Disneys reaktionäre Meisterwerke

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Wir alle kennen und haben doch diese Momente, wo wir, ermüdet vom Blick in den heranrückenden Abgrund, versuchen, uns in Nostalgie zu ertränken, und auf die schönen Momente unserer Kindheit und Jugend zurückblicken. Ein Teil meiner Kindheit sind die Zeichentrickfilme, die der Megakonzern Disney bis 2009 produzierte, ehe er das Zeichentrickhandwerk – das spätestens ab den 90ern ohnehin zunehmend durch Computertechnik unterstützt wurde – durch Animationen ersetzte.

An dieser Stelle möchte ich einmal eine Lanze für die Ästhetik des Zeichentrickfilms brechen: Welch starke und liebevolle Szenen hat man dort in langwieriger Arbeit erzeugen können! Die besten unter ihnen verdienen meines Erachtens den gleichen Rang wie die ikonischsten Filmszenen Hollywoods. Und Disney hat da kein Monopol: Filme von Don Bluth, dessen „In einem Land vor unserer Zeit“ mir besonders ans Herz gewachsen ist, oder aus dem Studio Ghibli sind ebenso, wenn nicht sogar noch viel mehr als Disney in der Lage, die Gipfel der Zeichentrickkunst auszureizen. Seien es die warmen, rot-goldenen Farben bei Bluth, die beim Konkurrenten Disney in dieser Form selten in einer solchen Anmut zu finden sind, oder die verwirrenden Mixturen aus der Fantastik japanischer Mythologie und der Darstellung brutaler Realität bei Hayao Miyazaki – man sollte Zeichentrickfilme keinesfalls als billige Unterhaltung für Kinder abtun.

Aber zurück zu Disney: Heutzutage zeichnet sich der Konzern als typischer Globohomo-Monopolist aus. Er kauft alles auf, was nicht bei drei auf dem Baum ist (zum Beispiel „Star Wars“), und verbreitet dabei die im Westen hegemoniale linksliberale Ideologie, wie wir sie kennen und lieben: LGBT-Propaganda, Multikulturalismus beziehungsweise Antirassismus und Dritte-Welle-Feminismus. Doch das war nicht immer so: Mein liebster Disney-Film war, mit Abstand, „Der König der Löwen“ von 1994. Neulich dachte ich über diesen Film nach, besonders über die Figur des Scar, des Bösewichts im Film und wortwörtlich schwarzen Schafs der Königsfamilie, und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Scar ist ein Linker!

„Blödsinn!“, denken sich die meisten, doch seht: Seine Familie bedeutet ihm nichts, er verachtet den Status quo und die Alte Ordnung, er begeht Königsmord, er nutzt die Niedersten der Gesellschaft für seine eigenen Machtinteressen aus, er führt eine Massenimmigration ins Geweihte Land gegen den Willen der dort ansässigen Bevölkerung herbei, er entmachtet in einer Art Revolution die Löwen (also die Aristokraten), er übernutzt das Land und ruiniert es damit wirtschaftlich, er wird am Ende von seiner eigenen Revolution gefressen (im wahrsten Sinne des Wortes), und, als Kirsche auf dem Sahnehäubchen, er führt das Geweihte Land in eine Hungerkatastrophe, die einige Bewohner desselbigen dazu veranlasst, zu fliehen.

Die guten Figuren des Films hingegen, allen voran die Löwen, repräsentieren auf ihre Weise eine hierarchisch-monarchische Ordnung: Da wäre Mufasa, der seinem Sohn und Thronfolger Simba den ewigen Kreis des Lebens nahebringt, eine Art göttliche Ständeordnung, in der jedes Lebewesen seinen Platz und seine Pflichten hat und in einem „empfindlichen Gleichgewicht“ zwischen den einzelnen Ständen steht, dessen Zerstörung zu Chaos und Unordnung führt – wie im Verlaufe des Films durch Scars Machtergreifung gezeigt wird. Mufasa nimmt seine Pflichten sehr ernst und ist ein guter und gerechter König, unterschätzt aber die umstürzlerischen Umtriebe seines Bruders Scar.

Mufasas Frau und Königin des Geweihten Landes stellt die stolze Aristokratin dar, die sich auch nach der „Revolution“ ihres Standes bewusst ist; von ihrem Schwager lässt sie sich weder einschüchtern noch erniedrigen. Simba, Königssohn und Thronfolger, überlebt den Mordanschlag seines Onkels, muss aber dafür ins Exil gehen. Er ist eine Mischung des verlorenen Sohnes aus dem Lukasevangelium und einer „Aragorn-Figur“, also eines Königs, der seinen rechtmäßigen Thron erst nach einer Prüfung wiedererlangen kann: Er lebt im Dschungel ein glückliches und sorgenfreies Leben und vergisst dadurch seine Bestimmung als „wahrer König“ (und damit seinen göttlichen Auftrag), wird sich dieser aber nach der Begegnung mit seiner Jugendfreundin und einer übernatürlichen Konfrontation mit dem Geist seines toten Vaters wieder bewusst. Er kehrt zurück, besiegt zusammen mit seinen Verbündeten Scar und dessen Anhänger und nimmt seinen Platz als „wahrer König“ über das Geweihte Land ein: Die Alte Ordnung kehrt zurück, das Land ergrünt wieder, Ende gut, alles gut.



