Ein normaler Tag im neuen Deutschland

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Sechs Uhr, der Wecker klingelt. Warum stell’ ich den überhaupt noch? Die Arbeit ist doch eh schon lange weg, die Firma ist vor Monaten insolventgegangen. Es muss eine alte Gewohnheit sein. Egal, weiterschlafen, in ein paar Stündchen schau’ ich noch mal. 11:30 Uhr, ich erwache aus einem traumlosen Schlaf, greife mir die CO2-neutrale Bambuszahnbürste und den Waschlappen und gehe ans Werk. Die Drei-Minuten-Sanduhr, die man uns hier ausgegeben hat, damit wir nicht zu lange unter der Dusche verbringen, habe ich anfangs noch belächelt, genau wie das Gerede vom Wasserlassen unter der Dusche, nach der ersten Rechnung verging mir das Lachen jedoch rasch. Daher sitze ich jetzt mit einem Waschlappen unter der Dusche und reinige mich wie ein Tier, nachdem ich meine Notdurft verrichtet habe.

Das Auto habe ich inzwischen verkauft, da es eh nur in der Garage stand und das Geld vorne und hinten knapp wurde. Daher setze ich mich auf mein Lastenrad, das ich mir von einem Teil des Erlöses geleistet habe, und fahre los, um die notwendigsten Besorgungen zu machen. Ein schönes Inflationsbrot aus Maismehl und 20 Prozent altem, neu gemahlenem Brot und einiges Dosenzeug, all das verschwindet in meinem Einkaufsbeutel in Ukraine-Farben, den es ansonsten nur in der LGBT-Regenbogenvariante gab. Im Buchhandel stehen inzwischen Werke wie „Gar es ohne Bares!“ oder „Kochen ohne Strom. Die 50 besten Rezepte für Alltag, Camping und Notfall“ ganz vorne im Schaufenster; vielleicht sollte ich mir das mal holen, bevor der auch noch pleitegeht, so wie unser Bäcker.

Wieder zu Hause schalte ich die Glotze ein, ich habe die Wahl zwischen „Tanzen mit Transen“ im RTL oder „Madensekret – Das Superfood der Zukunft?“, einer siebenteiligen ZDF-Doku, die in Schleife ausgestrahlt wird. Im Kinderkanal lässt sich SpongeBob gerade von Tadzio Müller die Freuden des queeren Analsex unter Crystal-Meth-Einfluss erklären, ein Thema, bei dem er sehr weitschweifig werden kann. Anschließend konvertieren beide zum Islam und legen glitzernde Vollverschleierung an, während Patrick inbrünstig „Salil al-Sawarim“ covert.

Als Sandy dann zur Wiedergutmachung für ihre weißen Privilegien beteuert, sich heute Abend nackt auf die Domplatte zu legen und das aus dem dann Folgenden resultierende Kind antirassistisch zu erziehen, wird es mir langsam zu bunt, und ich will abschalten. „Will“ schreibe ich, weil mir im Moment dieses Entschlusses äußere Einflüsse die Arbeit schon abnehmen: ein Stromausfall, wie so oft. Kerzen an, unter die Decken legen und Abwarten ist also angesagt. Hoffentlich fließt der Strom heute Abend wieder, dann kann ich 22 Millionäre in Katar dabei beobachten, wie sie in kostenintensiv runtergekühlten Stadien in einer Wüste gegen meinen Rassismus knien, während mir selber die Zähne klappern. Es ist schon lustig, wie sich die Dinge genau so ergeben haben, wie die Grünen sie immer haben wollten, nur halt aufgrund äußerer Einflüsse außerhalb ihrer Kontrolle.



Die Glotze geht wieder, eine Atomschlagübung wird senderübergreifend ausgestrahlt. Mein Nachbar klopft, um zu kontrollieren, ob ich bei dieser auch mitmache – eigentlich ist sie freiwillig, doch wir sind dazu angehalten, uns in der Nachbarschaft gegenseitig… na ja, zu ermuntern. Angefangen hatte dieser Kram mit dem Energiesparen, auch da wollte man sozialen Druck über sogenannte „Energiescouts“ aufbauen, doch seit die Rechnungen so hoch sind, bleibt die Heizung so oder so bei den meisten aus. Ich jedenfalls werde von meinem Nachbarn freundlich genötigt, mich möglichst weit weg von den Wänden auf den Boden zu legen und mit den Händen den Kopf zu bedecken, während im Fernsehen ein Remix von Merkels „Wir schaffen das“-Aussage erklingt. Nach getaner Erniedrigung singt mein Nachbar, der Mitglied der FDP ist, lautstark die ukrainische Nationalhymne und beäugt mich skeptisch, bis ich wenig textsicher mit einstimme. Wer zu negativ auffällt, kommt nämlich „an die Front, um zu lernen, wie unsere ukrainischen Helden für uns leiden“, man munkelt, dies sei ein Euphemismus für den Abtransport ins Vernichtungslager; jedenfalls sieht man die, die sie „an die Front“ bringen, nie wieder.

Das war jetzt ungefähr so dramatisiert dargestellt, wie alles, was jetzt im Rahmen von Corona und dem Ukraine-Krieg tatsächlich passiert ist, vor zwei bis drei Jahren für uns geklungen hätte. Mal sehen, wie dieser Text in weiteren drei Jahren klingt, falls hier dann noch irgendwas stehen sollte.

4 Comments

  1. Möge der Schöpfer, sofern er existiert, verhindern, dass du hier den Nostradamus machst. Ansonsten, guter Artikel und lass dich nicht von Alex ärgern.
    Hate on, brother…

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