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Mit dem Gegner auf der selben Seite des Tresens

24. August 2022
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Neulich in einer Bar. Ein athletischer Mann mit Vollbart fragt mich, zu welchem MC ich gehรถre. โ€žZu keinemโ€œ, versichere ich ihm lachend, klopfe ihm auf die Schulter und stelle ihm die gleiche Frage. Auch er gehรถrt keinem Motorradclub an. Er ist Deutschrusse und kรผrzlich aus dem Krieg zurรผckgekehrt. Dreieinhalb Monate war er an der Front. Mit den Tschetschenen. Bei der Einnahme Mariupols sei er dabei gewesen. Stolz prรคsentiert er mir die Spuren einer Verwundung, die er durch einen Granatsplitter davongetragen hat. Nun sind die deutschen Behรถrden hinter ihm her. Man dรผrfe zwar im Ukrainekrieg kรคmpfen, aber nur fรผr die Ukraine.

Ich รผberlege, ob ich ihm sagen soll, dass ich ebenfalls vor kurzem an der Front gewesen bin, als Journalist. Ich sage es ihm, zeige ihm Bilder auf meinem Smartphone. Auch aus meiner Sympathie fรผr die ukrainische Seite mache ich keinen Hehl. Dabei lasse ich den Kรคmpfer nicht aus den Augen, rechne damit, dass er mir seine Bierflasche รผber den Kopf zieht. Dann das Unerwartete: Als ich ihm ein Video zeige, das ich von einem gut gelaunten britischen Freiwilligen gemacht habe, lรคchelt er und ruft: โ€žWas fรผr gute Jungs! Auf beiden Seiten! Wer kรคmpft, hat meinen Respekt.โ€œ

Er hat verdammt nochmal Recht und er ist mir in diesem Augenblick sympathischer als all die Landsleute, die die russischen Soldaten entmenschlichen, indem sie sie Orks nennen, aber selbst nie auf die Idee kรคmen, zur Waffe zu greifen und der Ukraine beizustehen. Natรผrlich ist Russland der Aggressor in diesem Krieg, doch fรผr mein Gegenรผber ist Mรผtterchen Russland (neben Deutschland) eben auch das Vaterland.

ABOS

Bรผcher

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