Ukrainekrieg: Narrative, Propaganda, Dissonanzen

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Nach drei Tagen Krieg haben sich die Narrative verfestigt: Da wäre einmal die russische Kriegsmaschinerie, deren Angriff an allen Orten steckenbleibt. Panzerwracks am Straßenrand, am Himmel explodierende Jets und dazwischen Kriegsgefangene, die völlig apathisch erzählen, dass man sie auf eine „Übung“ geschickt hätte. Das ist die Erzählung, die von den Angreifern handelt. Was erzählt man sich über die Verteidiger, was sieht man von ihnen? Sie stehen in langen Schlangen vor der Waffenausgabe, die basteln Molotov-Cocktails, sie schweißen Panzersperren. Jung, alt, männlich, weiblich – jeder verteidigt die Ukraine. Das sind faszinierende Bilder, das muss man zugeben. Das erinnert ein bisschen an Der Herr der Ringe, an die Verteidigung von Helms Klamm. Das sind Szenen, die zwar unendlich weit von unserer deutschen Lebensrealität entfernt sind, aber die dennoch mitreißend auf uns wirken, weil sie uns so seltsam vertraut erscheinen.

Das Internet ist voll mit diesen Bildern, unter jedem finden sich hunderte und tausende Kommentare, in denen auffahrend die Solidarität mit der Ukraine bekundet wird. Jedes neue Bild von brennenden „Russen-Panzern“ gilt als Beweis dafür, dass dieses Land dem Ansturm standhalten wird. Ob derweil der Panzer aus immer neuen Perspektiven gefilmt wird, ist dabei nicht so wichtig. Was, wenn die militärische Lage sich etwas heikler für Kiew darstellt, als verkündet?

Propaganda

Und hier sind wir bei der Propaganda angelangt, die diesen Krieg eigentlich schon seit 2014 begleitet und die jetzt – am 4. Tag der russischen Invasion – den Russen immer mehr aus der Hand zu rutschen droht. Im Netz kursieren Geschichten über den „Geist von Kiew“, einem ukrainischen Piloten, der sechs russische Jets abgeschossen haben soll. Man erzählt sich die Geschichte der 13 Verteidiger von „Snake Island“, die der russischen Marine auf die Kapitulationsforderung hin ein paraphrasiertes „Fuck off“ entgegneten, um anschließend ins Nirvana gebombt zu werden. Allein gestern sollen zwei große russische Transportmaschinen mit womöglich hunderten Fallschirmspringern über Kiew abgeschossen worden sein. Die Besatzer der Kiewer Flughäfen habe man außerdem rasch zurückgeschlagen.

Das alles sind Meldungen, die sich bisher entweder als Propaganda herausgestellt haben, oder zumindest nicht bestätigt werden konnten. Das werden sie in dem Kriegschaos womöglich auch nicht mehr, denn jede weitere Stunde überflutet uns regelrecht mit neuen Berichten über die heldenhafte Verteidigung der Ukraine. Die Medien greifen das ganze dankend auf. Das Informationsfront wird hier im Westen ganz eindeutig von Kiew, nicht von Moskau, dominiert.

Dissonanzen

Und hier wird es dann schizophren: Die Ukraine ist so unendlich nationalistischer gesinnt als unser Land, dass jede deutsche Solidaritätsbekundung, egal ob von linker oder rechter Seite, pures „Larping“ ist. Linke werden in diesem Augenblick mit einer Realität konfrontiert, die sie aus ihrer dominierenden Stellung in Kultur und Politik über Jahrzehnte aus den deutschen Köpfen herausgetrieben haben: Kriege werden von Kriegern geführt, nicht von transsexuellen Aktivisten. Der Regenbogen ist nicht die Fahne des Vaterlandes. Man opfert sich für die Familie und die Freiheit, nicht für den „Verfassungspatriotismus“ oder die „multikulturelle Gesellschaft“. „Slava Ukraini“ würde also auf unsere Verhältnisse übertragen „Ehre für Deutschland“ heißen – rufen Sie so etwas mal auf einem deutschen Kasernenplatz.

