Gekaperter Feminismus – Drei Gründe gegen den World Hijab Day

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Am Mittwoch ist wieder World Hijab Day. Ein internationaler Aktionstag, der vor zehn Jahren von der in New York lebenden Muslimin Nazma Khan initiiert wurde, um religiöse Toleranz zu fördern und um weltweit mehr Verständnis für den Islam zu schaffen. Seit 2013 nutzen intersektionelle Feministen im Westen den 1. Februar, um das Kopftuch „auszuprobieren“. Sie verhüllen sich gegen Diskriminierung oder womöglich um schon einmal einen Vorgeschmack auf das zu bekommen, was ihnen dank der demografischen Entwicklung in etlichen westlichen Ländern bevorstehen könnte.

Muslimische Frauen wie Nazma Khan kapern den vermeintlichen Kampf für Frauenrechte, um die Normalisierung muslimischen Lebens im Westen voranzutreiben. Und die modernen Feministen in Europa und den USA steigen auf den Zug auf. Gemeinsam verkaufen sie das Tragen eines Schleiers als emanzipatorischen Akt, ganz nach dem Prinzip „Du bist eine Frau und kannst jetzt sogar frei entscheiden, ob du dich verhüllen möchtest“.  Während postmoderne Feministen immer gut dabei sind, das weiße Patriarchat anzuprangern, scheint ihnen patriarchale Gewalt und Frauenunterdrückung egal, sobald die Hintermänner nicht mehr weißer westlicher Herkunft sind. 



Der World Hijab Day zeigt das Kuscheln des Westens mit dem Islam auf und gehört gleich aufgrund mehrerer Aspekte kritisiert:

1.) Wie der Ramadan und das Zuckerfest, so ist auch der World Hijab Day eine Form der Akzeptanz importierter Kultur. Noch dazu wurde er künstlich geschaffen. Anstatt Integration und Assimilation einzufordern, wird zugelassen und zelebriert, dass kulturell fremde Einwanderer sich nicht anpassen und ihr Kulturgut mitbringen und frei nach jedweder Fasson ausleben.

2.) Während der Fall Mahsa Amini aus dem vergangenen Jahr symbolhaft für den Kampf muslimischer Frauen in einigen Teilen der arabischen und persischen Welt steht, treten muslimische Frauen wie Nazma Khan mit derartigen Aktionen das Leid ihrer Schwestern in der Heimat mit Füßen. Frauen wie sie können frei leben und auch frei entscheiden, wie sie leben möchten. Die Frauen in ihrer Heimat hingegen unterstehen der Scharia oder dem Kopftuchzwang. Gerade hieran lässt sich nochmals die Doppelmoral sowie die kognitive Dissonanz intersektioneller Feministen verdeutlichen: Einerseits galt es als „en woke“, sich mit gekonnt heuchlerischen Aktionen mit Mahsa Amini und dem Frauenkampf im Iran zu solidarisieren. Andererseits zelebriert man die Verbreitung des Kopftuchs im Westen, als sei es eine Ausgeburt der Toleranz und der offenen Gesellschaft.

3.) Das Kopftuch ist kein Modeaccessoire. Der Hidschab soll die Reize der Frauen verhüllen, damit muslimische Männer nicht mit ihren Trieben konfrontiert werden. Nur eine Frau, die sich verschleiert, gilt in solchen Kreisen als rein und ehrbar. Alle anderen sind unrein und quasi zum Abschuss freigegeben. Sie sind selbst schuld, wenn sie sexuell belästigt oder missbraucht werden.

Der Hidschab verdeutlicht zusätzlich, wie sehr die Frau in der islamischen Welt sexualisiert wird. Erschreckend ist hierbei vor allem, dass in Deutschland immer mehr Mädchen unter 18 bereits in den Schleier gesteckt werden. Es lässt sich nur mutmaßen, wie viele dieser Frauen und Mädchen tatsächlich freiwillig zum Kopftuch greifen. Was jedoch mit muslimischen Frauen im Westen passiert, die das Kopftuch ablegen, sich von ihrer Familie abwenden oder sich gar der Kultur ihrer neuen Heimat anpassen, beweist das tragische Schicksal von Hatun Sürücü. Sürücü war kurdisch-sunnitischer Herkunft und wurde vor nunmehr 18 Jahren in Berlin von ihrem Bruder erschossen, weil sie sich für ein westliches Leben in Deutschland und gegen das Kopftuch entschieden hatte. Ihre Ermordung gilt als erster Fall von Ehrenmord dieser Art in der Bundesrepublik. Es folgten etliche weitere tragische Fälle dieser Art.

Der World Hijab Day ist also eine einzige Farce: Im Westen kämpfen Feministen für die Akzeptanz des Schleiers, in der nahöstlichen Welt hingegen legen Frauenrechtskämpferinnen aus Protest ihren Hidschab ab und nehmen dafür teils brutale Konsequenzen in Kauf.

1 Comment

  1. Mit dem Kopftuch ist es wie mit den Coronoia-Masken:
    Was nüchtern betrachtet nur ein simples Stück Stoff bzw. ein mittelprächtiger Filter ist wurde politisch motiviert derart mit Bedeutung überfrachtet daß eine sachliche Diskussion darüber effektiv unmöglich geworden ist.

    Den Religionsfreiheitlern -und fanatikern sei gesagt daß ein zartes modisches Kopftuch weibliche Anmut durchaus auch betonen kann.
    Ganz im Gegenteil zu manchen, insbesondere in sich als “links” bezeichnenden Kreisen beliebten Kopfsocken die durch ihre Monströsität und Farbwahl alles andere als ein ansehlicher Anblick sind.

    Das Kopftuch ist im Grunde einerlei – entscheidend ist die Gesinnung die darunter steckt!

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