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Macron telefoniert mit Putin, Broder entschuldigt sich bei Baerbock

4. März 2022

Dass Putin gestern mit Macron und nicht mit Scholz telefonierte, zeigt, zu welcher Marginalie die Bundesrepublik inzwischen herabgesunken ist. Da hilft es auch nicht, dass der ach so kritische Publizist Henryk Broder die unbeholfene Außenministerin mit seiner „Entschuldigung“ (für was eigentlich?) adeln will – eine durch und durch linke Regierung hat dieses Land erst von russischen Energieimporten abhängig gemacht, nur um anschließend über die Unterstützung der Ukraine in eine Art Stellvertreterkrieg gegen Russland gezogen zu werden. Dieser inhärente Widerspruch lässt Deutschland jetzt in der ganzen Welt als unzuverlässigen, regelrecht bescheuerten Akteur dastehen.

Die deutschen Mainstreammedien, die ihre Nibelungentreue zur jeweiligen Regierung bereits während der Migrations- und Corona-Krise bewiesen haben, können nun endlich, endlich, endlich auf das so lange gehegte und gepflegte Bild des russischen Barbaren rekurrieren. Dieses Bild ist im deutschen Kollektivbewusstsein tief verankert – die Kriegsgeneration lernte den vergewaltigenden Rotarmisten fürchten, die Eltern den grimmig blickenden Sowjetadvokaten und unsereins kämpfte in den Weiten der digitalen Sphäre gegen russische Agenten, russische Mafiosi und russische Warlords.

Die meisten der alternativen Medien haben sich mehr oder weniger bedingungslos mit der Ukraine solidarisiert, was im Angesicht der russischen Invasion auch zunächst naheliegt. Der als „Friedensoperation“ deklarierte Angriffskrieg war der größte, wahrscheinlich entscheidende Fehler der russischen Staatsführung – selbst wenn er zügig und ohne große Verluste verlaufen wäre. Die Frage also, wieso sich Putin zu diesem Schritt entschieden hat, steht im Raum. Aber keiner der Alternativen stellt sie. Man betreibt lieber pro-ukrainisches „Virtue Signalling“ vor allem, um sich nicht verdächtig zu machen. Das ist naheliegend, denn die Rollen sind in diesem Krieg so deutlich gesetzt wie selten zuvor in den letzten Jahren. Damit geben diese Medien aber ihren Anspruch auf, ehrliche Regierungskritik zu betreiben und Ambivalenzen abzubilden.

In der Ukraine herrscht jetzt ein konventioneller, also ein echter Krieg. Die Zivilisten, die aus den Städten und Dörfern in Richtung Westen strömen, sind echte Flüchtlinge. In dem Sinne haben wir es jetzt nach Jahren voller Begriffsverbiegungen in ganz ungewohnter Weise mit gleich zwei Realitäten zu tun, die sich nicht im Ansatz mit der Voreingenommenheit abbilden lassen, wie sie System- und Alternativpresse in Deutschland nun an den Tag legen. Zu diesen Ambivalenzen gehört nämlich auch, dass russischstämmige Deutsche von einem Tag auf den anderen verdächtig geworden sind. Was hält die durch Corona-Propaganda erzogenen Untertanen davon ab, nicht nur „Ungeimpften“, sondern auch „Russen“ den Zutritt zu ihren Restaurants und Geschäften zu verweigern? Wenn „Schwurbler“ aus Freundeslisten entfernt werden konnten, dann geht das mit „Putin-Verstehern“ bestimmt auch, oder?

Wir haben das jetzt alles in den letzten Jahren erlebt: Die Bundesregierung kann im Angesicht der sich stetig zuspitzenden Situationen nicht mehr agieren, denn dazu fehlt ihr das fähige Personal. Und der Wille, souverän sein zu wollen. Sie kann nur noch reagieren. Die einzige Entscheidung, die sie dabei noch treffen kann, ist, diese Reaktion phlegmatisch (nein zu Nord Stream 2) oder hektisch (ja zu Waffenlieferungen) wirken zu lassen. Von diesem erbärmlichen Eindruck lenkt eine systemtreue Medienmaschinerie ab, die immer geifernder, immer rücksichtsloser das Volk in Untertanen und Außenseiter aufspaltet. Um so wichtiger sind in dieser Situation echte Alternativen.

Autor

Friedrich Fechter

Fechter studiert im Herzen Deutschlands und muss sich an seiner linksversifften Universität den typischen Gängelungen aussetzen. Er interessiert sich für Kunst, Geschichte und ist Meister der Halbsätze. Als Fechter das erste Mal ein Cover der Krautzone sah, hielt er das pixelige Layout für eine durchtriebene Werbestrategie. "Bestimmt", dachte er sich beim Durchblättern, "hier sind verschlagene Profis am Werk."


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