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Müller trifft Weidel – Die Milch macht’s!

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Dass sich der politische Wind in der Bundesrepublik spätestens seit diesem Jahr etwas dreht, ist spürbar. Der so oft heraufbeschworene „Rechtsruck“ kommt allmählich in Fahrt – der „Stolzmonat“ in den sozialen Medien, die Unbeliebtheit der Bundesregierung sowie das Umfragehoch der AfD seit dem Frühsommer sind beste Indizien für diese Entwicklung. Die Dominanz des Mainstreams scheint sich langsam, aber sicher aufzulösen – Sachen werden wieder sagbar, die vor ein oder zwei Jahren undenkbar gewesen wären, und die Linken scheinen besorgt um ihre Vorherrschaft.

Die Wirtschaft in Deutschland war bislang – zumindest in der Öffentlichkeit – der metapolitischen Hegemonie der Linken treu ergeben; so vergesse man nicht, dass wichtige Wirtschaftsfunktionäre wie Joe Kaeser, zwischen 2013 und 2021 Vorstandsvorsitzender von Siemens, die fatale Migrationspolitik einer Angela Merkel unterstützten. Doch auch die Fassade ist gerade dabei, ordentlich zu bröckeln.

Grund hierfür ist Theo Müller, seinerseits Chef der Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der Marken wie Müllermilch, Landliebe oder Homann gehören. Er steht, so berichten die Medien seit einigen Tagen und so bestätigt er es selbst, seit längerer Zeit in Kontakt zur AfD, insbesondere zu Parteichefin Alice Weidel. Offenbar traf Müller sie unter anderem in einem Nobelrestaurant im südfranzösischen Cannes. Dass Unternehmer sich mit Politikern in irgendwelchen Edelschuppen zum Dinieren verabreden, ist ja an sich nichts Ungewöhnliches – also, sofern es sich dabei um eine etablierte Partei handelt.

Tatsächlich sind Medien- und Politik-Mainstream alles andere als erfreut. Innenministerin Nancy Faeser (SPD) rief die deutschen Unternehmen auf, Haltung zu zeigen und die AfD zu boykottieren – ach so. Doch es wird noch besser: Der antifaschistische Streiter Lorenz Gösta Beutin von der Linken rief in einer Twitter-Nachricht explizit zum Boykott Müllers auf:

„Leute wie Müller waren es, die dem deutschen Faschismus den Weg gebahnt haben. Ja, man muss ihnen das Handwerk legen, aber derweil ist es schonmal eine gute Sache, Produkte von #MuellerMilch, #Weihenstephan oder #Landliebe nicht mehr zu kaufen. Danke.“

Auch Renate Künast (Die Grünen) rief zu Ähnlichem auf. Wirklich erfolgreich scheinen die Linken aber nicht gewesen zu sein, denn für die Müllermilch und andere Produkte läuft der Verkauf noch ziemlich gut.

Der Konzernchef selbst sagte laut „Handelsblatt“ dazu: „Bei den Gesprächen mit Frau Dr. Weidel galt mein Interesse dem Programm der AfD sowie ihrer persönlichen Ansicht zur aktuellen Politik“ – also eine nette, erst mal nichtssagende Aussage; weder ein Bekenntnis noch eine Distanzierung. Man könnte meinen, dass das in den heutigen rauen Zeiten immerhin schon ein Anfang sei. Schließlich müsste er Weidel ja überhaupt nicht treffen oder könnte sie und die Partei gleich mit Schmutz bewerfen, wie es andere Figuren des öffentlichen Lebens regelmäßig tun, wenn er die AfD nicht leiden würde. Stattdessen trifft er sich mit der Parteichefin und leugnet es nicht mal. Vielleicht könnte sich Theo Müller zu einer wichtigen Stütze für die Partei und damit auch für die Interessen des konservativen Lagers entwickeln. Denn klar: Ideale und Ziele sind unerlässlich, aber auch Rechte leben nicht allein davon – es braucht auch das Geld, um die Wende zu meistern.

Wie lässt sich die Causa Müller nun bewerten? Im Großen und Ganzen ist das eine gute Nachricht – ein weiterer Schritt, um die linke Vorherrschaft zu brechen, ist getan. Doch darf man nicht gleich zu euphorisch sein: Schließlich weiß keiner genau, wie treu Müller hinter der Sache steht. Wenn er unsere Interessen teilte und dadurch Partei und Vorfeld mit finanziellen Mitteln großzügig unterstützte – sehr gut. Wenn er sich aber mit abweichenden Ansichten in unsere Sache einmischte und damit versuchte, das konservative Lager zu seinem Büttel zu machen – eher schlecht. Daher heißt es: abwarten. Man sollte vielleicht auch nicht aus den Augen verlieren, dass die Produkte von Müller meist überzuckerte Industriewaren sind…

Aber ich will den Text nicht mit einer Miesmacherei beschließen, deshalb: Es ist schon richtig und wichtig, dass Theo Müller sich mit Weidel trifft und diese Treffen auch in der Öffentlichkeit nicht leugnet. Müller passt auch sonst nicht in die deutsche Wirtschaftsszene des 21. Jahrhunderts: Er übernahm den Betrieb seines Vaters, machte besagten, vier Mitarbeiter zählenden Betrieb zu dem Unternehmen, das es heute ist, gründete eine Familie und zeugte neun Kinder und vertritt scheinbar äußerst konservative Werte – er ist noch ein Überbleibsel des Unternehmergeistes, der die deutsche Wirtschaft im 19. und 20. Jahrhundert groß machte. Im Gegenzug dazu jene Managergestalten wie der bereits genannte Joe Kaeser: Das sind austauschbare Verwalter, Zahlenverschieber ohne jeglichen emotionalen Bezug zum Unternehmen. Müller regiert wie ein Monarch, Kaeser verwaltet wie ein Beamter – und so unterscheiden sie sich auch in ihrer politischen Haltung. Dieser Fakt dürfte also ruhig ein guter Grund zum frohen Mute sein…