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Links leben, rechts streben – Bio-Rechte und Konvertiten

30. August 2023

Ich habe vor einer ganzen Weile ja schon einmal das Konzept der „Bio-Rechten“ im Gegensatz zu politischen Konvertiten, die eigentlich links sozialisiert wurden, aufgestellt. Der Wahrheitsgehalt dieses Schemas wurde wieder einmal deutlich, als ich auf Twitter unter einem Post über mein momentanes „Lieblingsessen“ mit Demokratiefeindlichkeit, Hass und Hetze überschüttet wurde.

https://twitter.com/shlomo96/status/1694734791596200036

„Zivilisationsverfall“, „Unbasiert“ oder „Sieht räudig aus“ waren nur eine Handvoll der verletzenden Bemerkungen, die ich über mich ergehen lassen musste. Sogar Die-Heimat-(ehemals NPD)-Chef Frank Franz spottete über meine kulinarische Identität: „Aber wie viele davon gehören zu einer Mahlzeit und warum ist eine Mahlzeit in mehrere Packungen verteilt?

Aber was hatte ich geteilt, um die Gemüter derart in Wallung zu versetzen? Meine Vorliebe für tiefgefrorene „Fitness-Bowls“, die man einfach in die Mikrowelle schmeißen und ohne weitere Arbeitsschritte acht Minuten später verzehren kann. Ja, derlei ist eine sehr viel tiefer hängende Frucht desselben Baumes, in dessen Krone man die Bugs erntet und happy ist, ich gebe es ja zu. Aber es ist eben auch praktisch und lässt mir mehr Zeit, die richtigen Leute im Internet anzupöbeln. Der Weg in die Hölle mag mit Bequemlichkeiten gepflastert sein, aber der Weg zur Produktivität ist sicherlich nicht damit gepflastert, sich jeden Tag mit einem Drei-Gänge-Menü zu verwöhnen. Und dazwischen gibt es ja bekanntlich nichts.

Ich dachte mir, das Ganze könnte ein Anlass sein, das „Bio-Rechte/Konvertiten“-Schema noch mal zu beleuchten. In der kleineren YouTuber-Clique, in der ich mich bewege, habe ich es, mit Ausnahme von Schatti, größtenteils mit Konvertiten zu tun: Leuten, die normie-links sozialisiert wurden und durch den Niedergang der Gesellschaft seit 2015 die Weltanschauung, in der sie aufwuchsen, zu hinterfragen begannen. Leute wie wir haben einen entscheidenden Vorteil im politischen Konflikt: Wir wirken für den unpolitischen Normie in unserem Auftreten vertraut, wie einer von ihnen, während der Habitus Bio-Rechte für sie befremdlich rüberkommt und häufig auch Alarmglocken zum Schrillen bringt, sie könnten tatsächlich dem Boogieman entsprechen, der vom politisch-medialen Komplex jahrzehntelang über ihre Gegner aufgebaut wurde.



Frühe Sozialisation prägt einen in diversen Feinheiten so tief, dass sie selbst wenn man sich von der kulturellen Strömung, der sie entsprang, überzeugungstechnisch abgewendet hat, immer spürbar bleibt. Insbesondere im Privatleben schlägt sich diese Prägung Bahn: Ordnung etwa bedeutet mir, solange meine Umgebung vom Inneren der Drachenschanze zu unterscheiden ist, herzlich wenig. Futtern ist im Alltag häufig nur ein Ärgernis, das möglichst schnell aus dem Weg zu schaffen ist, und nichts, was zelebriert würde.

Dieser private Nihilismus fördert im Zusammenspiel mit gesellschaftlichen Beschwerden, die man währenddessen äußert, natürlich einiges an Doppelstandards zutage: Wieso beschwert man sich darüber, dass Steak durch Sojapampe ersetzt werden soll, wenn man privat aus Bequemlichkeit häufig mit Dingen vorliebnimmt, die eher Letzterem entsprechen? Was kann man denn groß gegen lieblose moderne Legebatterien-Architektur haben, während man selbst einen Pappkarton als Couchtisch benutzt? Das ist übrigens kein hyperbolischer Witz, ich habe drei Jahre lang den Karton, in dem mir mein IKEA-Sofa geliefert wurde, als Wohnzimmertisch genutzt. Grüner wird es wohl kaum.

Der Bio-Rechte auf der anderen Seite hat den Wert von Ordnung und Ästhetik im Alltag bereits mit der Muttermilch aufgesogen, sowie diverses andere wie konservative Umgangsformen. Der Nachteil davon im politischen Geschäft ist, dass er in aller Regel hölzerner wirkt, als es zum Erreichen der normie-linken Mitte vorteilhaft ist, oder, noch schlimmer, gekünstelt versucht, ihre Umgangsformen zu imitieren.

Der Vorteil ist, dass auch im Privaten rechte Grundeinstellungen aus einem Grund entstanden sind: Weil sie funktionieren, sozialer sowie physischer Verlotterung vorbeugen und Halt geben, während die linke Dekonstruierung all dieser Normen sie durch nichts Sinnvolles ersetzt und in letzter Konsequenz im Saustall der Liebig 34 endet. Aber nichtsdestotrotz lasse ich mir meine Tiefkühlplempe von den Kaggnazis etzadla nicht vermiesen.

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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