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Die Kita und der Weihnachtshass

14. Dezember 2023

Bei der Hamburger Kita Mobi gab es gerade, so titelte „T-Online“, einen „Polizeieinsatz nach Hass“. Der Hass bestand in der Spende eines Weihnachtsbaumes und diversen Spielzeug-Geschenken für die Kinder, und die Polizei kam, weil die Kita den Spender wegen Hausfriedensbruchs anzeigte, weil er ihnen Baum und Geschenke vor die Tür gestellt hatte, aber eins nach dem anderen.

Die Kita Mobi stellte, wie das „Hamburger Abendblatt“ berichtete, die Eltern in einem Rundschreiben vor die vollendete Tatsache, dass es „im Sinne der Religionsfreiheit“ anders als in den Vorjahren dieses Weihnachten keinen Baum geben wird: „Wir haben uns im Team dagegen entschieden, da wir kein Kind und seinen Glauben ausschließen wollen“, so die Kita wörtlich. Im Klartext: ein Einknicken vor muslimischen Eltern, die wegen solch ungläubigen Götzendienstes Stress machen würden. Dass es hier explizit um die Vermeidung von christlichen Symbolen geht, muss man ihnen auch nicht gerade aus der Nase ziehen; in dem Rundbrief an die Eltern sagen sie es explizit. Nach einem Verweis darauf, dass man aber trotzdem zur Winterzeit Kekse backen werde, schreiben sie: „Es sollen jedoch keine christlichen Feste gefeiert werden.“ Klarer geht es kaum.

Nicht klar genug allerdings war die Sachlage offenbar für ein Rudel linker Journalisten und Aktivisten, die auf Twitter unter einem „Focus“-Artikel sowie dessen Retweet seitens Seehofer Sturm liefen, bis dort der eigenartigste Community-Notes-Faktencheck auftauchte, den ich jemals gesehen habe:

„Hierbei handelt es sich um Fake News. Die Stiftung der Kita stellt auf ihrer Website den Sachverhalt klar und weist auch darauf hin, dass sie durch den Bild/Focus-Artikel mit schlimmsten Bedrohungen konfrontiert ist.“

Letzteres ist, selbst wenn diese Behauptung keine bloße Taktik der Kita wäre, um sich gegen Kritik zu immunisieren, völlig belanglos für den Wahrheitsgehalt der Artikel. Es in einem Faktencheck anzuführen, als spiele es eine Rolle, mieft unverwechselbar nach dem woken Playbook. Und mit Ersterem beziehen sie sich auf eine Richtigstellung des Kita-Trägers, in der dieser im ersten Satz einfach deklariert: „Die aktuellen Presseberichte, die unterstellen, die Kita Mobi würde christliche Traditionen abschaffen, sind falsch“, gefolgt von einer ellenlangen Ballade über besagte „rassistische Drohungen“ und dem Verweis darauf, dass in anderen Kitas unter seiner Trägerschaft sehr wohl Weihnachtsbäume stehen. Niemand hat übrigens das Gegenteil behauptet.

Um das Offensichtliche auszusprechen: Im Nachhinein zu deklarieren, dass niemand die Absicht habe, christliche Feste abzuschaffen, nachdem die Kita selbst in einem Rundschreiben exakt das gesagt hat, rüttelt an der Faktenlage nicht im Geringsten. Ansonsten könnte ja jeder, über dessen kontroverse Aussagen Artikel geschrieben würden, diese im Nachhinein faktencheckwürdig machen, indem er einfach auf einmal das Gegenteil behauptet. Nun zu einer kleinen Whitepill: In der vergangenen „Honigwabe“ wiesen wir auf die Absurdität dieses Faktenchecks hin und baten die Zuschauer, auch Twitter über die Bewertungsfunktion der Community Notes davon in Kenntnis zu setzen – mit Erfolg.

Der Faktencheck ist nun verschwunden. Community Notes gemeinsam als „nicht hilfreich“ zu bewerten, kann also offenkundig ein Mittel sein, sich gegen Umtriebe dieser Art zu wehren.

Und nun zur absoluten Clownspill und damit zurück zum Anfang: Die Baumschule Pflanzmich.de reagierte auf den Unmut der Eltern der Kitakinder und der breiteren Öffentlichkeit mit einer entwaffnenden Geste: Ihr Chef Florian Schröder platzierte nachts eine prächtige Tanne sowie einige Geschenke für die Kinder vor dem Eingang der Kita.

In einem offenen Brief bot die Baumschule an, der Kita sogar noch weiteres Spielzeug zu stiften, das sie aus Spenden ihrer Mitarbeiter finanziert hatte. Die Kita rief daraufhin die Polizei und erstattete Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Dass der Hausfrieden bereits vor dem Eingang beginnt, war mir neu, aber wenn dem so ist, erwartet meinen Briefträger auch eine saftige Anzeige – Jacky hatte also recht mit dem Typen. Baum und Präsente landeten so also bei der Polizei, wo die Baumschule sie vergangenen Samstag abholte, aber nicht einfach so: Verkleidet mit einem Weihnachtsbaumkostüm und bewaffnet mit einer Kamera nahmen sie ihren Baum wieder in Empfang, um dann einen Clip davon auf Twitter zu veröffentlichen.

https://twitter.com/pflanzmich/status/1733477509776257050

Falls Ihr Euch im Raum Hamburg rumtreibt und noch auf der Suche nach einer Festtagstanne seid, solltet Ihr bei Pflanzmich.de fündig werden.

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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