WEF – Die Schattenelite

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Letzte Woche versammelten sich von Montag bis Freitag sämtliche Mitglieder der regierenden globalen Eliten in Davos im Schweizer Kanton Graubünden. Seit 1971 lädt der deutsche Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige Professor für Business Policy Klaus Schwab regelmäßig Vertreter aus Wirtschaft und Politik sowie „Experten“ und „Journalisten“ in das beschauliche Städtchen im Landwassertal zur Konferenz des World Economic Forum (WEF) ein, um dort mit ihnen über „aktuelle globale Fragen zu diskutieren“ – so beschreibt es zumindest Wikipedia.

Das klingt beim ersten Eindruck weder anrüchig noch schlimm, und tatsächlich werden globale Fragen diskutiert, so etwa über den wirtschaftlichen Neuanfang nach der Corona-Pandemie – aber was dort gesagt wird, zu welchen Schlüssen die Teilnehmer im Umgang mit aktuellen Problemen kommen, und die Macht, die das WEF und dessen Gründer und Teilnehmer in den Händen halten, sind aus Sicht eines konservativen Menschen mehr als besorgniserregend.

Doch wie spricht man dieses Thema an? Vielen gelten negative Kritik an Klaus Schwab und Hinweise auf die inoffizielle Machtausübung des WEF dank der dauerfeuernden Mainstreampropaganda insbesondere seit der Corona-Sache als Verschwörungstheorie. Gerade wenn man viele Linke darauf anspricht, wird man nicht allzu selten als „Schwurbler“ abgestempelt – was eine gewisse Ironie innehat, galt doch das WEF den meisten Linken (und wohl heute noch den sogenannten „Altlinken“) als Hort des globalen, neoliberalen Kapitalismus; linke Proteste gegen Schwabs Konferenz waren bis in die 2010er-Jahre nicht unüblich. Es fällt auf, dass ab diesem Zeitraum linke/linksliberale Kritik am WEF, ähnlich wie bei der Wall Street, allmählich verschwindet.

Der Hauptgrund hierfür dürfte wohl Anpassung heißen: Schwab machte bereits 2012 Kapitalismuskritik zu einem Tagesordnungspunkt der damaligen Konferenz; man nahm den linken Bewegungen, wohl merkend, wie populär und auch gewaltig sie auf der Straße waren, den Wind aus den Segeln, indem man ihre Themen übernahm. Gleiches bei der Wall Street: Seit den linken „Occupy Wall Street“-Protesten der Jahre 2011/12 wurden Dinge wie Rassismus und Sexismus auch vermehrt in wirtschaftliche Zeitungen und schließlich in den Mainstream getragen – bis zu dem Punkt, an dem wir heute stehen. Wer mag da an Zufall glauben?



Ich finde es ohnehin erstaunlich, wie man vor der offensichtlichen inoffiziellen Machtausübung des WEF die Augen verschließen kann. Klaus Schwab, der ohnehin nicht selten mit seinem Bildungsgrad, seinem Kleidungsstil und seinem deutschen Akzent den Eindruck eines klassischen Bond-Bösewichts hergibt, gibt dies auch ohne Geheimniskrämerei zu: „We penetrate the cabinets“„Wir durchdringen die Kabinette [der Regierungen]“, sagte er auf offener Bühne im Jahre 2017. Er spricht in diesem Interview den Einfluss seiner Stiftung „Young Global Leaders“ an, den sie auf die Regierungen verschiedener Länder hat.

Man sollte nicht unterschätzen, wie viele Politiker Mitglied dieser Vereinigung sind: Darunter sind Annalena Baerbock, Jens Spahn und die Altkanzler Angela Merkel (damals noch in der Vorgängerorganisation „Global Leaders for Tomorrow“) und Sebastian Kurz aus dem deutschsprachigen Raum sowie mit Emmanuel Macron, Sanna Marin, Jacinda Ardern und Justin Trudeau vier Staats- und Regierungschefs westlicher Nationen.

Und schließlich ist da noch das, was beim WEF besprochen wird. Die vermementen Sätze à la „You vil eat ze bugs“ und „You vil own nozing and you vil be happy“ sind den meisten sicherlich bekannt. Diese Memes sind ja auch ganz amüsant, nur sollte der Ernst dahinter nicht vergessen werden – denn Klaus Schwab meint das ernst. Seine Ideen für die Zukunft hat er in seinem 2020 erschienenen Buch „The Great Reset“ erläutert. Kurzum: Er will ein weltumspannendes, technokratisch-seelenloses Managersystem, in dem auf alle niederen Bedürfnisse des Menschen eingegangen werden kann („…and you vil be happy…“), quasi eine Brave New World.

Wer sich genauer damit beschäftigen will, kann ja entweder das Buch lesen oder sich bei Kollegin Charlotte Corday informieren, die dieses Werk lang und breit besprochen hat. Wer einen weiteren Eindruck von Schwabs Gedanken haben möchte, der soll sich einen Satz auf der Zunge zergehen lassen, den er dieses Jahr auf der Bühne dem Publikum sagte: Man solle sich vorstellen, wie man in zehn Jahren die Zuhörer nicht mehr nach ihrer Meinung fragen brauche, da diese durch entsprechende technische Installationen im Hirn des Zuhörers gescannt und gelesen werden könne. Das ist die Welt, in der Klaus Schwab leben möchte – und es ist die Welt, deren Entstehung ich als Rechter unbedingt zu verhindern gedenke. Nur wie, als Ohnmächtiger? Tja, das weiß ich auch nicht. Aber ein Anfang wäre es doch zumindest, wenigstens ein paar Leuten zu zeigen, was für ein Mensch dieser Herr Schwab ist…

1 Comment

  1. “Nur wie, als Ohnmächtiger?” – da liegt der Kern des Problems, die Onmacht entsteht durch das Gefühl allein gegen eine überwältigende Übermacht anzukämpfen.
    Allwerdings ist diese Übermacht gleichermaßen allein durch das sozialmediale Narrativ zusammengefügt, und damit genauso schwach (oder stark) wie unsereines.

    Daherimmer dran denken:Gemeinsam sind wir stark, aber ohne daß jeder Einzelne tagtäglich wenn es geboten ist für Wahrheit & Werte einsteht ist auch die Gemeinschaft schwach,

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