Die nächsten Monate und Jahre werden Verrenkungen und Zugeständnissen der deutschen Linken an das Militär zeigen und ich prognostiziere, dass man dort den Braten NICHT riechen wird, sondern dankbar die Streicheleinheiten entgegennimmt. Das Bedürfnis, gebraucht zu werden, ist in Deutschland nämlich überall sehr groß.

Zur deutschen Rechten: Große Teile derselben bewunderten Putin und Russland und machten daraus keinen Hehl. Ich habe in meinem vorangegangenen Beitrag von „infantil-dümmlichen Sympathien“ geschrieben, was dann auch rasch in den Kommentaren seinen Niederschlag fand:

„Nein, nicht wirklich! Es sind genau diese ukrainischen Soldaten – deren Batallione zum Teil eindeutige Nazisybole wie die Wolfsangel in ihren Bannern tragen! – welche im Donbass an den Genoziden der mit Russland sympatisierenden Bevölkerung beteiligt waren.“

Ich habe jetzt viel über ukrainische Propaganda geschrieben, die russische zeigt sich eben in solchen Beiträgen. Dass der Krieg in der Ukraine ein abgekatertes Spiel ist, dass der Maidan alles andere als eine unabhängige „Demokratiebewegung“ war, dass auch russlandfreundliche Gebiete ein Recht auf Sezession haben – geschenkt. Aber muss man deswegen dem russischen Narrativ von der Entnazifizierung und Vereitelung eines Genozids aufsitzen? Die Rechten sitzen im Ukrainekrieg zwischen den Stühlen, aber das muss nicht schlecht sein. In diesen Zeiten, in denen jeder einem etwas aufs Auge drücken will, ist Abstand und etwas Reflexion nicht die schlechteste Wahl.

7 Comments

  1. Moment mal!

    Der vom Autoren zitierte Kommentar stammte von mir und selbst wenn man mir das Verbreiten ‘russischer Propaganda’ unterstellen möchte, rechtfertigt das nicht, die haltlose Behauptung in den Raum zu stellen, ich wäre irgend einem ‘Narrativ’ aufgesessen:

    Beide von mir getätigten Aussagen sind belegbare Fakten! Sowohl die Wolfsangel in den Bannern des ukrainischen Asow-Batallion (Quelle: ‘heute’ im ZDF am 08.09.2014 und eben NICHT RT Deutsch!) als auch die Aussagen zum Genozid (Quelle hier: Wikipedia – und das kann man nun wirlich nicht als ‘Räääächts’ bezeichnen,oder?!).

    Im nächsten Absatz sofort den Bogen zu ‘den Rechten’ zu schlagen ist für einen Autoren, der in seiner Kurzvita selber über die üblichen ‘Gängelungen an seiner linksversifften Universität’ beschwert, reichlich schizophren – hat er deren Zersetzungsvokabeln und Methoden der linken Rhetorik doch anscheinend durchaus erfolgrreich zu verinnerlichen gewußt!

    “In diesen Zeiten, in denen jeder einem etwas aufs Auge drücken will, ist Abstand und etwas Reflexion nicht die schlechteste Wahl.” ist tatsächlich der vernünftigste Rat, an den sich der werte Herr Fechter vielleicht auch selber halten sollte.

    PS: Es ist im Übrigen ein Gebot der Höflichkeit, Zitate mit dem Namen des Zitierten zu verwenden.

