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Das Deutschland-Prinzip

30. Januar 2023

Drei Meldungen der letzten Zeit aus Deutschland: Die kleinste Bundeswehr der Geschichte hat die größte Führungsdichte, des Weiteren haben wir die höchste Zahl an Arbeitnehmern und die höchste Zahl an offenen Stellen und, um die Sache rund zu machen, rutscht Deutschland in der Rangfolge der Industrieländer mit den besten Standortbedingungen auf Platz 18 von 21 ab.

Finde den Fehler. Zu viel Bürokratie, hohe Steuern, langsame Innovationen, hohe Energiekosten, Mangel an qualifiziertem Personal. Warum? Zur Erklärung muss ich drei Prinzipien anführen, die in Buchform veröffentlicht sind. Das Parkinsonsche Gesetz (C.N. Parkinson – 1955) über das Bürokratiewachstum, wonach sich Arbeit stets soweit ausdehnt, wie Zeit zu ihrer Erledigung vorhanden ist. Das Peter-Prinzip (L. J. Peter – 1969), wonach Personen solange befördert werden, bis sie die höchste Stufe ihrer Inkompetenz erreichen. Das Dilbert-Prinzip (S. Adams – 1996), streng genommen die Verschärfung des Peter-Prinzips. Unfähige Personen werden sofort in höchste Positionen befördert, ohne dass jemals das vorangehende Stadium der Kompetenz durchlaufen werden musste. Die Besonderheit: Sie werden in Positionen befördert, aus denen heraus sie den geringsten Schaden anrichten.

Die sich selbst als seriös bezeichnenden Protagonisten an den Schalthebeln der Macht rümpfen ob dieser Simplifizierungen gern die Nase. Ist doch nach deren Lesart das Leben und das Funktionieren der Welt inzwischen so unbeschreiblich kompliziert geworden, dass es keine einfachen Antworten gibt. Für Erklärungen gibt es ZDF und ARD. Nein, Spaß beiseite, es ist genau anders herum. Manche Dinge ändern sich nie und sind oft ganz einfach zu erklären. Wer in der Bibel liest, fragt sich manchmal, was sich in Bezug auf menschliches Verhalten in der Gesellschaft in den letzten 2000 Jahren geändert hat. Es gibt nichts Neues unter der Sonne.

Aber zurück zu Deutschland. Eine Gemengelage aus diesen drei Prinzipien ist hier zum „Deutschland-Prinzip“ geronnen. Kurz zusammengefasst: Die Unfähigsten werden ohne jeden Umweg sofort an die Stellen befördert, wo sie den größtmöglichen Schaden anrichten können. In der aktuellen deutschen Politik ist das in Perfektion zu beobachten. Die mit übergroßem Sendungsbewusstsein und laut vorgetragener Inkompetenz Gesegneten, drängen sich um die besten Plätze am Fresstrog der Macht.

Wichtig ist, dass man sich für das Trauerspiel Demokratie, in dem die Macht nur auf Zeit geliehen sein soll, eine Performance ausdenkt. Derart, dass die Massen den Eindruck haben, sie hätten etwas zu entscheiden. Das Werkzeug hierfür hat sich die Politik aus modernen Managementmethoden entliehen. Eine wichtige Methode ist die „Aktion Markusplatz“. Kennen Sie nicht? Nun, stellen Sie sich auf den Markusplatz in Venedig und klatschen kräftig in die Hände. Was passiert? Alle Tauben fliegen auf. Zwei Minuten später sitzen alle wieder friedlich und zufrieden unten und picken ihre Körner. Mit einem Unterschied: Jede an einem anderen Platz.

In der freien Wirtschaft wird diese Aktion gern und in schöner Regelmäßigkeit durchgeführt. Nennt sich Umstrukturierung. Kleine Abweichung: Nicht alle Tauben sind wieder da – einige sind weg. 10 % geht immer, sagt jeder Unternehmensberater. In Bürokratie, Beamtenapparat und Verwaltung ist die „Aktion Markusplatz“ faktisch unbekannt. Diese Institutionen sind unheimlich und geheimnisvoll, sich selbst genügend und wie ein Krebsgeschwür wachsend. Einzig störend ist der Bürger, der vom modernen Verwaltungsstaat zur Schnecke gemacht wird. Das nennt sich „korrektes Verwaltungshandeln“.



Jedes Unternehmen, welches seine Produkte nicht mehr gewinnbringend verkauft oder ineffizient ist, verschlankt sich, strukturiert um – oder existiert bald nicht mehr. Nicht so Bürokratie und Verwaltung. Je ineffizienter, langsamer und kafkaesker (Franz Kafka hat in „Das Schloss“ die Wirkung der Bürokratie auf die Menschen beschrieben) umso lauter wird nach weiterem Personal gerufen. Von den politischen Entscheidungsträgern wird nicht gegengesteuert – man versteht sich bestens. Nicht umsonst wächst die Beschäftigtenzahl im sogenannten öffentlichen Sektor am stärksten.

„Aktion Markusplatz“ in der Politik heißt im Kleinen Ministerwechsel und im Großen Wahlen. Aktionismus, der am Gesamtbild wenig ändert – nun gut, seit die Grünen an der Macht sind, geht es noch schneller abwärts. Wichtig ist, dass alle auf immer bestens versorgt sind und die Masse das Gefühl hat, es bewege sich etwas.

Das Glas war einmal voll, jetzt ist es halb leer. Viel zu viele saugen an der Staatszitze ohne einen Beitrag zu positiven Entwicklung zu leisten. Sage jetzt keiner, Beamte und sonstige Bürokraten würden auch Steuern zahlen. Formal richtig. Noch richtiger ist, dass ihr gesamtes Gehalt und ihre Arbeitsplätze steuerfinanziert sind. Niemand behauptet, es brauche sie nicht, die Frage muss aber erlaubt sein, warum es immer mehr und niemals weniger werden. Früher sagte man einmal, deutsch sein heißt, eine Sache seiner selbst willen tun. Mag sein, dazu kommt heute der unbedingte Wille, jeden Weg bis zum Ende zu gehen, auch wenn er falsch ist und das Ende bedeutet.

Die politische Kaste will den Untergang oder besser, das Aufgehen Deutschlands in einem föderalen europäischen Bundesstaat. Dafür wird das letzte noch vorhandene Tafelsilber geopfert, um schlussendlich einen deindustrialisierten Agrarstaat der Weltgemeinschaft übergeben zu können. Das passende Personal dafür wird gerade importiert – wenigstens einmal wollen wir etwas richtig machen.

Udo Holm

Glücklicher Privatier und Hobbyschreiber mit grimmigem Humor und zunehmender Altersmilde. Geboren im grünen Herzen Deutschlands als Grün noch die Farbe der Blätter und nicht die Beschreibung eines Geisteszustandes war. Als guter Beobachter erkennt er seine Schweine am Gang und lässt sich nichts mehr vom Pferd erzählen. Lebt in Berlin und schreibt im "Spiegelsaal".


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