Der Kirchentag, wie ihn Hieronymus Bosch erahnte.

Kirchentag

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Dass es um die beiden großen Kirchen in Deutschland nicht gut bestellt ist, sollte keine Neuigkeit sein. Kirchenmitglieder treten in Scharen aus, die Kirchen selbst werden immer leerer. Was tun? Das fragen sich viele Vertreter der Kirchen, sowohl evangelische als auch katholische. Doch insbesondere die Protestanten finden die Antwort auf diese Frage darin, sich als möglichst fanatischen Büttel des Zeitgeistes zu inszenieren. Schon lange ist die Evangelische Kirche in Deutschland, kurz „EKD“, unterwandert bis in die höchsten Ämter von Menschen, die die linksliberale Ideologie in sich tragen und offen propagieren.

Der Regenbogen, der Klimawandel und der Kampf gegen rechts sind Alltag in den evangelischen Kirchen der Bundesrepublik. Ihren Höhepunkt erreichen die Irrungen und Wirrungen der evangelischen Elite schließlich auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Kirchentag. Der 38. Deutsche Evangelische Kirchentag fand dieses Jahr vom 7. bis zum 11. Juni im altehrwürdigen Nürnberg statt, das als eine der ersten protestantischen Freien Reichsstädte und eine der reichsten und größten Städte im Heiligen Römischen Reich eine wichtige Rolle in der frühen Geschichte der Reformation einnahm. Der Kirchentag wird zwar von Laien, das heißt von Nicht-Klerikern, organisiert und ist offiziell unabhängig von den Institutionen der EKD, dennoch sind die Verbindungen zwischen Kirche und Kirchentag offensichtlich.

Nicht nur Vertreter der Landeskirchen werden eingeladen, sondern auch Vertreter der Politik und andere Personen des öffentlichen Lebens. Dieses Jahr zum Beispiel übernahm der ehemalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière die Präsidentschaft des Kirchentages, als Gäste und Redner waren Politiker wie Kanzler Olaf Scholz und Außenministerin Annalena Baerbock, aber auch Prominente oder Aktivisten wie Luisa Neubauer zu Besuch. Vertreter der AfD waren – wie zu erwarten war – vom Präsidium des Kirchentages explizit nicht erwünscht.

„Jetzt ist die Zeit“ – so lautete das Motto des diesjährigen Kirchentages. Zeit wofür? Das beantwortet sich von selbst, wenn man sich das Programm anschaut: „Brauchen wir eine sexuelle Revolution?“, „Sind Kirchen sichere Orte? Ein Gespräch zwischen religiösen ‚People of Color‘ und queeren Personen“, „Speed-Dating mit geschlechtersensiblen Theologien“, um mal ein paar Titel für Podiumsdiskussionen oder Workshops zu nennen – und das betrifft lediglich den Regenbogen. In weiteren Veranstaltungen wurden der Klimawandel – dieses Thema lag den Veranstaltern besonders am Herzen – und der Ukrainekrieg ebenfalls behandelt. So äußerte sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, ebenfalls zu Gast dort, bezüglich letzteren Themas dahingehend, es sei nun „aber auch Zeit für Waffen“.

Den krönenden Abschluss bildete der Schlussgottesdienst am Sonntag: Die Predigt wurde von Quinton Ceasar gehalten, einem südafrikanischen, schwarzen Pastor mit Afrofrisur.

„Jetzt ist die Zeit, zu sagen: Wir sind alle die Letzte Generation. Jetzt ist die Zeit, zu sagen: Black lives always matter. Jetzt ist die Zeit, zu sagen: Gott ist queer.“

Diese drei Sätze aus seiner Predigt fassen nicht nur selbige hervorragend zusammen, sondern auch den ganzen Kirchentag und die EKD. Der – angebliche – Glaube an Gott wird dem politischen Zeitgeist untergeordnet. Nichts von „Kehret um!“, nichts von „Sündiget nicht mehr!“ – stattdessen eine Verformung des Glaubens. Man müsste meinen, es handele sich hier um eine schlechte Parodie.


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Nicht nur die Zeitgeistanbiederung seitens der Kirche wurde mit diesem Fest des Hochmuts – „Pride“ spielte hier ja auch eine wichtige Rolle – auf die Spitze getrieben, sondern auch jenes Phänomen, welches der Geschichtsphilosoph Oswald Spengler in seinem Opus magnum „Irreligiosität“ nannte. Damit meinte er seine Beobachtung, dass zum Ende eines jeden Kulturzyklus die Menschen keiner „ernsthaften“, das heißt transzendental ausgelegten, Religion folgen und nicht mehr aus ihr heraus ihr Weltbild erklären, sondern einer „verweltlichten“, „verwissenschaftlichten“ Religion (oder Religionen) folgen.

Irreligiosität spiegelt sich in unserer Kultur einerseits in der Hinwendung europäischer Menschen zu ihnen völlig fremden Religionen wie etwa dem Buddhismus wider, wobei sie diese Religion in vereinfachter Form übernehmen – sie sind gar nicht in der Lage, das ursprüngliche Weltgefühl, das den ursprünglichen Anhängern dieser Religion anheim war, nachzuempfinden. Andererseits passiert das, was wir beim diesjährigen Kirchentag (und auch bei denen davor, um ehrlich zu sein) erleben können: das Aufweichen der eigenen Religion – dem europäisch-protestantischen Christentum – zu einer profanen erdgebundenen Irrreligion. Statt sich mit tatsächlich transzendentalen Fragen oder biblischen Geschichten zu beschäftigen und somit dem Zeitgeist entgegenzuwirken, feuert man ihn an. Jegliche Würde hat das Prozedere ohnehin verloren, der Ritus verkommt zum Kult.