    R. Gator

    • Nein, ich muss bestimmt nicht auf ihr Pseudonym hinweisen, denn Sie gehören hier nicht zu den Stammautoren. Sie sind Kommentator, keine Instanz. Desweiteren ist ihr Beitrag, also der vorliegende und der erwähnte, reinste Boomer-Essenz – wo habe ich denn bestritten, das unter den ukrainischen Einheiten Bandera-Anhänger sind? Nirgendwo. Was ich hingegen bestreite, ist, dass das irgendeine Rolle spielt. Für uns nicht, für die Ukrainer nicht und auch nicht für die Russen. Zu glauben, dass sich die russische Invasion (ja, es ist eine Invasion) unter solchen Vorwänden als Verteidigungsakt umdeuten lässt, ist einfach dumm. Sie glauben doch nicht ernsthaft, in dieser Situation irgendjemanden damit überzeugen zu können. Und genau das ist der Punkt: Meine beiden Artikel drehen sich um die Wahrnehmung des Konflikts. Diese Wahrnehmung speist sich aus Bildern und den dazu passenden Erzählungen.

      • Erstaunlich: Typisch linke Arroganz in der Krautzone!

        Es geht Ihnen also um ‘Wahrnehmung des Konflikts’ die sich aus ‘Bildern und den dazu passenden (sic!) Erzählungen’ speist?

        Wie praktisch, dass man so nicht den Mut aufbringen muss, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, wenn man sich die ‘Erzählungen’ und ‘Bilder’, die einem gerade ‘passen’, gezielt herauspickt.

        Wie bei solchen einseitigen Meinungs-Artikeln von Überheblichen mit gepachteter Meinungshoheit bleiben so die Fakten, die nicht ins Bild passen, bequemer weise außen vor!

        The science is settled! Die Partei hat immer recht! Basta!

        Dann noch ein paar typische Zersetzungsvokabeln: ‘reinste Boomer-Essenz’, ‘einfach dumm’ – so diskutiert man heute!

        Als unwürdiger Kommentator, dessen Erwähnung Ihnen unnötig erscheint, muss und will ich – im Gegensatz zu Ihnen – niemanden von irgend etwas überzeugen.

        Ich äußere lediglich meine Sicht der Dinge auf die von allen Seiten auf die Leser solcher Beitrage einprasselnden, einseitigen und fragwürdigen Narrative.

        Wie bereits zitiert: “In diesen Zeiten, in denen jeder einem etwas aufs Auge drücken will, ist Abstand und etwas Reflexion nicht die schlechteste Wahl.”

        Und Ihre ‘Wahrnehmung’ die sie ihren Lesern ‘aufs Auge drücken’ ist hier sicher keine Ausnahme!

        PS: Wer sagt Ihnen eigentlich, dass Rene Gator ein Pseudonym ist?! Sind Sie auch noch Hellseher?!

        • Sie entscheiden sich aus freien Stücken unsere Netzseite zu besuchen und öffnen einen Beitrag, in dessen Rahmen ich mich mit der Wahrnehmung des Krieges auseinandersetze. Ich beziehe dabei explizit weder eine russische-, noch eine ukrainische Position. Diese Indifferenz ist Ihnen dann schon zu viel, Sie hämmern in boomeresker Manier einen Kommentar heraus, weil Sie glauben, die russische Invasion rechtfertigen zu müssen.

  2. Also ich werde mein Leben nicht für den “Westen” geben. Mein Freund, der immer kontroverse Themen abblockt, seien es politische oder private Themen, spricht immer sehr Erhaben von oben herab wie sehr ihn das nicht alles Interessiert. Jetzt hat er die Ukraine-Flagge als Profilbild in WhatsApp. Hab ihm sofort ein paar Bilder des Azov-Battalions geschickt und er meinte mir würden diese Bilder besser als Profilbild stehen. Außerdem ist er der festen Überzeugung, dass es gestellte Bilder sind, nur um krude Verschwörungstheorien zu rechtfertigen… natürlich ist er auch komplett geimpft seit der ersten Stunde. Ich hingegen nicht. Ich werde den Kontakt nun stark reduzieren, obwohl wir auch gemeinsam Sport machen. Diese scheinheiligkeit, die da zutage getreten ist, stößt mir sauer auf. Gruß von einem YT-Abonnenten und basiertem Krautzone Podcast Genießer.

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