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Holen wir uns den vorpolitischen Raum!

23. März 2022

Mit „Better Call Saul“ geht kommenden Monat eine der letzten wirklich hochwertigen Serien zu Ende. Vor Kurzem erst wurde ja die Serie „Dexter“ ein zweites Mal unrühmlich abgeschlossen, nur diesmal, zusätzlich zu einer ähnlich entgleisenden Handlung, wie sie schon beim ersten Ende sauer aufstieß, auch noch mit einigem woken Radau. Guck mal, ein schwuler Waffenladenbesitzer, der insgesamt zwei Minuten Screentime bekommt, in denen eigentlich nur verkündet wird, wie stockschwul er doch ist; guck, der blöde weiße privilegierte Cis-Boy, guck, Luisa Neubauer für Arme als Love Interest für Dexters Sohn, guck, die taffe Podcasterin, die kleine BuzzFeed-Feminismus-Reden schwingt, und so weiter und so fort.

Bei „Better Call Saul“ bin ich eigentlich guter Hoffnung, dass uns so eine Verseuchung der Serie auf den letzten Drücker erspart bleiben wird, denn in ihrem Universum würden woke Töne noch dissonanter herausstechen, als das beim freundlichen Serienkiller der Fall war, aber nichtsdestotrotz steht mit dem anstehenden Ende einer der letzten kopfschmerzfrei konsumierbaren Serien wieder einmal die Frage im Raum: Was zum Teufel soll man noch gucken?

Mainstream-Entertainment mit konservativem Einschlag ist ja ohnehin seit Jahrzehnten keine Sache mehr; und momentan schmilzt die rettende Eisscholle der auch nur nicht explizit linkspolitischen Unterhaltung auf Hochtouren dahin. Der Regenwald des Unpolitischen wird gerodet, und ich sitze als trauriger Orang-Utan auf dem Sofa wie auf einem der wenigen verbleibenden Bäume, nur wartend auf das Knattern der Motorsäge. Leider schießt niemand ein anrührendes Foto von mir. Und es sind ja nicht nur die Filme und Serien, es ist alles. Hinknieball, Radio, das große Promi-Madenessen; alles, was in Bild und/oder Ton verbreitet wird.

Zum einen nagt es tatsächlich ein wenig an der Psyche, mit anzusehen, wie alles, was man konsumiert, vor den Karren der Gegner gespannt wird. Ein niedrigschwelliges „Die Wände kommen auf dich zu“-Gefühl erzeugt es bei mir ein ums andere Mal, wenn ich Ewigkeiten damit verbringen darf, irgendetwas zu gucken zu finden, das mir nicht durch die Blume mitteilen möchte, dass man so was wie mich doch eigentlich an die Wand stellen sollte. Zum anderen liegt in den Ausmaßen dieser raschen Erosion des Unpolitischen auch eine Chance: Man könnte genau diese Sparte von unserer Seite aus besetzen.

Machen wir uns nichts vor, etwas wirklich Unpolitisches gibt es gar nicht. Alles transportiert eine gewisse Philosophie, ein gewisses Lebensgefühl, eine Grundhaltung. Die einzige Frage ist: Wie explizit? Die Antwort auf diese Frage ist in der heutigen Unterhaltungswelt „ja“. Das öffnet eine Nische: Unterhaltung, die dich nicht sofort mit rechten Ansichten überfahren muss (wobei man diese auch nicht krampfhaft vermeiden sollte), gemacht von Rechten, mit rechten Gästen. Zum einen für die Psychohygiene unseres eigenen Lagers, wo man dann immer mehr Vernünftiges zu gucken hätte, auch wenn einem der Sinn gerade nicht nach Politik steht, und zum anderen als Einstiegspunkt für den Ottonormalo. Denn wenn du irgendwen daher kennst, dass er die lustigsten Witzchen beim Kniffel-Podcast oder was auch immer reißt, dann bist du direkt schon mal offener, dir auch Meinungen von ihm anzuhören, bei denen du im Normalfall mental dichtmachen würdest. Wichtig wäre daher auch, dass explizit politische Figuren wie etwa meine Wenigkeit in solchen Formaten immer mal wieder zu Gast sind, wie vergangene Woche bei der Quizshow von Gabba Gandalf. Von so etwas bräuchte es mehr, und es muss gepusht werden.

Wir, die politische Inhalte produzieren, sind ja alle in irgendeiner Form auch durch den Gedanken getrieben gewesen: „Warum gibt es die ‚Tagesschau‘, ‚Monitor‘, die ‚heute-show‘ et cetera eigentlich nicht von der anderen, meiner politischen Seite?“. Es ist an der Zeit, dass derselbe Gedanke auch im unpolitischen Unterhaltungsbereich greift und sich rechte Spieleshows, Sport-Podcasts, Kochshows et cetera herauskristallisieren, die dann bestenfalls immer wieder auch von explizit politischen Akteuren besucht werden, aber nicht den Hauptfokus haben, politisch zu sein. Hier sehe ich auch gerade das größte Potenzial für Newcomer, denn in der offen politischen Szene ist das Feld ja inzwischen relativ dicht geworden, während der nicht explizit politische Raum annähernd vollständig verwaist. Immer mal wieder haut ein einzelner Aktivist, YouTuber oder Politiker nebenbei in so eine Kerbe, wie jüngst Maître Gunnar Lindemann, aber es bräuchte Leute, deren Hauptfokus auf solchen Formaten liegt, und von den eben Genannten müssten diese dann Unterstützung bekommen.

Mein Appell daher: Ihr kennt euch aus mit, sagen wir, Fußball, und seid in der Lage, euch zu artikulieren? Macht ein Fußballformat und ladet Rechte ein. Ich würde kommen. Schreibt ‘ne E-Mail an „[email protected]“ in dem Fall. Nur so als Beispiel, im Grunde: Wenn ihr denkt: „Unterhaltungsformat ABC aus der Glotze oder dem Netz könnte ich auch (und hätte ich Bock drauf)“, dann probiert es doch einfach mal aus. Der Moment, den unpolitischen Bereich zu erschließen, war noch nie so opportun, denn das penetrante linkspolitische Reviermarkieren in Mainstream-Formaten geht bei Weitem nicht nur uns auf den Sack. Es geht sogar der Mehrheit auf den Sack.

Shlomo Finkelstein

Shlomo Finkelstein wollte immer schon irgendwas mit Hass machen. Seit 2015 erstellt er als "Die vulgäre Analyse" Videos, und seit 2019 zusammen mit Idiotenwatch den Podcast "Honigwabe".

Belltower News schreibt über ihn: "Da er vorgibt, sein Hass sei rational begründet, sind besonders junge Menschen der Gefahr ausgesetzt, die Thesen für bare Münze zu nehmen und sich so zu radikalisieren."


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