Schon wieder AfD

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Hach, was soll man machen? Erst letzte Woche hatte ich in meiner Kolumne das Verhältnis der AfD zur unserer guten, ja sehr guten (!) Verfassungsschutzbehörde darzustellen versucht, nun wird die Partei wieder Thema meines Textes. Es geht mir, wie man sich denken kann, um den Parteitag in Riesa am vergangenen Wochenende. Begann er am Samstag doch einigermaßen ermutigend – nämlich mit der Wahl eines neuen, nicht mehr so stark vor den Medien katzbuckelnden Bundesvorstandes –, endete der Sonntag im Streit. Unnötigem Streit, wohlgemerkt.

Streitobjekt war eine Resolution zur Europapolitik, die Teile der AfD zu fahren gedenken. Darin heißt es im Grunde genommen sehr harmlos: Rückkehr zum „Europa der Vaterländer“, wie es den Nachkriegspolitikern Adenauer und de Gaulle vorschwebte. Das heißt in der Konsequenz: Rückbau und Kompetenzbeschneidung der Europäischen Union, wenn nicht gar die Auflösung derselbigen und Ersetzung durch eine andere, neue Organisation.

Was daran so schlimm sei, fragt sich der durchschnittliche KRAUTZONE-Leser. Das frage ich mich auch. Aber anscheinend gab es innerhalb des Bundesvorstandes, vor allem durch Alice Weidel (so zumindest berichtete es Hans-Thomas Tillschneider in einem Podcast mit Götz Kubitschek), Widerstand gegen diese Resolution, obwohl sie von vielen bedeutenden Parteimitgliedern lagerübergreifend ausgearbeitet worden war. Hauptkritikpunkt sei, neben anderen fadenscheinigen Gründen, die Formulierung „Globalisten“ im Text. Der Streit wurde so hitzig, dass der Parteitag abgebrochen werden musste – sehr zur Schadenfreude der Hyänenpresse (die übrigens, ziemlich basiert, nicht allzu offenherzig behandelt wurde: So gab es beispielsweise kein WLAN für Pressevertreter…).

Tja, nun, was das soll, fragt man sich. Erst letzte Woche hatte ich für unbedingte Geschlossenheit plädiert (nicht, dass ich glaube, irgendeiner der AfD-Politiker würde meine Texte lesen), und jetzt das. In Bezug auf die Presse lässt sich im Grunde genommen nur die gleiche Strategie wie gegen den Verfassungsschutz fahren: Keine Kompromisse, keine Anbiederung, keine Kriecherei. Sie wollen die Partei weghaben, also warum die ganze Farce? Wem nützt ein im Streit vorzeitig aufgelöster Parteitag? Warum um alles in der Welt tut sich diese Partei – oder besser gesagt: ihre Führungsriege – so schwer, endlich mal einen Schritt in die richtige Richtung zu wagen?

3 Comments

  1. Ein Europa der Vaterländer mit souveränen Nationalstaaten die miteinander handeln und Verträge schließen, ist der richtige Weg. Genau das ist eben Europa und nicht das durch die EU kastrierte zentralistische Europa.

  2. Europa ist Vielfalt und es hat eine völlig andere Geschichte. Eine künstliche Einheiten zwischen Ländern mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen ist viel mehr eine Träumerei. Mal davon abgesehn wird die U.S.A. ohnehin nicht akzeptieren wenn die EU meint sie müsste sich zu einer militärischen Großmacht aufschwingen die mit der U.S.A. militärisch konkurrieren kann. Was passiert wenn man das versucht musste ja Das Deutsche Reich leidvoll erfahren. Insofern das Europa völlig unabhängig von der U.S.A. oder jeglicher anderen Supermacht ist schlicht nicht realistisch. Die Tedenz ist eher das die einzelnen Ländern in Europa mehr in Verteidigung investieren werden, was ohnehin schon lange notwenig war.

    • Anderen Kulturen Werte aufzuzwingen hat noch nie funktioniert. Es funktioniert ja auch in Deutschland nur bedingt dass aus unterschiedlichen Völkern besteht. Viel gemeinsam hat ein Bayern mit einem Friesen eigentlich nicht, mal abgesehn von der Kunstsprache “Hochdeutsch” eigentlich garnichts. Gemeinsame Wertvorstellungen existieren in diesem Land derzeit kaum oder wenig. Es gibt keinen Kitt der dazu beitragen könnte das die Deutschen sich wieder wirklich als eine Nation sehn. Wie wenig ich mit den meisten Menschen gemeinsam haben und vorallem mit den meisten Deutschen die ein Spezialfall sind hat man während der letzten zwei Jahre bei Corona gesehn. Insofern welche tragfähige Leitkultur existiert denn von der sich andere freiwillig was abschauen wollen? In Deutschland existiert das schon lange nicht mehr. Der Westen insgesamt hat eigentlich nkeine gemeinsame in sich konsistente Wertvorstellungen. Das einzige worin man derzeit glänzt ist Gratismut und Heuchlerei.

      Die Jungs von Krautzone haben es schon erkannt das die typische Boomersprech von wegen ja beim Kohl oder beim Schmidt war alles noch soweit in Ordnung ein Teil des Problems ist weil die Erkenntnis dass es da schon lange nicht mehr in Ordnung war völlig fehlt. Leider sind diese u.a. in der AfD zuviel vertreten.

      Die Schwierigkeit die es gibt ist dass eben die Steuerung der AfD als Opposition durch Infiltration schon längst begonnen hat.
      Aus meiner Sicht ist das ein Grund warum sie nicht mehr vorankommt. Die Problematik die ich sehe dass das westdeutsche Bürgertum egal was passiert solange es ihnen noch so gut geht wie jetzt niemals umdenken wird. Warum man überhaupt noch Parteien wählen kann die letztendlich diesem Land nur Schaden zufügen ist mir schleierhaft. Aber offenbar funktioniert die Manipulation und die Propaganda im Westen sehr gut im Osten Deutschlands weniger weil da die letzte Diktatur noch nicht so lang her ist.

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