Und was bedeutet das? Tja, vielleicht wäre es angebracht, mal gegen den Zeitgeist zu predigen statt für ihn. Eventuell könnte das die leeren Kirchenbänke wieder auffüllen. In Bremen zum Beispiel, im immer gottloser werdenden Norden gelegen, funktioniert das: Dort predigt Olaf Latzel in gut besuchten Kirchen, trotz Verfahrens gegen ihn (er hat sich gegen die Homo-„Ehe“ geäußert). Es geht also, wenn man will. Bis dahin können der EKD ruhig die Mitglieder weglaufen, sollen sie nur – das sage ich nicht nur als Christ, sondern auch als Lutheraner. Und wer bei all den hier geschilderten protestantischen Wirrungen glaubt, der katholischen Kirche gehe es besser – den muss ich, zumindest hier in Deutschland, hinsichtlich Bewegungen wie dem Synodalen Weg oder Maria 2.0 wohl leider enttäuschen…

5 Comments

  1. Aus eigener Erfahrung: wer gegen den Zeitgeist predigt, wird die Kirchenbänke wieder füllen – aber an der EKD umso mehr verzweifeln. So viel Fremdscham und Distanzierung kann man im pfarramtlichen Alltag gar nicht aufbringen, wie es aufgrund der offiziellen Kirchenlinie nötig wäre. Es ist zutiefst frustrierend: man versieht seinen Dienst mit Sorgfalt, Einsatz und positiver Resonanz – aber nach jedem dummen Statement irgendeines kirchenleitenden Funktionärs treten Leute aus der Kirche (und damit auch der Ortsgemeinde) aus. Nicht selten sogar mit dem Kommentar: „Herr Pfarrer, das hat nichts mit Ihnen zu tun. Ich schätze Ihren Dienst sehr und werde auch weiterhin diese Gemeinde unterstützen, aber ich kann den Kurs der EKD (Zuwanderung, Gender, Ideologie, etc.) nicht mehr mittragen.“ Durch die „Strukturreformen“ der vergangenen Jahre wurden die Ortsgemeinden geschwächt und ein Überbau an Funktionärsstellen und -Instanzen geschaffen, die eine polit-ideologische Agenda betreiben und die Kirchenpolitik bestimmen. Die Ehrenamtlichen in den Synoden lassen sich wohlmeinend und unkritisch die Richtung vorgeben. Und während der Coronazeit wurde deutlich, dass auch viele vermeintliche Verbündete im „Widerstand“ letztlich von einem Geist der Angst und Folgsamkeit geprägt sind. Mein persönliches Fazit: es hat keinen Sinn mehr, man kämpft auf verlorenem Posten, die EKD schaufelt sich wie im Delirium ihr eigenes Grab.

  2. Danke. Wir beten für unser Land und unsere evangelischen Geschwister. Die Katholische Kirche hat eine göttliche Bestandsgarantie. Wer die fast 10000 Menschen in Berlin zu Fronleichnam gesehen hat, weiss, dass das stimmt. Aus der ganzen Welt kommen Priester, Nonnen und sogar Laien, um uns zu helfen. Diese Zeiten sind gut für die Wahrheit und daher die Kirche. Alles wird offenbar. Eine große Reinigung, damit die Glut wieder Feuer fängt und das nasse Holz vieler toter Seelen trocknet und entzündet. Frohe Botschaft – nicht für alle. Aber doch einige. Danke für die Krautzone. Freies Denken ist eine gute Vorbedingung für den Glauben.

  3. Muss immer lachen über die Betbrüder die jetzt hier herkommen und wieder meinen wenn sie als Ausnahme gegen die großen Kirchenverbände stehen dann haben die großen Kirchenverbände unrecht aber sie selbst seien die wahren Christen.

    Ne ne, das auf dem Kirchentag dort ist schon eine authentische Darstellung des Christentums. Eine Sklavenreligion von Außenseitern für andere Außenseiter. Lächerliche kleine Leute die sich zusammentun wie ein Schwarm Fische.

  4. Manch antideutscher Pfaffe
    vielleicht noch sich bekehrt,
    wenn des Erlösers Stimme
    im Traum er mahnend hört:
    „Du bist ein altes Raben-Aas!“,
    Er zu dem Frevler spricht,
    „Drum weiche von Mir, Satanas,
    stehst bald vor’m Weltgericht!
    In heil’gem Zorn verdamm’ Ich dich,
    du Lump, du gemeiner Verräter!
    Hinfort mit dir, Ich habe dich nie
    gekannt, du Übeltäter!
    Elender, Ich treibe dich
    mit der Peitsche aus Meinem Tempel,
    weil du verschacherst Mein Deutsches Volk
    für Falschgeld und nutzlosen Krempel!
    Deutsches Volk ist Gottes Volk!
    Das schreib’ dir hinter die Ohren!
    Pfaffe, du hast, das merke dir,
    in Deutschland nichts mehr verloren!
    Das Deutsche Volk, Es mache mit dir
    nicht Umstand und viel Gewese,
    wenn’s daran geht, hinwegzutun
    aus Seiner Mitte das Böse!
    Wagst du’s erneut, zu verleugnen,
    eh’ dreimal der Hahn gekräht,
    das Deutsche Volk, so wirst du
    von Uns beiden hinweggemäht!
    Sollst büßen für die schwere Schuld,
    die du auf dich gezogen:
    Wie du betrogst das Deutsche Volk,
    so hast du Mich betrogen!
    Bereue, Schuft, denn was du
    in Raserei und Wahn
    dem Deutschen Volke tatest,
    das hast du Mir getan!“

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