Organisation, die mit einer niedrigschwelligen Terrorbedrohung gegen die Zivilbevölkerung fordert, genau das noch viel rücksichtsloser bezüglich der Mehrheitsmeinung durchzusetzen, was die Regierung sowieso will. Als würden sich Chinesen auf die Straße kleben und fordern, die Strafen für „Winnie-the-Pooh“-Witze endlich zu verschärfen. Was wir sehen, ist keine Infiltration, wir sehen einfach nur, dass der Schwanz fest am Hund hängt.