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Warum die Kartoffeln ihre Bauern unterstützen

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Seit Anfang der Woche haben die Bauernproteste in Deutschland eine neue Dimension erreicht: Landesweit werden Autobahnausfahrten blockiert, in Großstädten sind Tausende Traktoren auf der Straße und protestieren gegen die Ampelregierung und ihre Einsparungspläne. Grob auf den Punkt gebracht war geplant, die Lücke im Haushalt mit der Erhebung einer Steuer auf Agrardiesel und der Streichung diverser Subventionen zu füllen, was den deutschen Landwirten gegenüber ihrer Konkurrenz im Ausland einen gravierenden Wettbewerbsnachteil verschaffen würde. Weiter gefasst richten sich die Demonstrationen aber auch gegen die Ampel und ihren grünen Kurs an sich.

Trotz der enormen Beeinträchtigung, die mit solchen Blockaden für die Allgemeinheit einhergeht und einhergehen soll, steht das Land verblüffend geschlossen hinter den Bauern: Während die Medien, nicht erst, seit Habecks bereits abgelegter Fähre hinterhergejoggt wurde, tatkräftig versuchen, die Demonstrationen als rechtsextrem zu brandmarken, unterstützt mit 53,2 Prozent die absolute Mehrheit der Deutschen die Proteste „auf jeden Fall“, während weniger als ein Drittel, 29,2 Prozent, sie „eher“ oder „absolut“ ablehnen. „Eher“ auf der Seite der Bauern stehen 64,5 Prozent, während 6,3 Prozent sich laut einer Civey-Umfrage noch unsicher sind. Am Montag war ich selbst auf einer Bauerndemo unterwegs und habe diverse Gespräche unter Passanten aller denkbaren Altersgruppen belauscht – dort hörte ich durch die Bank positives Feedback, einige winkten den Bauern auch zu und zeigten Daumen-hoch-Gesten. Aber auch wenn das Anliegen sowie die negativen Folgen der Ampelpläne, die auch der Normalo an der Supermarktkasse früher oder später zu spüren bekommen wird, einen nachvollziehbaren Grund dafür liefern, denke ich, die Stimmung speist sich nicht zuletzt aus einem größeren Kräftemessen, das langsam, aber sicher auch die Mitte der Gesellschaft erreicht hat.

Die Umfragewerte der auf schätzungsweise der Hälfte der Transparente der Bauern direkt unter Beschuss genommenen Ampelparteien befinden sich, nach der neuesten Insa-Umfrage von Dienstag, bei 33 Prozent, gerade einmal einem Drittel. Anfang Dezember gaben im Deutschlandtrend 82 Prozent der Befragten an, dass sie mit der Bundesregierung unzufrieden sind. Der massive soziale Abstieg der Mittelschicht, die inzwischen nicht mehr bloß durch die Decke, sondern durch das oberste Dach explodierte Gewaltkriminalität und, als demütigendes Sahnehäubchen obendrauf, die immer penetrantere Behelligung mit der vom Bildungs- und Medienkomplex vorgegebenen Weltanschauung und Moral, ob nun, dass Männer Frauen sein können, wenn sie sich danach fühlen, oder dass Weiße sich dafür schuldig fühlen sollen, wie sehr sie allen anderen das Leben vermiesen – so langsam, scheint es, erkennt die breite Masse, zumindest auf der Gefühlsebene, einen roten Faden in diesem ätzenden Gemisch. Es mag sich noch in einer recht plumpen „Die Scheiß-Grünen“-Aufruhr kanalisieren, welche verkennt, dass alle etablierten Parteien sowie alle wichtigen Institutionen sich in den Dienst derselben geisteskranken Ideologie gestellt haben, zu der nur die Grünen sich offen bekennen, aber dennoch: Die Richtung stimmt.

Der Protest der Bauern dient nun als vorläufiger gesamtgesellschaftlicher Kulminationspunkt dieses gerechtfertigten Zorns, nach dem Motto: Nun hat die woke Sekte sich mit einer Personengruppe angelegt, die, anders als viele, die vor ihr kamen, sowohl in der Lage als auch willens ist, sich tatkräftig zu wehren, und hinter dieser versammelt sich die Allgemeinheit nun, sieht in ihr wirkmächtige Repräsentanten, die denen, unter denen sie genauso leiden, im besten Fall eine strategische Niederlage zufügen könnten. Diesen gesellschaftlichen Kernkonflikt bringen die Bauernproteste ähnlich auf den Punkt, wie wir das im Stolzmonat taten: Statt der auf linken Demos ungeachtet des Themas heimischen Regenbogenflaggen findet man hier ein Meer aus Deutschlandflaggen vor.

Ich will aber noch mal betonen: Das ist eine Facette, die die Zustimmung der Leute begründet. Dass wir es hier, anders etwa als bei der Letzten Generation, nicht mit einem Haufen dummer Penner aus den Universitäten sowie Opportunisten, die mal ne schnelle Mark machen wollen, sondern mit den Menschen zu tun haben, die unser Essen auf den Teller bringen, könnte auch eine gewisse Rolle spielen. In jedem Fall haben die Mächtigen nun ein massives Problem, und es liegt in unser aller Interesse, den Bauern so tatkräftig zur Seite zu stehen, wie wir nur können.