Lachverbote in der Clownwelt

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Humor war mal, wenn man trotzdem gelacht hat. Aber für diskriminierte Gruppen kann „trotzdem lachen“ nun mal eine traurige Angelegenheit sein, und schließlich weiß man nicht erst seit Jan Böhmermann, dass man böswilligen Humor sehr wohl mit moralischer Überlegenheit verbinden kann.

Aber noch ist es natürlich nicht verboten, über die falschen Witze zu lachen. Genauso wenig wie fliegen, Auto fahren, männlich oder weiß sein – man soll sich nur ein wenig dafür schämen. Aus diesem Grund hat der Westdeutsche Rot- ähhhm Rundfunk sich dazu entschieden, vor der „Otto-Show“ und Harald Schmidts „Schmidteinander“ einen Warnhinweis zu senden:

„Das folgende Programm wird, als Bestandteil der Fernsehgeschichte, in seiner ursprünglichen Form gezeigt. Es enthält Passagen, die heute als diskriminierend betrachtet werden.“

Ja, wer könnte sie je vergessen, die Filme und Shows von Otto Waalkes, in denen er zu Rassenhass, Antisemitismus und Schwulenfeindlichkeit aufruft. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge lässt sich die Reaktion des Komikers vernehmen: „Vor Komik kann gar nicht genug gewarnt werden.“ Auch wies Otto darauf hin, dass es eventuell schlimmere Probleme gebe als alte Otto-Scherze. Aber bei all dem Unverständnis für den WDR hat der Komiker wohl den Ottifanten im Raum nicht sehen wollen.

Denn die schlimmsten Probleme verkünden heutzutage nicht die einfachen Menschen, sondern Diskriminierungsbeauftragte und Empörungswellenverursacher durch ihre gebührenfinanzierten Sprachrohre. So ließ der WDR in einem Comedy-Beitrag seinen Kinderchor „Meine Oma ist ne alte Umweltsau“ scherzhaft darüber singen, was die eigene Oma für eine fürchterliche CO2-Belastung sei. So geht Humor!

Alles, was alt ist, ist nun mal auch näher an der Nazizeit dran und damit verdächtig und unlustig. Bei Disney weiß man das schon länger, der WDR kam erst letztes Jahr darauf, dass die Kultserie „Schimanski“ mit einer „Triggerwarnung“ versehen werden müsse. Auch ließ der WDR den Spitznamen „Alberich“ für die kleinwüchsige Schauspielerin Christine Urspruch aus dem Drehbuch für den beliebten Münsteraner „Tatort“ streichen, weil damit Kleinwüchsige diskriminiert werden. War es bei Otto und seinen sieben „Männern allein im Wald“ noch ein Witz, dass die sieben Zwerge rund um Schneewittchen von ausgewachsenen Männern gespielt wurden, werden die sieben Zwerge in der Neuverfilmung von Disney, was Größe und Herkunft angeht, für die politische Korrektheit maximal divers besetzt werden.



Unmöglich, dass das Volk ohne „subtile“ Hinweise und politische Winks mit dem Zaunpfahl wissen könnte, dass sich der Zeitgeist mittlerweile geändert hat. Wer ist der Bürger schon, dass er mündig darüber entscheiden könnte, was moralisch vertretbar ist und was nicht! Noch wirksamer wäre es seitens der Kulturschaffenden natürlich, in stalinistischer Manier die unliebsamen Passagen, Witze oder Personen noch rückwirkend gänzlich aus dem Programm zu schneiden.

Ins Bild der gefährlichen, nahezu rechten Komiker passt natürlich das „Partyfoto“ von Harald Schmidt mit Matthias Matusek und Hans-Georg Maaßen in der Schweiz. Sofort wurde hitzig diskutiert, ob man „Dirty Harry“ überhaupt noch eine Bühne bieten dürfe, nachdem er in der Vergangenheit schon den Linksliberalismus kritisierte und sich nun mit diesem Foto kontaktschuldig gemacht hat. Alle drei waren beim Sommerfest der nationalkonservativen Schweizer Wochenzeitung „Die Weltwoche“ zu Gast. Nun ja, jetzt aber mal ernst: Dass wir den Humor auf unserer Seite haben, ist wie die Flagge der Schweiz: ein großes Plus.

Wir sind nicht Timm Thaler, und dem Teufel verkaufen wir unser Lachen natürlich nicht. Der erhobene Zeigefinger der Clownwelt-Medien wirkt zwar bedrohlich, ist aber noch nicht zu bedrohlich. Wie es nach diesem Finger aber weitergeht? Wie formulierte das Ernst Thälmann einst? „Einen Finger kann man brechen. Aber fünf Finger sind ne Faust!“ Erst kommt der Hinweis, dann die Warnung, dann das Canceln, anschließend die soziale Ächtung, und wenn das nicht hilft… werden sie sich auch etwas einfallen lassen.

Solange der Widerstand also noch so einfach ist, ruhig mal wieder die „Harald-Schmidt-Show“ oder Otto anmachen. Und nicht vergessen: Rebell ist, wer dabei trotzdem lacht.