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Religiöse Rituale in der Bundesrepublik

24. Februar 2022

In den zwei Wochen seit der letzten Kolumne verstrichen zwei Daten, die für das heutige Selbstverständnis der bundesrepublikanischen Elite eine nicht unwichtige Rolle spielen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise: Das erste Datum ist der 13. Februar, der Jahrestag der Zerstörung Dresdens durch alliierte Bomberverbände im Jahre 1945, das zweite ist der 19. Februar, an welchem vor zwei Jahren der Amoklauf von Hanau stattfand. Beide Ereignisse und der verlogene Umgang der „Öffentlichkeit“/„Zivilgesellschaft“ mit diesen Ereignissen sind fester Bestandteil der zivil-„religiösen“ Riten der Bundesrepublik.

Ähnlich, wie man zu Zeiten der Französischen Revolution die Kathedrale Notre-Dame in Paris plünderte und sie dann für einen neugeschaffenen Kult zur Verehrung der „Göttin der Vernunft“ umweihte, so plündert man heute – metaphorisch – die deutsche Vergangenheit aus und erschafft sich selbst neue, vollkommen weltliche Kulte. Aber eins nach dem anderen:

Ich nehme an, dass der Leser dieser Kolumne um das Ereignis der Bombardierung Dresdens und ihre militärische Sinnlosigkeit weiß. Es wäre schlicht ehrlich, hier von einem alliierten Kriegsverbrechen zu sprechen. Thema soll diese historische Bewertung aber nicht sein, eher möchte ich den Fokus, wie oben angedeutet, auf die heutige Situation legen: Jedes Jahr am 13. Februar gibt es in der Stadt Demonstrationen. Ein friedliches, stilles Gedenken an die Tausenden unschuldigen Opfer und die kulturellen Narben, die die Zerstörung hinterließ, ist nicht möglich, obwohl es die angemessenste Lösung wäre.

Eine Kundgebung ist geschmackloser als die andere: Die sogenannten „Rechten“ (gemeint ist der klassische Specknackenpöbel) haben wie immer keinen Stil, und von der Widerwärtigkeit der Antifa-Demos brauchen wir gar nicht erst anfangen – „Bomber Harris do it again“, wir alle kennen die Schundparolen des antifaschistischen Gewürms. Die Auseinandersetzungen zwischen rechtem Plebs und linken Lackaffen nimmt die politische Elite wiederum zum Anlass, sich auf den Gründungsmythos der Berliner Republik zu berufen: die Befreiung vom Nationalsozialismus.

Die gezielte Zerstörung der eigenen Stadt als „Befreiung“ zu verkaufen, hat einen fahlen Beigeschmack, hinzu kommt dabei noch die Untertreibung der Opferzahlen (es seien ja „nur“ 25.000 gewesen, als würde das die Bombardierung weniger schlimm machen) sowie die Betonung, dass unter den Opfern auch Täter gewesen seien. Welch ein Schmierentheater.

Nicht weniger dreist ist die Darstellung des Amoklaufes in Hanau. Ein „rechtsextremer Terroranschlag“ soll er gewesen sein, ein Mosaikstein in der Blutspur des rechten Terrors. Diejenigen, die regelmäßig Shlomo Finkelsteins Videos schauen, wissen, wie wenig an diesem Narrativ dran ist: Da ist ein Irrer durchgedreht und hat, wohlwissend um das mediale Echo, auf Ausländer geschossen, um die größtmögliche Aufmerksamkeit zu bekommen. Die Falschdarstellung der Tatmotive aber ist entscheidend für den Ritus:

Der Amoklauf ist nicht nur der perfekte Anlass für Repressalien gegen die dissidente Rechte, sondern auch ein neuer Bestandteil im „Festkreis“ der BRD-Mystik. Keiner kann die pseudoreligiösen Umgangsformen mit diesem Ereignis leugnen: Als bestes Beispiel dient das regelmäßige Aussprechen der Namen der Toten – außer der deutschen Mutter des Amokläufers versteht sich – sowie das völlig irrsinnige Beschuldigen der AfD als Brandstifter und Mittäter – wohlwissend, dass diese Partei in der Gedankenwelt des Attentäters keine Rolle spielte.

Was lehrt uns der Umgang der BRD-Elite mit dem Amoklauf? Nun, einerseits, dass nach dem „Tod Gottes“ eben eine neue, profane Religion aufgebaut werden muss; andererseits, dass der politische Gegner bereit ist, jeden noch so dünnen Strohhalm zu greifen, um uns Rechte zu diskreditieren und damit seine eigene Religion weiter auszubauen. Mit diesem Gegner wird es keinen Frieden mehr geben. Er will uns weghaben, uns, die wir die Ketzer und Leugner seines wahren Glaubens sind; auf dem gesellschaftlichen Scheiterhaufen will er uns sehen. Sollten wir uns das wirklich einfach gefallen lassen?

Fridericus Vesargo

Aufgewachsen in der heilen Welt der ostdeutschen Provinz, studiert Vesargo jetzt irgendwas mit Musik in einer der schönsten und kulturträchtigsten Städte des zu Asche verfallenen Reiches. Da er als Bewahrer einer traditionsreichen, aber in der Moderne brotlos gewordenen Kunst am finanziellen Hungertuch nagen muss, sieht er sich gezwungen, jede Woche Texte für die Ausbeuter von der Krautzone zu schreiben. Immerhin bleiben ihm noch die Liebesgrüße linker Mitstudenten erspart…


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