Für einen Disney-Film der 90er-Jahre ist „Der König der Löwen“ eine erstaunliche Ausnahme. In dieser Zeit nämlich begann Disney, sich allmählich dem sich längst in den Universitäten und Medien eingenisteten linksliberalen Dogma zuzuwenden. „Aladdin“, „Pocahontas“, „Der Glöckner von Notre Dame“ – all diese Filme vertreten progressive Ideen: Emanzipation der Frau, Antirassismus und Gleichheit aller Menschen sowie Antiklerikalismus und Minderheitenschutz der nervigen Art. Von daher überrascht „Der König der Löwen“ sehr, so sehr, dass ich mich frage: War den Machern des Films bewusst, welche Botschaft sie vermitteln? War die reaktionäre Botschaft Absicht, oder bilde ich sie mir nur ein? Nun, Disney hatte durchaus Filme, die sich als konservativ beschreiben lassen, hervorgebracht, besonders in der Anfangszeit; jedoch vertreten diese jenen 50er-Jahre-„Die Frau kann nur kochen und putzen, ich habe lediglich zwei Kinder und vögle heimlich meine Sekretärin“-Dr.-Oetker-Konservatismus, mit dem ich nicht viel anfangen kann und welcher in „Der König der Löwen“ auch nicht bedient wird.

Damit fällt der Film um Simba und Co. aus der Reihe. Vergleichbar ist er nur mit dem Film „Robin Hood“ von 1973: Hier wird ein schlechter, unrechtmäßiger König, der sein Volk über Steuern auspresst, entmachtet und am Ende durch einen guten König ersetzt. Die Geliebte und spätere Ehefrau des Robin Hood möchte mit diesem übrigens „ein Dutzend“ Kinder und nicht nur sechs, wie er vorschlägt, haben; die Frauen in diesem Film sind sich auch nicht des Kämpfens zu schade, erfüllen also nicht das 50er-Jahre-Klischee. Ach ja, als wäre es nicht genug, sind die Figuren in „Robin Hood“ ebenfalls allesamt Tiere – die Könige werden natürlich von Löwen dargestellt, wer hätt‘s gedacht. Also, Freunde, wenn schon Disney, warum nicht zwei Filme über Löwen als Könige?

2 Comments

  1. Lieber Fritz,

    das ist eine sehr interessante Entdeckung die mich überzeugt. Einzige Ergänzung wäre, dass Aragorn selbst eine Analogie auf Jesus darstellt. Auch Jesus ging ja im Kleid des “Streicher”s über die Erde und musste viele Herausforderungen und Versuchungen meistern, obwohl er in Himmelfahrt bereits als König inthronisiert wurde steht auf dieser Welt die “Rückkehr des Königs” also sein irdischer Herrschaftsantritt noch aus.

  2. Also neben deinen beiden Filmfavoriten würde ich noch 4 weitere Disneyfilme dazuzählen, wobei drei von ihnen mittlerweile als vergessene Klassiker gelten.

    1. Taran und der Zauberkessel (The Black Cauldron) von 1983

    Taran und der Zauberkessel war Disneys erster (und einziger) Versuch gewesen, im Dark-Fantasy-Genre Fuß zu fassen, doch der mittelmäßige Erfolg des Filmes ließen, jeden weiteren Versuch unmöglich machen und der Film verschwand in der Versenkung.

    Ich würde den Film als klassisches Rittermärchen bezeichnen, die heutzutage wirklich selten geworden sind, wo der Held, unteranderem, eine gefangene Prinzessin befreit, ohne das es dabei zu feministischen oder emanzipatorischen Aussagen kommt.

    2. Atlantis das Geheimnis der verlorenen Stadt (Atlantis: The Lost Empire) von 2001

    In den ersten 00er Jahren gab es bei Disney tatsächlich den ernsthaften Versuch, sich ein reiferes Publikum zu orientieren und wollten wirklich neue Wege gehen.
    Leider floppte jeder dieser Filme an der Kinokasse, weswegen es auch keine Fortsetzungen gab.

    Der konservative Inhalt bei Atlantis, konzentriert sich auf die Bildung, würde ich jetzt sagen.
    Denn zu Anfang des Films sieht man diese hochentwickelte Zivilisationen, die sich nach 10.000 Jahren in einen primitiven Barbarenstamm zurückentwickeln hat, weil die Einheimischen das Lesen und Schreiben ihrer eigenen Sprache verlernt haben und so ihre eigene Kultur vergessen haben.

    Etwas das man heutzutage im Westen auch sehr gut beobachten kann.

    3. Der Schatzplanet (Treasure Planet) von 2002

    War Disney zweiter fehlgeschlagener Versuch gewesen, sich an etwas Neues zu versuchen, obwohl dieser Film zu meinen absoluten Favoriten gehört.

    Den im Zentrum der Handlung steht die langsam wachsende Männerfreundschaft zwischen Jim Hawkins und Long John Silver (die oft als Vater-Sohn-Beziehung fehlinterpretiert wird).

    Denn zu Anfang des Films war Jim kaum mehr als ein weinerlicher Punk und Herumtreiber und erst während der Reise zum Schatzplaneten, unter der strengen Aufsicht von Silver, entwickelt sich Jim zu einem reifen Erwachsenen heran, der lernt seine Energie und sein Können zielgerichtet einzusetzen.

    Am Ende des Film wird Jim auch keinen Piraten oder sonsitgen Gesetzeslosen, sondern geht auf die Akademie und schließt sich der königlichen Flotte an.
    Ein Novum, denn seit den Fluch-der-Karibik-Filmen werden Piraten leider sehr romantisiert und zu Helden stilisiert.

    4. Lilo & Stitch von 2002

    War der einzige von den neuen Filmen von Disney in den ersten 00er gewesen, die ein finanzieller Erfolg wurden.

    Die Kernaussage des Films ist die Bedeutung von Familie und wie wichtig der Zusammenhalt ist.

    In meinen Augen der LETZTE von Disney produzierten Film gewesen, der genau dieses Thema positiv hervorhebt.

    Denn seitdem wurde in den nachfolgenden Disneyfilmen die Familie immer als etwas Störendes und Nervendes dargestellt.

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